"Jetzt kommen wir in den alten Teil des Waldes, hier verändert sich etwas", sagt Biologe Klaus Striepen von Wald und Holz NRW. Gemeinsam mit seiner Kollegin Nicole Fiegler untersucht er, wie sich die Naturwaldzelle Hellberg im Kreis Höxter entwickelt.
60 Hektar groß und seit fast 50 Jahren kein Eingriff mehr. In Deutschland ist das selten, fast jeder Baum hat sonst eine Bestimmung. Doch am Hellberg darf die Natur machen, was sie will. Alte Buchen, abgestorbene Stämme, Totholz – alles bleibt liegen und wird Lebensraum für Insekten, Pilze und Vögel.
Käfer als Indikatoren
Das wichtigste Werkzeug der Forscher sind kleine Becher im Waldboden – Käferfallen. Was unscheinbar wirkt, liefert entscheidende Daten. Denn Käfer reagieren sensibel auf Veränderungen und liefern so ein Bild vom Zustand des Waldes "Käfer zeigen uns, wie gesund der Wald ist", erklärt Striepen. "Sie sind ein Gradmesser dafür, wie er auf den Klimawandel reagiert." Gerade die letzten Jahre haben Spuren hinterlassen: Hitze und Trockenheit setzten den Buchen stark zu.
"Wir können hier beobachten, wie Wälder ohne Eingriff zurechtkommen – und vielleicht Lösungen für die Zukunft finden." Klaus Striepen, Biologe
Auswertung in Münster
In ganz Nordrhein-Westfalen gibt es mehrere solcher Naturwaldzellen. Kleine Inseln der Wildnis, verteilt in einer intensiv genutzten Landschaft. Einige Wochen nach dem Fallenstellen landen die Proben bei Michael Meyer an der Universität Münster. Hunderte Käferarten werden hier bestimmt und gezählt.
"Die Spannweite reicht vom winzigen Zwergkäfer, nur Bruchteile von Millimetern groß, bis zu Arten von sieben Zentimetern", sagt Michael Meyer von der Universität Münster. In den kommenden Wochen geht die Auswertung und Bestimmung der Käferarten weiter. "Besonders freuen wir uns über seltene Arten – sie zeigen, dass Naturwaldzellen funktionieren."
Blick in die Zukunft
Anfang August wurden die letzten Proben aus den Naturwaldzellen entnommen. Die Untersuchungen werden über Jahrzehnte wiederholt. Denn die Forscher wollen langfristig verstehen, wie sich Wälder ohne menschliche Nutzung entwickeln – und welche Erkenntnisse sich auf bewirtschaftete Forste übertragen lassen.
Zurück am Hellberg wird klar: Für Biologe Klaus Striepen ist der Wald mehr als ein Forschungsobjekt. "Alte Wälder strahlen für mich Kraft und Ruhe aus", sagt Klaus Striepen. "Selbst wenn ich hier arbeite – ich kann eine Stunde sitzen und neue Energie tanken."
Unsere Quellen:
- Wald und Holz NRW
- Uni Münster
- Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Über dieses Thema berichten wir am 27. August 2025 auch im WDR Fernsehen: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.