Mit knapper Mehrheit hatte sich der Stadtrat Höxter schon zweimal für das ehemalige Postgebäude entschieden: Dort sollte ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) entstehen, ein Ort für mehrere Arztpraxen. Bürgermeister Daniel Hartmann (parteilos) legte jedoch Widerspruch ein und nutzte damit sein Recht nach der NRW-Gemeindeordnung.
Hartmann bezeichnete die Entscheidung als "überstürzt". Es gebe noch keine fachgerechte Prüfung, ob das Postgebäude den Ansprüchen eines MVZ gerecht werde. Von Befürwortern des Standorts gab es für seinen Widerspruch herbe Kritik. Am Donnerstag, 2. April, befasste sich der Rat nun erneut mit dem Thema und sorgte für eine Wendung: Das MVZ soll nun doch nicht im ehemaligen Postgebäude entstehen. Dafür stimmte die Mehrheit der anwesenden Ratsmitglieder.
Umstrittene Ratsabstimmung in den Osterferien
CDU, BfH und FBI hatten dem Bürgermeister im Vorfeld der Ratssitzung Absicht vorgeworfen: Viele Ratsmitglieder seien im Urlaub, was das Abstimmungsergebnis verzerre. Hartmann weist die Kritik zurück und verweist auf die Geschäftsordnung. Demnach sei nur ein Abstimmungstermin in den Osterferien möglich gewesen.
Die Fraktion der BfH (Bürger für Höxter) hatte den Standort zuvor unterstützt. In der Sitzung enthielten sich die Mitglieder nun. Grund dafür seien die Einschätzungen von Experten gewesen, die während der Ratssitzung zu Wort kamen, und eine "erneute Bewertung des Sachverhalts erforderlich" machten, heißt es in einer Stellungnahme.
Experten sehen Postgebäude als nicht geeignet
Unter den Experten waren unter anderem die ehemalige Geschäftsführerin eines MVZ in Kalletal und ein Fachplaner für medizinische Gebäude. Sie erklärten, dass sich das ehemalige Postgebäude nicht für ein MVZ eignet.
Ein Problem sei unter anderem, dass die Arztpraxen auf mehrere, im Gebäude verstreute Flächen verteilt werden müssten. Räume könnten so nicht sinnvoll gemeinsam genutzt oder miteinander verbunden werden. Das sei jedoch für ein MVZ wichtig.
Neuer möglicher MVZ-Standort in Höxter wird geprüft
Zudem sei noch unklar, welche weiteren Anforderungen das Versorgungszentrum an den Standort haben wird, erklärte Hartmann. Eine Entscheidung für einen konkreten Standort sei deshalb verfrüht. In der Ratssitzung stellte der Bürgermeister einen möglichen alternativen Standort vor: ein städtisches Gebäude am Berliner Platz 1 in Höxter.
Daniel Hartmann, Bürgermeister von Höxter
Bildquelle: WDR/privatDiese und weitere Möglichkeiten sollen nun geprüft werden. Zunächst soll jedoch die Planung des MVZ weiter konkretisiert werden, um die Anforderungen an den Standort besser bestimmen zu können.
Unsere Quellen:
- Stellungnahme BfH
- WDR-Gespräch mit Daniel Hartmann, Bürgermeister Höxter
Sendung: WDR.de, Rat entscheidet gegen MVZ-Standort in Höxter, 03.04.2026, 17.14 Uhr