Muss die Kita Greste schließen?
WDR. 01:36 Min.. Verfügbar bis 07.07.2028.
Die Gemeinde in Leopoldshöhe denkt darüber nach, ihre vier kommunalen Kitas an freie Träger zu übergeben und die Kita Greste ganz zu schließen – aus Kostengründen. Dagegen haben am Dienstagnachmittag rund 150 Betroffene, Eltern und Kinder auf dem Marktplatz demonstriert. Währenddessen beschloss der Bildungsausschuss, dem Rat die Schließung der Kita Greste zu empfehlen.
In Leopoldshöhe muss die Gemeinde sparen, aufgrund des demografischen Wandels braucht es immer weniger Kitaplätze und die Gebäude der Kindertagesstätten sind renovierungsbedürftig.
Mareike Loges und Tobias Schilling setzen sich mit ihrer Initative für die Kitas ein.
Die Übergabe an freie Träger oder gar das Schließen einer der Einrichtung kommt für die Eltern aber nicht in Frage. Sie wollen die Kitas ihrer Kinder weiterhin in kommunaler Trägerschaft sehen. Deswegen haben sie sich zusammengetan und die Initiative kommunaler Kitas Leopoldshöhe gegründet.
"Wir möchten gemeinsam für die kommunalen Kitas in Leopoldshöhe und unsere Kinder einstehen. Wir fordern einen offenen, ehrlichen und ergebnisoffenen Austausch mit den Eltern und den Verantwortlichen." Mareike Loges, Mutter
Der Hintergrund: Immer weniger Kinder
Aus Mangel an Kindern aufgrund des demografischen Wandels werden langfristig weniger Betreuungsplätze gebraucht. Da die Träger von Kitas Zuschüsse vom Land pro Kind erhalten, führen weniger Kinder zu weniger Geld. Deswegen ziehen einige Träger früh genug die Reißleine, indem sie Plätze abbauen oder Kitas ganz schließen.
Auch in Leopoldshöhe gibt es bereits unbesetzte Kita-Plätze, deren Zahl sich durch den demografischen Wandel weiter erhöhen wird. In insgesamt zehn Kitas werden etwa 600 Kinder in Leopoldshöhe betreut. Seit 2019 sinken die Geburtenrate in Leopoldshöhe kontinuierlich: von 163 Geburten im Jahr 2019 auf 123 im Jahr 2024, heißt es von der Gemeinde. Auch freie Träger mussten bereits Gruppen in Leopoldshöher Kitas schließen müssen, weil die Mindestbelegungszahlen nicht mehr erreicht wurden.
Schließung der Kita Greste im Fokus
In Leopoldshöhe stellt sich jetzt - wie in vielen Gemeinden - die Frage, wie das Problem des demografischen Wandels langfristig angegangen wird. Laut Gemeinde solle zuerst einmal die Kita Greste schließen, denn das Gebäude ist renovierungsbedürftig und das koste zu viel.
Die Kita Greste könnte nächstes Jahr geschlossen werden.
Bei einer Ratssitzung Anfang des Jahres wurde bereits ein Antrag auf eine kurzfristige Schließung der Kita Greste mehrheitlich abgelehnt - auch weil die Eltern damals schon für den Erhalt der Kita gekämpft haben. Im Anschluss gründete die Gemeinde eine Arbeitsgruppe zum Thema Kindergartenbedarfsplanung.
Doch die Richtung bleibt die gleiche: "Die Verwaltung schlägt dem Rat weiterhin vor, in einem ersten Schritt die Kita Greste aufgrund der gravierendsten baulichen Mängel zu schließen", heißt es aus der Verwaltung. Das Gebäude aus den 1950er-Jahren sei nach Einschätzung eines Gutachters nicht sanierungsfähig und weise im Keller Schimmelbefall auf. Die Kita Greste verursache laut der Gemeinde ein jährliches Defizit von etwa 300.000 Euro.
Leopoldshöhes Bürgermeister hat eine klare Meinung sagt, die Gemeinde müsse an alle denken.
"Man kann sich jetzt Szenenapplaus abholen und sagen, die Kita Greste bleibt offen. Dann werden sich viele Menschen freuen. Aber man muss ja auch sagen, dass dann 17.000 Steuerzahlerinnen und Steuerzahler auf lange Zeit doch beträchtliche Beträge investieren, um ein Gebäude zu unterhalten, was man bei nüchterner Betrachtung wirklich nicht mehr benötigt." Martin Hoffmann, Bürgermeister Leopoldshöhe (SPD)
Bürgermeister Martin Hoffmann.
Eltern unzufrieden mit Gutachten
Die Elterninitiative ist unzufrieden mit der Darstellung im Gutachten. Laut der Initative soll es keinen Schimmelbefall in Räumlichkeiten der Kita Greste geben, sondern lediglich Stockflecken. Das sei nicht korrekt dargestellt worden. Sie wünschen sich eine vollständige und transparente Darstellung aller Gutachten.
Wenn die Kita tatsächlich geschlossen werden sollte, müssten die Kindern auf die drei verbleibenden kommunalen Einrichtungen aufgeteilt werden. Die Entscheidung darüber ist für die Ratssitzung am 16. Juli geplant.
Kommunale Kitas zu teuer?
Auch bei den anderen kommunalen Kitas sieht die Gemeinde Einsparungspotenziale: Die kommunalen Kitas sollen seit Jahrzehnten ein Defizit von rund einer Million Euro jährlich erwirtschaften, so die Gemeinde. Das entspreche einem kommunalen Trägeranteil von circa 4.600 Euro pro Kind und Jahr – gegenüber einem Trägeranteil von circa 1.200 Euro pro Kind und Jahr bei freien Trägern. Dieser Unterschied von 3.400 Euro pro Kind habe verschiedene Ursachen, wie mehr Personal und keine optimale Auslastung.
"Die Gemeinde hat ja viele Pflichtaufgaben, die sie erledigen muss und der Betrieb von Kitas ist eine freiwillige Leistung", sagt Bürgermeister Martin Hoffmannn. "Wir merken, dass wir da auch an unsere Grenzen stoßen, die effizient betreiben zu können und deswegen war der Gedanke, dass man guckt, ob es Profis gibt, die das besser machen können als wir."
Zudem kommen Sanierungskosten: Die Gebäude der kommunalen Kitas sind nicht mehr gut in Schuss und notwendige Sanierungen würden laut Gutachten der Gemeinde etwa 1,7 Millionen Euro kosten. Daher werde überlegt, die kommunalen Kitas an freie Träger zu übergeben. Dazu soll bis Ende 2026 eine abschließende Ratsentscheidung fallen.
Elterninitiative kämpft für die Kitas
Die Eltern versuchen das zu verhindern. Sie sprechen mit Politikern, schreiben offene Briefe und gehen an die Öffentlichkeit. Auch ein Bürgerbegehren wurde auf den Weg gebracht. Mutter Mareike Loges sagt: "Unsere Kinder müssen darunter leiden, dass das kommunale Gebäudemanagement der Stadt versagt hat. Das betrifft viele Gebäude, an denen jetzt auf einen Schlag Mängel festgestellt wurden." Die kommunalen Kitas seien alle ausgebucht, darum verstehen die Eltern diese Entscheidung nicht.
Mit selbsgebastelten Plakaten und Trillerpfeifen wird demontriert.
Viele Familien würden sich bewusst für eine kommunale Kita entscheiden, da sie die direkte Anbindung an die Gemeinde, kurze Entscheidungswege sowie die Möglichkeit, Anliegen und Wünsche unkompliziert einzubringen schätzen. "Unsere Kindertagesstätten sind ein wichtiger Teil des sozialen Lebens in Leopoldshöhe und stehen für Verlässlichkeit, Mitbestimmung und eine enge Verbindung zur Gemeinde", erklären die beteiligten Elternbeiräte und Fördervereine.
Wie geht es jetzt weiter?
Erstmal geht es jetzt um die Zukunft der Kita Greste. Die Elterninitiative kämpft weiter für den Erhalt: "Die Hoffnung, dass der Antrag abgelehnt ist, ist da, weil wir durch unsere Arbeit beim letzten Mal sehr gute Kontakte geknüpft haben und auch Ratsmitglieder für die Kitas sind", sagt Mareike Loges. Dafür wird heute auf dem Marktplatz in Leopoldshöhe demonstriert.
Am 16. Juli entscheidet der Rat nach der heutigen Empfehlung des Bildungsausschusses - entweder wird die Kita Greste geschlossen und die Kinder verteilt - oder es müssen andere Alternativen gefunden werden.
Unsere Quellen:
- Gemeinde Leopoldshöhe
- Initiative für kommunale Kitas in Leopoldshöhe
- Gespräch mit Mareike Loges
- Gespräch mit Bürgermeisterin Martin Hoffmann
- Beobachtungen der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Muss die Kita Greste schließen?, 07.07.2026, 05:01 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 07.07.2026, 19:30 Uhr
