Mediziner fordern neue Regeln
Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE/Gaetan BallyWDR. 1 Min. 55 Sek.. Verfügbar bis 18.09.2028.
Anderen helfen, auch nach dem eigenen Tod. Wer sich entscheidet, seine Organe zu spenden, tut das häufig aus diesem Wunsch. Doch die Organspende ist in Deutschland streng geregelt – erst wenn die Gehirnaktivität vollständig erlischt, dürfen die Organe entfernt werden. Das sei zu strikt, findet Professor Jan Gummert. Wie viele seiner Kollegen hält der ärztliche Leiter des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen ein anderes Kriterium für sinnvoller: den Herztod.
Die Organspende ist in anderen Ländern einfacher
Der Herz- und Kreislaufstillstand, wie der Herztod eigentlich heißt, ist weltweit die häufigste Todesursache. In fast allen Nachbarländern dürfen Organe entnommen werden, wenn das Herz eine Zeit lang aufgehört hat zu schlagen. Im Gegensatz zu Deutschland auch dann, wenn Teile des Gehirns noch mit Sauerstoff versorgt werden. Dadurch könne man, sagen die Mediziner, Organe retten, die beim Warten auf den vollständigen Hirntod verloren gehen würden.
"Wir würden mehr Spenderorgane haben, um anderen todkranken Menschen zu helfen." Prof. Jan Gummert
Ärztlicher Leiter, HDZ
Raschere Organspende sehr umstritten
Gegner der rascheren Organentnahme gibt es diverse. Auch unter Medizinern. So lehnte beispielsweise Eckhard Nagel, Mitglied des Deutschen Ethikrats, in einem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur den Vorschlag ab. Für das Vertrauen in die Transplantationsmedizin sei es "ganz wesentlich", eine sichere Todesfeststellung zu haben, sagte der Ärztliche Direktor des Essener Universitätsklinikums dem Radiosender.
Herztod macht die Entscheidung komplexer
Dafür brauche es klare Regelungen. So sollen nur Patienten mit schweren Hirnschäden in Frage kommen, die in ihrer Patientenverfügung auf lebenserhaltende Maßnahmen verzichten. Alle anderen würden weiterhin „so behandelt, dass ihr Leben gerettet wird“, sagt Gummert. Eine Petition zur Gesetzesänderung ist bereits auf den Weg gebracht.
Unsere Quellen:
- Recherchen vor Ort
- Gespräch mit Prof. Jan Gummert
- www.deutschlandradiokultur.de
Sendung: WDR.de, Organspende nach Hirntod, 18.09.2026, 19:06 Uhr
