Ein Schweinebauer setzt auf Freiland statt Stall
Bildquelle: WDR / Nicolai HegerWDR. 3 Min. 20 Sek.. Verfügbar bis 18.09.2028.
Tierwohl statt Massenmast : Darum krempelt ein Schweinebauer alles um
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Christian Franke aus Petershagen hat 900 Schweine im Stall, konventionell gehalten. Seit einigen Jahren hält er parallel auch rund 90 Freilandschweine. Am liebsten würde er seinen Hof sofort komplett auf Freilandhaltung umstellen, aber dafür muss der alte Stall erst abbezahlt sein.
Christian Franke wirft eine handvoll Stroh zu seinen Schweinen in den Beton-Verschlag. 120 stehen in diesem Teil seines Stalls. Insgesamt mästet er hier bis zu 900 Schweine bis zur Schlachtreife.
Vor ein paar Jahren hat Franke den konventionellen Schweinemastbetrieb von seinen Eltern übernommen. Der 38-Jährige hat die Nase voll davon: "Konventionelle Haltung ist ja quasi das, was ich auch in der Schule gelernt habe. Es ging immer um: 'Wirtschaftlichkeit, Wirtschaftlichkeit, Wirtschaftlichkeit.'"
"Ich hab da keine Lust mehr drauf."
Franke hat zusammen mit seiner Frau Jennifer etwas verändert. Seit einigen Jahren halten sie zusätzlich noch rund 80 Freilandschweine. Die leben jetzt das ganze Jahr über unter freiem Himmel.
Glückliche Tiere, glückliche Landwirte
Für Jennifer Franke ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen: "Ich glaube, wenn man als Nicht-Landwirt-Mensch hierher kommt, sieht man das ganze doch ein bisschen anders. Man sieht Schweine so, wie sie eigentlich leben wollen. Und mein Traum war immer, dass ich das auch super gerne hätte. Das macht viel mehr Freude."
Schweine halten, schlachten und vermarkten. Bald ist bei den Frankes alles in einer Hand.
Bildquelle: WDR / Nicolai HegerDie Stallhaltung würden die Frankes am liebsten sofort aufgeben. Das geht aber erst, wenn der Stall abbezahlt ist. Das wird frühestens in vier Jahren der Fall sein. Bis dahin laufen konventionelle Stallhaltung und Freilandhaltung parallel.
Direktvermarktung als Weg aus der Krise
Das Fleisch der Duroc-Schweine vermarkten die Frankes ausschließlich selbst über ihren kleinen Hofladen und das Internet. Bis nach Süddeutschland verkaufen sie inzwischen. Und obwohl sie mit den 80 Freilandschweinen viel weniger Fleisch auf den Markt bringen, verdienen sie mehr daran, sagt Christian Franke.
Denn die Preise für konventionell produziertes Schweinefleisch sind im Keller: "Wenn ich jetzt ein Schwein zum Schlachter bringe, bekomme ich 150 Euro. An der Ladentheke im Lebensmittel - Einzelhandel bin ich nachher bei um die 800 Euro Wertschöpfung. Und wenn ich es aber direkt vermarkte (...) habe ich diesen ganzen Handel nicht. Es kommt quasi direkt bei uns an."
Eigene Schlachterei für mehr Tierwohl auf dem Hof
Die Duroc-Schweine leben das ganze Jahr draußen.
Bildquelle: WDR / Nicolai HegerNeben der Direktvermarktung gehen Christian und Jennifer Franke noch einen Schritt weiter: Gerade entsteht auf ihrem Hof eine eigene Schlachterei. Anfang 2027 soll die fertig sein. Ab dann schlachten sie selbst. Für Christian Franke mittlerweile ein selbstverständlicher Gedanke: "Man kann ein Schwein nicht über ein Jahr lang artgerecht halten und in den letzten drei Stunden macht man alles kaputt: durch die Betäubungsart in den großen Schlachthöfen mit dem Gas. Und dem Stress durch den Transport und das Warten. Das geht gar nicht."
Nicht nur die Schweine sind glücklicher
Auch die Kinder der Frankes packen bei dem Projekt mächtig mit an. Seit ihre Eltern mit der Freilandhaltung gestartet sind, sieht die 16-jährige Tochter Neilina deutliche Veränderungen bei ihren Eltern.
"Ich sehe schon, dass meine Eltern glücklich sind, wenn die Schweine draußen sind." Neilina Franke, Tochter
Unsere Quellen:
- Besuch auf dem Hof der Frankes in Petershagen
- Gespräch mit Christian, Jennifer und Tochter Neilina Franke
Sendung: WDR.de, Schweinebauer stellt um auf Freilandhaltung, 18.09.2026, 05:23 Uhr
