Traditionelles Mindener Freischießen startet

Bildquelle: Oliver Köhler

WDR 02:41 Min. Verfügbar bis 06.08.2028

Mindener Freischießen Bester Schütze zahlte ein Jahr keine Steuern

Stand:

Der Sieger zahlt keine Steuern. Das ist zwar lange her. Eine besondere Belohnung gibt es noch immer.

Das "Mindener Freischießen" findet alle zwei Jahre statt. Von heute bis Sonntag (06. bis 09.08.2026) ist es wieder so weit. Die Organisatoren würden es selbst nie als Schützenfest bezeichnen, aber im Kern ist es genau das. Allerdings mit einer sehr langen Geschichte. In Ostwestfalen-Lippe ist es das älteste Fest dieser Art.

Die erste urkundliche Erwähnung gab es 1682. Die Ursprünge liegen noch weitere 200 Jahre zurück. Damals mussten die Männer Pflicht-Schießübungen machen. Sie sollten in der Lage sein, die Stadt Minden zu verteidigen. So entstand schließlich das "Bürgerbataillon".

Tradition lebt: Keine Steuerbefreiung aber Rollmops

Die Steuerbefreiung für ein Jahr motivierte damals ganz bestimmt dazu, ein guter Schütze zu sein oder zu werden. Heute geht es eher um "Ruhm und Ehre" und natürlich Spaß. Dazu gehört auch das traditionelle Rollmopsessen der vierten Kompanie im Wald. Eingeladen sind dazu immer die beiden Chefs des Bürgerbataillons: Der Bürgermeister und der Stadtmajor.

Stadtmajor, Bürgermeister und Hauptmann essen Rollmöpse.

Stadtmajor Christian Brenkes, Bürgermeister Peter Kock und Hauptmann Lars Christian Thiele beim traditionelles Rollmopsessen.

Bildquelle: Oliver Köhler

Weil es das "Freischießen" nur alle zwei Jahre gibt, werden immer gleich zwei Majestäten ausgeschossen. In Minden heißen sie Majestäten, nicht Schützenkönige! Beide bekommen eine goldene Krone und immerhin jeweils 50 Taler. Die haben einen Gegenwert von 100 Euro. Das Geld kommt vom Land NRW.

Bundespräsident könnte Mindener Majestät werden

Auch der Bundespräsident schießt mit. Nicht persönlich, der Bürgermeister vertritt ihn. Das Freischießen hat einen preußischen Ursprung, deshalb hat das Staatsoberhaupt das Recht in Minden, wie alle Mitglieder des Bürgerbataillons, einen Schuss abzugeben.

Der Mindener Bürgermeister

Mindenes Bürgermeister Peter Kock gibt beim Freischießen einen Schuss in Vertretung für den Bundespräsidenten ab.

Bildquelle: Oliver Köhler

Er hoffe, dass er nicht trifft, sagt Bürgermeister Peter Kock schmunzelnd im Gespräch mit dem WDR: "Das würde das ganze Zeremoniell durcheinanderbringen."

Birkenzweige statt Fähnchen

Zum "Freischießen" putzt sich Minden heraus. Wenige Tage vor dem Fest holen die Mitglieder des Bürgerbataillons grüne Äste aus dem Mindenerwald.

Zwei Männer stehen vor Bäumen.

Florian Wiegandt und Vaith Wischmeier suchen im Mindenenerwald Birken.

Bildquelle: Oliver Köhler

Diese Tradition wird "Grünholen" genannt. Unterstützt werden sie dabei von der Bundeswehr. Es gibt langjährige Patenschaften zu den in Minden stationierten Brückenbaupionieren. Das "Grünholen" dient natürlich auch der Geselligkeit. Mit den geschlagenen Birkenzweigen wird die Innenstadt geschmückt.

Drei Menschen stehen mit Birken in der Mindener Innenstadt.

Alex Dropmann, Felix Huber und die Obergefreite Svenja schücken die Mindener Innenstadt mit Birken.

Bildquelle: Oliver Köhler

Vier Tage Programm

Das "Mindener Freischießen" startet traditionell am Donnerstag mit einem Gottesdienst. Am Freitag steht das Königsschießen an. Am Samstag sind in Minden wirklich alle auf den Beinen. Dann nämlich gibt es eine große Parade mit dem gesamten Bürgerbataillon. Also auch mit der berittenen Einheit. Am Sonntag rundet der große Zapfenstreich das Programm ab. Und natürlich gibt es an allen Tagen Musik und Party in der ganzen Stadt.

Unsere Quellen:

  • Mindener Bürgerbataillon
  • Recherchen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Traditionelles Mindener Freischießen startet, 06.08.2026, 14:59 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Kreis Minden-Lübbecke

1 / 2