"Kann ich noch Fußball spielen?"
Bildquelle: Münzel/ WDRWDR. 02:28 Min.. Verfügbar bis 08.07.2028.
Ein sonniger Apriltag, Schulschluss. Hovsep rennt wie viele Kinder zum Bus. Den will er unbedingt noch erwischen. Doch dann muss er einem Mann ausweichen. Hovsep stolpert und fällt direkt vor einem ankommenden Bus.
Am Paderborner Bahnhof wurde der zwölf Jahre alte Hovsep angefahren.
Bildquelle: Münzel/ WDRLange Operation - Ausgang ungewiss
Der Zwölfjährige wurde via Helikopter in eine Klinik in Bielefeld-Bethel gebracht. Von dem Flug, sagt er, weiß er heute gar nichts mehr. In der Zwischenzeit benachrichtigte die Polizei seine Eltern persönlich und brachte sie mit dem Streifenwagen in das Krankenhaus nach Bielefeld.
"Ein Arzt kam auf uns zu", erinnert sich Hovseps Vater Djamil. "Er war ehrlich und direkt. Die OP würde vier bis acht Stunden dauern. Aber es könnte auch sein, dass er es nicht schafft." Doch Hovsep schafft es.
"Als er aufgewacht ist, hat er mich direkt gefragt: Kann ich noch Fußball spielen?" Djamil Derghazariaan, Hovseps Vater
Trauma für die ganze Familie
Mittlerweile kann die Familie über den Unfall reden. Hovseps Vater ist selbst Busfahrer. Er kennt die Stelle am Paderborner Bahnhof. Und er kennt die Situationen, in denen Kinder am Bussteig drängeln und schubsen.
"Ein paar Wochen konnte ich einfach nicht fahren. Aber irgendwann musst du ja wieder." Djamil Derghazariaan, Hovseps Vater
Dann kommt er mit seinem Bus wieder am Unfallort am Paderborner Bahnhof vorbei. Als er auf der Straße die Markierungen sieht, muss er innehalten. Er will stark sein. Für seinen Sohn. Oder genauso stark wie sein Sohn, denn Hovsep kämpft und kann schon bald wieder laufen.
Rehaklinik hilft Hovsep zurück ins Leben
Heute ist die schlimmste Zeit überstanden. Hovsep war seit Ende Mai stationär in der Teutoburger-Wald-Klinik zur Reha. In dieser Woche wurde er entlassen. Und dabei sollte er eigentlich erst in eine Spezialklinik nach Hamburg kommen. "Das wäre für uns zu weit gewesen", sagt Hovseps Vater Djamil. Deswegen ist er froh, dass er in Bad Lippspringe aufgenommen wurde.
Hovsep bringt frischen Wind in die Rehaklinik.
Bildquelle: Münzel/ WDRDabei ist die Rehaklinik am Teutoburger Wald eher auf ältere Patienten spezialisiert: neue Knie, neue Hüften, neue Schultern. Ein Kind mit so schweren Verletzungen aufnehmen? Das würde eine Herausforderung werden.
Nicht nur physische, sondern auch seelische Wunden
Es wurden einige Gespräche geführt, ehe sich Chefärztin Dr. Daniela Schiefer dafür entschieden hat. "Wir mussten ja nicht nur seine physischen Wunden versorgen. Sondern auch seine seelischen."
Jetzt sind sie froh, dass Hovsep da war. "Hovsep war immer motiviert. Es gab keine Übung, die er nicht mitmachen wollte", loben seine Physiotherapeuten. Das zahlt sich aus: Hovsep sei "auf dem besten Weg", auch wieder Fußball spielen zu können, sagt die Chefärztin. Er habe frischen Wind in die Klinik gebracht. Das habe auch den älteren Patientinnen und Patienten gut getan. Jetzt berät die Klinik, ob sie in Zukunft häufiger Kinder aufnehmen kann.
Unsere Quellen:
- Familie von Hovsep
- Beobachtungen des Reporters vor Ort
- Recherche vor Ort
- Chefärztin Dr. Daniela Schiefer
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 08.07.2026, 19:30 Uhr
