So tickt NRW - 10 Uhr: So arbeiten Windkraftmonteuere in Büren

Bildquelle: WDR/Anastasia Mehrens

00:42 Min. Verfügbar bis 31.07.2028

Unterwegs mit Windkraftmonteuren "Man hat hier oben seine Ruhe"

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500 Stufen, 50 Grad und ein Blick bis zum Horizont - so arbeiten Service-Techniker auf einer Windkraftanlage bei Büren.

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Anastasia Mehrens

Es ist ganz schön windig an diesem Vormittag. Die Wolken ziehen ziemlich schnell über den Himmel. Genauso schnell drehen sich auch die zahlreichen Windkraftanlagen im Windpark bei Büren. Nur eine steht still. Nicht, weil sie kaputt ist, sondern mit Absicht. "Damit wir da selber nicht durchgedreht werden", erklärt Karl-Christian Brendel. Zusammen mit seinen Kollegen überprüft er heute, ob alles funktioniert.

500 Stufen bis zum Arbeitsplatz

Sein Arbeitsplatz liegt in 135 Metern Höhe. Bis zur Gondel führen rund 500 Stufen. Das entspricht einem Hochhaus mit mehr als 30 Etagen. Den größten Teil des Weges legt Brendel mit einem Lift zurück. Die letzten Meter geht es über eine Leiter nach oben. Für den Service-Techniker kein Problem. Klettern gehört schon lange zu seinem Leben. "Früher war ich mit meinen Freunden auf Felswänden unterwegs, heute eben beruflich", sagt er.

Windkraft: NRW ist bedeutender Standort für Windenergie

NRW gehört zu den Windkraft-Ländern
In Nordrhein-Westfalen sind inzwischen rund 4.000 Windenergieanlagen in Betrieb. Damit zählt das Land zu den wichtigsten Windenergiestandorten Deutschlands. Windkraft-Hochburgen sind die Kreise Paderborn und Höxter.

Windräder werden immer größer
Moderne Windkraftanlagen erreichen heute oft eine Gesamthöhe von mehr als 250 Metern - das ist höher als der Kölner Dom (157 Meter).

Windräder arbeiten nicht rund um die Uhr
Windkraftanlagen produzieren Strom erst ab einer Windgeschwindigkeit von etwa 3 Metern pro Sekunde. Bei Sturm werden sie aus Sicherheitsgründen automatisch abgeschaltet.

Auch im Maschinenhaus geht das Klettern weiter. Zwischen Schaltschränken, Leitungen und engen Schächten muss sich der 36-Jährige in die letzten Ecken vorarbeiten. Wer hier arbeitet, sollte also fit sein - ist aber kein Muss.

Ein Mann mit Brille und Helm schaut in einem Windrad aus einer Luke und lächtelt in die Kamera

Die meiste Zeit verbringt Karl-Christian Brendel im engen Maschinenhaus.

Bildquelle: WDR / Anastasia Mehrens

"Ich habe hier auch schon Kollegen mit 140 Kilo hochlaufen sehen. Ich weiß selbst nicht, wie sie durch die Luke kommen, aber sie schaffen es", erzählt Brendel mit einem Schmunzeln. Seit zehn Jahren arbeitet er als Service-Techniker für Windkraftanlagen. Besonders schätzt er die Mischung aus körperlicher Arbeit und technischem Denken. Ein weiterer Vorteil:

"Wenn man hier oben ist, hat man oft keinen Handyempfang. Dann hat man den ganzen Tag seine Ruhe, macht seine Arbeit und hat am Ende das Gefühl, etwas geschafft zu haben." Karl-Christian Brendel, Windkraftmonteur in Büren

Aussicht inklusive

Und dann ist ja noch diese atemberaubende Aussicht: Der Blick aus 135 Metern Höhe ist beeindruckend. Tausende Male war Brendel inzwischen auf Windkraftanlagen in der Region unterwegs. Irgendwann wurde das Besondere alltäglich. "Man sieht sich irgendwann satt. Aber wenn man jetzt hier oben ist, merkt man doch wieder, wie schön es eigentlich ist."

Ein WIndkraftmonteur mit Helm und Klettermontur ragt aus einer Luke und arbeitet in 135 Metern Höhe an einem Windrad.

Ein Arbeitsplatz in 135 Metern Höhe

Bildquelle: WDR / Anastasia Mehrens

Sein Kollege Riccardo Biuso erlebt die Höhe noch mit anderen Augen. Er ist recht frisch dabei: "Es ist jedes Mal atemberaubend. Es sieht surreal aus. Der Wald sieht von hier oben fast aus wie eine Leinwand. Aber es ist echt."

Respekt vor der Höhe

Höhenangst? Die hat niemand im Team. "Dann wäre man falsch im Job", sagt Brendel. "Aber man muss Respekt haben", ergänzt Biuso. "Wenn man keinen Respekt vor der Höhe hat, dann passieren schnell schlimme Dinge."

Oben auf der Gondel sind die Monteure aber relativ selten. Denn die meiste Arbeit findet im Maschinenhaus statt. Und die soll am besten vor der Mittagssonne abgeschlossen werden. Denn mit jeder Minute steigt die Hitze. Temperaturen von bis zu 50 Grad sind im Sommer keine Seltenheit. 

Feierabend, bevor sich die Rotoren wieder drehen

Deshalb arbeiten die Techniker zügig, bevor es wieder nach unten geht. Während Biuso den Lift nimmt, steigt Brendel über die Leiter hinab - ein passionierter Kletterer eben. Und die Windkraftanlage in Büren dreht sich jetzt wieder. 

Unsere Quellen:

  • Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
  • Gespräch mit Karl-Christian Brendel
  • Gespräch mit Riccardo Biuso
  • Energieatlas Nordrhein-Westfalen 

Sendung: WDR.de, So tickt NRW - 10 Uhr: So arbeiten Windkraftmonteuere in Büren, 03.08.2026, 12:50 Uhr

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