Das Notizbuch mit eingeritzten Schriftzeichen

Das Notizbuch mit eingeritzter Schrift

Mega-Fund in Paderborn Stinkendes Notizbuch in mittelalterlichem Klo gefunden

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Archäologen haben in einer mittelalterlichen Latrine ein 700 bis 800 Jahre altes Notizbuch gefunden. Der Fund birgt Geheimnisse.

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Markus Rinke

Was steht in dem Notizbuch geschrieben, wem gehörte es und warum ist es in der Latrine gelandet? Das sind nur drei von vielen Fragen, die Fachleute vom LWL in Münster beantworten wollen und sogar schon erste Hinweise haben. Denn das Jahrhunderte alte Schriftstück ist überraschend gut erhalten.

Latrine als Schatzgrube: Buch mit Wachstafeln gefunden

Bei Ausgrabungen in Paderborn haben Archäologinnen und Archäologen, die für den LWL arbeiten, in einer Latrine das Notizbuch mit Leder- und Holzeinband gefunden. Es ist etwa zehn Zentimeter lang, hat zehn Seiten und die sehr gut erhaltenen Texte sind in Wachsflächen geritzt.

"Klingt komisch, aber für uns Archäologinnen und Archäologen ist die Latrine fast immer eine Schatzgrube." Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin

Forschende finden bei Ausgrabungen in Latrinen häufiger wertvolle Stücke. Das sind zum Beispiel Stoffreste, Gefäße oder Messer. Wie aber ausgerechnet dieses Notizbuch in die Latrine kam, ist unklar.

Ein Stoffstück mit 10 cm Maßstab unten

Auch Seidenreste wurden gefunden. Sie dienten womöglich als Klopapier, so die Experten.

Schon jetzt können die Experten aber sagen, dass das Buch einer gebildeten Person gehört haben muss. Nur die konnten im Mittelalter schreiben. Auch der Einband aus Leder mit eingeprägten Lilien spricht für einen reichen Bürger.

Ein lederner Einband mit Prägungen, unten ein Zentimetermaßstab

Die geprägten Lilien deuten auf einen wohlhabenden Besitzer des Notizbuchs.

Gehörte das Notizbuch einem Kaufmann?

Die Forschenden tippen auf einen Kaufmann, doch mehr können sie erst sagen, wenn sie die Schrift entziffert haben. Mit aufwändigen Verfahren soll dabei nicht nur der aktuelle Text enträtselt werden, sondern auch das, was darunter notiert war. Denn alte Texte wurden glattgestrichen und die Seiten neu beschrieben.

Buch in sehr gutem Zustand

Ein weiterer Grund, warum die Forschenden so zuversichtlich sind, ist der gute Zustand des Buchs: Nicht nur, weil es in einer Lederhülle verpackt war. "Ich musste das Buch nur außen reinigen, da die Innenseiten so fest aneinander saßen, dass dort kein Dreck war", sagt die LWL-Restauratorin Susanne Bretzel. Auch das Holz habe sich nicht verzogen.

Auch nach Jahrhunderten ist der Duft gut erhalten

Die feuchte und luftdichte Umgebung der Latrine sei ein Glücksfall für die Konservierung gewesen, sagt die Restauratorin; auch wenn dem Fund "nach so vielen Jahrhunderten im Boden noch ein recht unangenehmer Geruch anhaftete."

Zwei Archäologen sitzen am Rand der Grube und untersuchen den Inhalt.

Die Archäologen und Archäologinnen untersuchen die alte Latrine.

Inzwischen ist das Notizbuch gereinigt. Es liegt beim LWL in Münster in destilliertem Wasser, um es zu erhalten. Bevor es darum geht, die Schriften zu entziffern, wollen die Forschenden in einem ersten Schritt Leder, Wachs und Holz untersuchen, um es dann zu konservieren. Dieser Prozess wird vermutlich ein Jahr dauern.

Ausstellung in Paderborn geplant

Anschließend soll das Buch im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn ausgestellt werden. Vielleicht weiß man dann sogar, wem es gehörte. Denn wenn die Forschenden die Latrine einer bestimmten Parzelle in Paderborn zugeordnet haben, lässt sich das Buch vielleicht den jeweiligen Bewohnern zuordnen.

Mittelalterliches Notizbuch in Paderborn ausgegraben

WDR 12.05.2026 01:30 Min. Verfügbar bis 11.05.2028

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Unsere Quelle:

Sendung: WDR.de, Mittelalterliches Notizbuch in Paderborn ausgegraben, 29.04.2026, 21:20 Uhr

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