Ev. Kirchenkreis Bielefeld: Aufarbeitung sexualisierter Gewalt startet

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Lokalzeit OWL 17.11.2025 1 Min. 48 Sek. Verfügbar bis 17.11.2027 WDR Von Oliver Köhler

Ev. Kirchenkreis Bielefeld: Aufarbeitung sexualisierter Gewalt startet

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Ein Diakon der Bonhoeffer-Gemeinde Bielefeld missbrauchte Jugendliche. Er wurde verurteilt. Die Kirche arbeitet die Fälle nun auf.

Es geht um mehrere Fälle sexualisierter Gewalt. Der Fokus der wissenschaftlichen Aufarbeitung liegt auf dem Zeitraum 2000 bis 2021. In dieser Zeit war der frühere Diakon in der Gemeinde tätig.

In der Studie soll rekonstruiert werden, was geschehen ist, wie es dazu kommen konnte und welche Folgen der Missbrauch für Betroffene hatte und hat, teilten Projektleiter Dr. Johanna Hess und Malte Täubrich mit. Ziel sei es, das Unrecht, das Betroffenen in der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde widerfahren sei, zu dokumentieren und anzuerkennen.

Strafverfahren bereits abgeschlossen

Im August 2021 hatte der evangelische Kirchenkreis Bielefeld gegen einen früheren Diakon der Bonhoeffer-Gemeinde Anzeige erstattet und sich gleichzeitig von ihm getrennt. Er wurde im Sommer 2025 in einem Strafverfahren am Amtsgericht Bielefeld wegen "sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener" verurteilt.

Der 51-Jährige erhielt eine Bewährungsstrafe von 13 Monaten. Zudem musste er 6000 Euro an eine Opferschutzeinrichtung zahlen. Er hatte gestanden, mehrere Jungen bei Saunagängen und privaten Treffen im Intimbereich berührt zu haben.

Interviews sollen Klarheit schaffen

Die Forschenden wollen in erster Linie Gespräche mit Betroffenen führen. Das sollen sowohl Personen sein, die selbst "Opfer" geworden sind, aber auch Menschen, die in der Gemeinde angestellt oder auch ehrenamtlich tätig waren.

Der Evangelische Kirchenkreis Bielefeld gewähre für die Studie auch eine umfassende Akteneinsicht, beschreibt Projektmitarbeiter Malte Täubrich das methodische Vorgehen. Viele Gemeindemitglieder hätten bereits signalisiert mitwirken zu wollen.

Macher der Studie Dr. Johanna Hess und Malte Täubrich vom Institut "Dissens" stellen das geplante Vorgehen vor.

Macher der Studie Dr. Johanna Hess und Malte Täubrich stellen das geplante Vorgehen vor

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Bekannt seien bisher sieben Fälle. Doch die Dunkelziffer sei erfahrungsgemäß viel höher. Täubrich und seine Kollegin Johanna Hess hoffen, dass sich - sollte es tatsächlich weitere Fälle geben - diese Betroffenen melden. Die Gespräche würden auf Wunsch vertraulich geführt.

Gemeinde wieder vereinen

Die Fälle sexualisierter Gewalt hatte die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde Bielefeld gespalten. Die einen hätten sich geschämt und Aufklärung verlangt, andere die Realität geleugnet, sagt Johanna Hess.

Im besten Fall trage die Studie jetzt zur Versöhnung bei. Die Forschenden erhalten von der evangelischen Kirche übrigens eine finanzielle Zuwendung. Es sei jedoch vertraglich festgehalten, dass die Kirche inhaltlich keine Vorgaben mache könne. Die Ergebnisse der Studie werden im Sommer 2027 erwartet.

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz Institut Dissens
  • Mitteilung ev. Kirchenkreis Bielefeld
  • Recherchen des WDR Reporters

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