In der Nacht auf den 12. Dezember 1976 gab es im AudiMax ein Konzert mit einer chilenischen Musikgruppe. "Danach gingen alle Gäste, nur wir blieben", erinnert sich Edith Pacheco. Die Exil-Chilenin war damals 16 Jahre alt und mit ihren Eltern bei der heimlichen Aktion dabei.
"Was wirklich geschah, davon wusste vorher nur ein kleiner Kreis." Edith Pacheco, Exil-Chilenin
Edith Pacheco, Exil-Chilenin
"Wir Jugendlichen wussten nur, wir kochen heute und nehmen das Essen mit, damit die Gruppe was zu Essen hat. Aber in Wirklichkeit haben wir das Essen für die gekocht, die die ganze Nacht an dem Bild gearbeitet haben."
Ein riesiges buntes Wandgemälde
"Während die Gruppe im AudiMax klampfte und sang, fingen wir schon an zu malen", erzählt Bernhard Hänel, der damals im Bielefelder AStA war. Zusammen mit der exilchilenischen Künstlergruppe "Brigade Salvadore Allende" malten die Studierenden ein riesiges Wandgemälde, ein Mural, an die Stirnseite der zentralen Uni-Halle. Als Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Militärputsches.
Ein Akt der Solidarität
Ausschnitte aus dem Wandbild zeigen, wie detailliert es ist.
Der politische Hintergrund war der Militärputsch vom 11. September 1973 in Chile. Damals stürzte Augusto Pinochet gewaltsam die demokratische gewählte Regierung Salvador Allendes. Die anschließende Militärdiktatur dauerte 17 Jahre.
16 Meter breit, 4 Meter hoch
Das Mural entstand nach dem Entwurf des chilenischen Künstlers Boris Eichin. "Jeder bekam einen Farbtopf in die Hand", erzählt Bernhard Hänel. Zuerst wurden die schwarzen Umrisse gemalt. "Der Künstler hatte überall Farbproben hingemalt, damit man wusste, welche Farbe wohin kam." Nach etwa 14 Stunden war das Kunstwerk fertig: 16 Meter breit, 4 Meter hoch – von weitem sichtbar.
Unrechtmäßig gemalt und trotzdem geblieben
Die damalige Universitätsleitung kritisierte die Bemalung als "unrechtmäßig". Nach kontroversen Debatten in den Gremien der Hochschule entschied man sich jedoch, das Bild zu behalten. Für Zeitzeugen "ein Beispiel für die Kommunikationskultur der jungen Reformuniversität".
Das Mural als Erinnerungskultur
Edith Pacheco mit ihrem Sohn Alberto vor dem Wandbild.
Edith Pacheco kam als 13-Jährige nach dem Putsch mit ihrer Familie nach Deutschland. Wie viele andere chilenische Familien. Das Mural, das Chile-Wandbild an der Universität ist für sie und ihre Familie als Erinnerungskultur wichtig.
Als Denkmal geschützt
Viele kennen das Mural, seit 2015 steht es unter Denkmalschutz. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, dem das Unigebäude und damit auch das Wandbild gehört, will es restaurieren lassen. Zum 50. Geburtstag will der jetzige AStA das Mural und seine Geschichte bekannter machen. Gefeiert wird diese Woche mit täglichen Aktionen und einer Ausstellung. Freitag ist ein Fest, nicht nur für Uni-Leute.
Unsere Quellen:
- Recherche vor Ort
- Interviews Historiker, Zeitzeugen, AStA Vorsitzender Uni Bielefeld
- Recherche Uni-Archiv, Pressemitteilung
Sendung: WDR 2 Ostwestfalen-Lippe, Lokalzeit, 13.07.2026, 10:30 Uhr
