Regisseur Peter Thorwarth mit dem inzwischen verstorbenen Schauspieler Ralf Richter am 28.06.24 in Essen anlässlich 25 Jahren "Bang Boom Bang"

Regisseur Peter Thorwarth (l.) mit dem inzwischen verstorbenen Schauspieler Ralf Richter.

Bildquelle: picture alliance / ABBfoto

Peter Thorwarth im Interview Ralf Richter hatte "ein extrem gutes Herz"

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Ralf Richter prägte das Ruhrgebiets-Kino wie kaum ein anderer. Regisseur Peter Thorwarth erinnert sich im WDR-Interview an seinen Freund und Wegbegleiter.

Der Schauspieler Ralf Richter ist mit 69 Jahren gestorben - eine Ikone aus dem Ruhrgebiet. Mit Regisseur Peter Thorwarth verband ihn eine enge Zusammenarbeit, unter anderem für die Filmkomödie "Bang Boom Bang". Im WDR-Interview erinnert sich Thorwarth an Richter, seinen Humor und seine besondere Präsenz.

Wie hast du von Ralfs Tod erfahren?

Peter Thorwarth: Ich habe mit Ralf tatsächlich vor drei Wochen telefoniert, weil er eben 69 geworden ist und wir uns auch treffen wollten. Ich bin nämlich aktuell sogar in Köln - und dann klingelte gestern das Telefon und Ralf Richter erschien auf dem Display. Ich dachte, er wäre das. Es war aber sein Sohn, der mir dann erzählt hat, er hätte ihn gerade tot in seinem Bett gefunden.

Wenn du an ihn denkst, was sind Momente, die du mit ihm verbindest?

Thorwarth: Ralf war nicht unanstrengend und auch immer ein bisschen irre. Aber er hatte einfach ein extrem gutes Herz. Auch abseits vom Dreh, es war sein Naturell, dass er auch diese Ausraster hatte. Er hat aber nie nach unten getreten. Und wenn er übers Ziel hinausgeschossen ist, hat er sich sofort auch wieder entschuldigt. Aber man konnte sich auf ihn absolut verlassen, das war schon toll.

Ich hab ihn kennengelernt vor über 30 Jahren und konnte ihn überzeugen, bei meinen ersten Kurzfilmen dabei zu sein. Ursprünglich hatte ich mal den Kurzfilm "Was nicht passt, wird passend gemacht" gemacht, den wir ja auch später als Langfilm gemacht haben, wo ich mitgespielt habe. Ralf hat mich dabei gecoacht. Das heißt, er hat vor der Kamera gestanden und Regie für mich geführt.

Kalle Grabowski ist ja die absolute Paraderolle von Ralf Richter. Wie viel von diesem Kalle war dein Drehbuch und wie viel Ralf Richter?

Kalle Grabowski

Ralf Richter als Kalle Grabowski.

Bildquelle: wdr

Thorwarth: Naja, also das lässt sich gar nicht so richtig trennen, weil ich kannte ihn ja schon vorher. Das heißt, er hat mich inspiriert und ich hatte ihm diese Rolle auf den Leib geschrieben. Natürlich ist das so beim Drehen, dass er da auch noch Ideen mit reingegeben hat. Das erwarte ich eigentlich aber von allen Schauspielern. Das Schönste ist ja, wenn ich die mit meiner Grundidee so begeistern kann und damit anzünde und alle, die kreativ an so einem Film beteiligt sind, wiederum ihr Bestes und ihre Ideen mit reingeben. Ich muss als Regisseur dann schnell entscheiden: Passt das ins Gesamtkonzept oder nicht.

Gibt es einen Moment beim Dreh oder eine Lieblingsszene, die du in Erinnerung hast, zum Beispiel in "Bang Boom Bang"?

Thorwarth: Ja, also die Lieblingsszene ist schon diese Nummer, wie er ausrastet im Knast und den Fernseher noch auf den Kollegen drauf schmeißt. Das ist schon auf jeden Fall ein Highlight.

In Bochum läuft seit über 1.400 Wochen jeden Freitag "Bang Boom Bang" im Kino. Wusstest du das eigentlich?

Thorwarth: Ja, ich wusste das. Das war auch die Gelegenheit, neulich mal mit meinem Sohn dort reinzugehen, er hatte den Film noch nicht gesehen. Mein Neffe und mein Bruder waren auch mit dabei. Die Jungs hatten einen Riesenspaß.

Wie haben sie auf den Film reagiert?

Thorwarth: Ich hab die erstmal so ein bisschen vorher drauf vorbereitet, was sie da jetzt zu sehen kriegen. Der Film hat ja schon mehr als 25 Jahre auf dem Buckel - und bestimmte Dinge kann man so eigentlich heute nicht mehr erzählen. Es ist ein Relikt seiner Zeit und darauf waren sie vorbereitet.

Diese Dreharbeiten mit Ralf - wenn du die in einem Wort zusammenfassen müsstest, was war das für dich?

Thorwarth: Es war spaßiges Chaos.

Wenn du Ralf Richter heute noch eine letzte Szene schreiben könntest, wo würde sie spielen und was würde Kalle Grabowski darin machen?

Thorwarth: Also ich glaube, ich würde ihm helfen, die zu schreiben. Denn sein großer Traum war immer, aus diesen drei Figuren, die er in meinen Filmen verkörpert hat - dem Kalle vom Bau, Kalle Grabowski und Bullet Harry aus "Goldene Zeiten" -, mit seinem Sohn Maxwell zusammen den Film "Die Grabowski Brothers" zu machen. Und da würde ich ihm helfen, eine Szene zu schreiben, damit er diesen Traum dann auch realisieren kann.

Du strahlst richtig, wenn du über Köln, aber auch über das Ruhrgebiet sprichst. Und du hast dem Ruhrgebiet ja ein Denkmal im Kino gesetzt. Wenn du heute durch Unna, Dortmund oder Bochum fährst, gibt es diesen Ruhrpott noch, den du in deinen Filmen inszeniert hast?

Thorwarth: Es gibt den schon rein visuell nicht mehr, weil tatsächlich aus "Bang Boom Bang" 90 Prozent der ganzen Motive, wo wir gedreht haben, so gar nicht mehr existieren. Der Flughafen ist umgebaut, die Tankstelle, die gibt es so nicht mehr. Da ist jetzt so eine moderne Esso-Tankstelle. Und auch der ehemalige Sportplatz von Rot-Weiß Unna ist abgerissen worden. Da ist jetzt ein großes Schulgebäude gebaut worden. Also der Strukturwandel, der hat sich schon sehr bemerkbar gemacht, das merkt man auch in der Mentalität der Leute. Dieses Malochertum gibt es so auch nicht mehr. Ich liebe die Gegend immer noch und es sind immer noch spezielle Typen, aber es hat sich schon sehr verändert.

Gibt es die Gelegenheit, dass du nochmal in und um Unna oder Dortmund deine Kamera aufbaust?

Thorwarth: Ich will das nicht ausschließen. Ich bin jetzt ein paar Mal dagewesen, hab immer noch meine Familie und Freunde da wohnen. Ich bin immer so ein bisschen hin- und hergerissen. In letzterer Zeit habe ich ja ganz andere Filme gemacht, eher für Netflix, die international sehr erfolgreich waren. Und ich hätte auch noch ein paar Projekte, die ich gerne in die Richtung machen möchte, aber es ist gerade schwer, sowas zu finanzieren. Wenn ich in Unna bin, da gibt es dann doch schon wieder so leichte Ansätze. Aber es ist noch nicht so weit, dass ich ein Drehbuch daraus schreiben könnte.

Das Interview führte Olli Briesch bei WDR 2. Für die Online-Version wurde es leicht gekürzt und für eine bessere Lesbarkeit angepasst, ohne den Inhalt zu verändern. Das vollständige Gespräch als Audio gibt es hier zum Nachhören:

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Peter Thorwarth

Sendung: WDR 2, Talk um 9, 16.09.2026, ab 9 Uhr

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