Ein älterer Mann und sein Sohn schauen über einen Vertrag

Hohe Pflegekosten Tipps fürs Gespräch mit deinen älter werdenden Eltern

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Wenn die eigenen Eltern nicht mehr so fit sind wie früher oder sogar Pflege benötigen, stehen herausfordernde Gespräche an. Wir geben Tipps, welche Punkte du dabei aufgreifen solltest - und wie du dabei vorgehen kannst.

Von Felix Wessel

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"Mit den eigenen Eltern über Pflegebedürftigkeit zu sprechen, ist für viele ein emotionaler Kraftakt", schreibt die Krankenkasse KKH in einem Ratgeber. Dass es schwierig sein kann, mit den Eltern über Themen wie älter werden, Krankheit und Pflege zu sprechen, weiß auch Peggy Elfmann. Als ihre Mutter die Diagnose Alzheimer-Demenz erhielt, kamen immer wieder Fragen auf wie: "Wie soll es nun weitergehen?"

In ihrem Buch "Meine Eltern werden alt" schreibt die Autorin: "Ich hatte es verpasst, mit Mama über so vieles zu sprechen, und nahm mir vor, dies mit Papa besser zu machen. Doch wenn ich ihn etwas fragte, wurde er wortkarg".

Ihr Vater habe nicht darüber nachdenken wollen, dass auch er mal krank werden könnte oder im Alter Hilfe benötigen würde, schreibt Elfmann. Von ähnlichen Erfahrungen berichteten ihr auch Freundinnen und Bekannte.

Tipp 1: Über Wünsche und Sorgen sprechen

Peggy Elfmann im Kölner Treff

Peggy Elfmann

"Ich glaube es hilft, sich bewusst zu werden, dass es ein schweres Gespräch ist", sagt Elfmann im Gespräch mit dem WDR. "Aber es ist wichtig, uns zu trauen, Fragen zu stellen und zuzuhören". Peggy Elfmann rät, das nicht zu lange aufzuschieben. "Je weniger dringlich es ist, desto besser kann man solche Themen ansprechen".

Auch das von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen getragene Portal "Pflegewegweiser NRW" schreibt: "Über den eigenen Hilfebedarf zu sprechen, ist schwierig". Kinder sollten möglichst behutsam vorgehen und die Eltern nach ihren Wünschen und Vorstellungen fragen für den Fall, dass diese einmal auf Unterstützung angewiesen sein sollten. "So merken Sie schnell, ob sie sich schon selbst Gedanken dazu gemacht haben und bereit sind, darüber zu sprechen".

Die Experten raten, Was-wäre-wenn-Fragen zu stellen. Ein Beispiel: "Wie stellst du es dir vor, wenn du einmal nicht mehr selbst für dich sorgen kannst?" Die Eltern würden dabei wahrscheinlich nicht allen Vorschlägen sofort zustimmen. Wichtig sei aber, das Gespräch immer auf Augenhöhe zu führen - und so im Gespräch zu bleiben und gemeinsam zu überlegen, wie eine Unterstützung organisiert werden könnte.

Eigene Sorgen könnten die Kinder in Ich-Botschaften verpacken. Etwa so: "Ich merke, dass es dir etwas schwerer fällt, den Haushalt zu bewältigen. Vielleicht kann dir jemand dabei helfen, zum Beispiel eine Haushaltshilfe."

Falls möglich, kann es auch hilfreich sein, sich mit Geschwistern auszutauschen, rät Peggy Elfmann. Und wer keinen Bruder oder keine Schwester hat, könne auch auf die Unterstützung von einer Pflegeberatung setzen. "Man kann da niedrigschwellig hingehen und sich beraten lassen", so die Autorin im Gespräch mit dem WDR.

Tipp 2: Finanzen wegen der hohen Pflegekosten klären

"Viele Eltern möchten am liebsten in den eigenen vier Wänden alt werden", schreibt die Krankenkasse KKH. Doch nicht immer sei das realistisch oder für alle Beteiligten tragbar.

Aber egal ob zuhause oder im Heim: Pflege kann zu hohen Kosten führen. Der Eigenanteil für Bewohner in Pflegeheimen ist laut dem Verband der Ersatzkassen erneut gestiegen. In NRW waren es zuletzt im ersten Jahr durchschnittlich knapp 3.700 Euro pro Monat - rund 250 Euro mehr als im Vorjahr.

"Hohe Pflegeheimkosten können extrem abschreckend wirken und machen oft auch Angst", sagt Autorin Peggy Elfmann. Doch in Familien seien Finanzen oft noch ein Tabuthema. Statt direkt über das vorhandene oder nicht vorhandene Geld zu sprechen, könnte es daher leichter sein, zunächst über mögliche Unterstützungsleistungen zu sprechen. "Viele Menschen wissen gar nicht, welche Leistungen die Pflegeversicherung zahlt und wie man diese bekommt“. Und deshalb würden diese oft nicht genutzt.

Eine Pflegerin fährt jemanden in einem Rollstuhl den Flur entlang.

Die Kosten fürs Pflegeheim steigern weiter.

Oft sind die Eltern aber nicht im Heim. Stattdessen übernehmen die Kinder oder andere Familienmitglieder die Pflege - und reduzieren dafür die Arbeit oder machen eine Pause im Job. Auch hier könne es wichtig sein, über die finanziellen Auswirkungen zu sprechen, sagt Peggy Elfmann.

Tipp 3: Vollmachten und Verfügungen regeln

"Kinder können nur dann im Namen ihrer Eltern handeln, wenn sie dafür bevollmächtigt wurden", heißt es auf dem Portal Pflegewegweiser NRW. Deshalb ist es wichtig, früh eine Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung und eine Patientenverfügung aufzusetzen.

Wer durch Alter, aber auch durch einen Unfall oder eine Krankheit seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann, braucht eine oder mehrere Personen, die sich darum kümmern. Mit einer Vorsorgevollmacht lässt sich bestimmen, wer dann handeln und entscheiden darf. Die Verbraucherzentralen bieten ein Online-Tool an, mit dem man Schritt für Schritt eine individuelle Vorsorgevollmacht zusammenstellen kann. 

Peggy Elfmann rät, auch für sich selbst solch eine Vollmacht zu erstellen. Denn die sei für alle erwachsene Menschen wichtig. Und so ließen sich auch Hürden im Austausch mit den Eltern nehmen, wenn man so etwas als Kind selbst angehe.

Patientenverfügung

Experten raten zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

Warum eine schriftliche Patientenverfügung wichtig ist, erklärt das Bundesministerium für Gesundheit: Damit können Patientinnen und Patienten in medizinischen Angelegenheiten vorsorglich festlegen, dass in einer bestimmten Situation bestimmte Maßnahmen durchzuführen oder zu unterlassen sind - im Fall, dass sie selbst nicht mehr einwilligen können. Damit werde sichergestellt, dass der Patientenwille umgesetzt wird, auch wenn er in der aktuellen Situation nicht mehr geäußert werden kann. Auch hier bieten die Verbraucherzentralen ein Online-Tool an.

Tipp 4: Den Notfall vorbereiten

Was tun, wenn die Eltern stürzen und ins Krankenhaus müssen? "Man sollte sich der Möglichkeit bewusst sein, dass so etwas passieren kann", meint Peggy Elfmann. Für solche Fälle rät sie, schon vorab gewisse Dinge zu regeln - etwa eine Mappe mit Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, einer Medikamentenliste und Infos zu den wichtigsten Kontakten.

Denn wenn so etwas passiere, sei man "emotional im Schock" und solche Orga-Aufgaben seien nicht das, was man dann noch erledigen möchte. Für den Arzt oder die Ärztin im Krankenhaus seien das aber wichtige Informationen, um den Patienten zu behandeln und auch zu wissen, wem sie medizinische Informationen weitergeben dürfen. 

Tipp 5: Den Blick auf das Ende wagen

Mit das herausforderndste Thema dürfte sein, mit den eigenen Eltern über deren Tod zu sprechen. "Das ist emotional schwierig", sagt Peggy Elfmann dem WDR. Die meisten Menschen wollten am liebsten zu Hause sterben, doch bei vielen gehe das Leben dann doch im Krankenhaus zu Ende.

Auch die Frage, wie etwa eine Begleitung am Lebensende erfolgen sollte, ist oft ein emotionales Thema, über das Eltern nicht immer reden wollen. Man könne nicht viel mehr tun, als versuchen das Thema anzusprechen, meint Peggy Elfmann. Wenn die Eltern nicht darüber reden wollten, müsse man das akzeptieren. Aber man sollte zumindest versuchen, gemeinsam eine Frage zu klären: Wer entscheidet denn dann im Fall der Fälle?

Einen Punkt betont die Autorin noch: Wenn Eltern über solche Themen nicht sprechen wollten, sei das kein böser Wille, sondern ein Unvermögen, das anzusprechen - auch weil wir als Gesellschaft insgesamt nicht wirklich gelernt hätten, damit umzugehen.

Tipps für Gespräche mit älter werdenden Eltern

WDR 14.07.2026 02:04 Min. Verfügbar bis 13.07.2028 WDR Online

Download

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Peggy Elfmann und Zitate aus dem Buch "Meine Eltern werden alt"
  • Informationen des Portals "Pflegewegweiser NRW" und Service-Angebote der Verbraucherzentralen zum Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung
  • Informationen des Bundesgesundheitsministeriums
  • Aktuelle Angaben des VDEK

Sendung: wdr.de, Tipps fürs Gespräch mit deinen älter werdenden Eltern, 14.07.2026, 16 Uhr.

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Biro 15.07.2026, 05:22 Uhr

    In der Theorie liest sich der Artikel gut,in der Praxis (trotz aller Vollmachten u.Verfügungen) bin ich wegen meines Vollzeit -Jobs und der Pflege meiner geschieden Eltern oft sehr erschöpft. Der Vater ist dement und hat Weglauf-Tendenz,ist aber oft noch klar und möchte auf keinen Fall in eine Einrichtung. Gleiches gilt für meine Mutter. Sie erhalten beide Leistungen d.Pflegekasse, es reicht aber nicht. Sie müssten beide mehr betreut werden, aufhören zu arbeiten kann ich aus finanziellen Gründen noch nicht, ein betreutes Wohnen wie z.B. bei Herrn Busse ist beiden Eltern finanziell auch nicht möglich. Glaube, gerade bei diesem Themenbereich hilft nur ein großes finanzielles Polster, abgesehen davon wird es wohl leider so enden, d.d.Eltern irgendwann in einem Heim landen,wo nach Monaten ein Platz frei wird. Finde die Situation sehr schwierig und belastend für alle Beteiligten.

    Antworten (2)
    • Barbara 15.07.2026, 15:13 Uhr

      Hallo Biro, das glaube ich gerne, dass deine Situation extrem belastend ist. Vielleicht wäre ja die Idee, dass die Eltern in einer Pflege-WG bzw. Demenz-WG unterkommen, auch mal ein Gedanke wert. Es kostet ähnlich viel wie eine Pflegeheim, ist aber deutlich betreuungsintensiver und hat halt diesen viel persönlicheren Charakter. Wenn es finanziell nicht geht, kannst du für deine Eltern Hilfe zur Pflege beantragen, das geht natürlich auch in einer WG. Nur so als Idee. Viel Kraft für dich - und pass auch gut auf dich selber auf!

    • Tassilo 15.07.2026, 18:25 Uhr

      Ja, ein selbstbestimmtes Leben im Alter mit Einzug in eine Senioren-Residenz ist nur mit sehr guter Bonität möglich. Es wundert, dass Herr Busse erwähnt wird auf der WDR-Seite. Als hätte er eine Vorbildfunktion! Klar ist, man muss es sich leisten können. Um Prominente, um Politiker, um hochrangige Kräfte beim ÖRR muss man sich nicht sorgen, wenn es um Finanzierbarkeit der Pflegeversorgung geht. Dieses Milieu braucht auch keine Pflegeversicherung.

  • 1 Klaudia 14.07.2026, 21:52 Uhr

    Ich hatte das große Glück bei meinem Vater, dass er, als er pflegebedürftig wurde, trotz der beginnenden Demenz sehr kooperativ war hinsichtlich der Akzeptanz von Pflegedienst und Vollmachten. Auch meine Mutter (91) zeigte und zeigt sich sehr aufgeschlossen für alle Möglichkeiten, allerdings lasse ich ihr auch soviel Entscheidungsfreiheit wie möglich. Es bedarf vieler Gespräche und ich musste ein Gefühl dafür entwickeln, dass sie Entscheidungen nicht "mir zuliebe" trifft, sondern von eigenem Willen getrieben. Leider stelle ich im Freundeskreis fest, dass manche das Gespräch mit den Eltern scheuen und sich selbst damit völlig überfordern, weil sie den Eltern versuchen, alles so wie früher möglich zu machen.

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