Leben in der Pflegefamilie

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WDR 3 Min. 5 Sek. Verfügbar bis 07.07.2028 Von Claudia Maschner

Mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung Pflegefamilien dringend gesucht

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Mehr Fälle von "akuter Kindeswohlgefährdung" in NRW: Im Jahr 2025 nahm das Jugendamt 14.174 Minderjährige in Obhut.

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Claudia Maschner

In 70 Prozent der Fälle musste ein Jugendamt wegen "akuter Kindeswohlgefährdung" einschreiten. Diese Fälle sind mehr geworden. Überforderte Eltern, körperliche oder seelische Misshandlung - im Verdachtsfall müssen Behörden handeln.

Deshalb suchen Jugendämter und freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe, wie der Verband Sozialtherapeutischer Einrichtungen in NRW (VSE NRW e.V.) jedes Jahr neue Pflegefamilien.

"Der Bedarf ist so hoch, wie noch nie." VSE-Sprecher Steffen Suuck

Greifen Jugendämter bei Verdacht schneller ein oder gibt es immer mehr überforderte Eltern? Darüber ließe sich nur spekulieren, so Suuck. Vorab wird geprüft, ob die Pflegefamilien die Voraussetzungen wie ein gesichertes Einkommen, genügend Wohnraum und Zeit erfüllen.

Aber dem VSE kommt es auch auf die richtige "Passung" an, wie Steffen Suuck es nennt. Würde die Familie zum Beispiel einen Säugling aufnehmen, bei dem sich später eine geistige oder körperliche Einschränkung zeigt?

Porträt eines Mannes mit blauen Augen, dunkelblonden Haaren und einer Mütze

Laut Steffen Suuck werde bei der richtigen Passung auf spezifische Bedürfnisse der Kinder geschaut.

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Oder können sie einem Teenager ein liebevolles Zuhause geben, der zunächst aggressiv auf diesen Bruch im Leben reagiert? "Wir schauen gemeinsam, welche Ressourcen die Familien haben, wo auch Grenzen sind und welches Kind dann genau in diese Familie passt."

Pflegeeltern bekommen Hilfen und finanzielle Unterstützung

Die Familien bekommen ein Pflegegeld, das legt das zuständige Jugendamt fest. Sehr wichtig ist aber auch die weitere Unterstützung. Beim VSE etwa werden die Pflegeeltern auch nach der Vermittlung intensiv begleitet.

Eine Familienberaterin ist jeweils für etwa zehn Familien zuständig. So wie Sozialpädagogin Silvia Pankow: "Pflegekinder haben oft schon viel Schlimmes erlebt, das fangen wir gemeinsam auf." Alle paar Wochen besucht sie die Kinder in den Familien, bei Bedarf auch öfter.

Für Saskia und Rüdiger Schipper ist diese Begleitung eine große Hilfe. Sie haben zu ihren eigenen drei Kindern zwei Pflegekinder aufgenommen, die heute sechs und drei Jahre alt sind. "Wir wollten immer schon eine große Familie," erklärt Saskia Schipper.

Eine große Familie sitzt im Garten an einem Tisch und isst gemeinsam.

Saskia und Rüdiger Schipper wollten schon immer eine große Familie haben.

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Bei einem Pflegekind wurde eine Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) diagnostiziert: Alkoholkonsum der Mutter in der Schwangerschaft hat Gehirnschäden verursacht. "Diese Kinder agieren nicht immer so, wie man das von leiblichen Kindern kennt. Es tut gut, sich auch darüber mit anderen betroffenen Pflegefamilien auszutauschen."

Die Herkunftsfamilie hat Umgangsrecht

Viele Pflegekinder haben einen gesetzlichen Vormund, aber Pflegeeltern dürfen über den Alltag, Freizeit oder Schule entscheiden. Die leiblichen Eltern haben oft noch ein Umgangsrecht, sie sollen das Kind mit professioneller Begleitung treffen. Auch das unterscheidet die Pflege von einer Adoption.

Pflegemutter Donate Stahn hat das Verhältnis ihrer Pflegetochter zum leiblichen Vater immer besonders unterstützt: "Das finde ich absolut wichtig, weil es ihr Ursprung ist." So wurde der leibliche Vater auch zur Einschulung oder Kommunion eingeladen. "Denn er hängt sehr an ihr und diese Bindung hat das Kind auch gebraucht."

Porträt einer jungen Frau mit blauen Augen, braunen Locken und einer Brille

Anna erlebte bei ihren Pflegeeltern keinerlei Unterschied zwischen sich und deren leiblichen Kindern.

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Die heute 21-jährige Anna wohnt noch zu Hause. Für ihre Pflegeeltern ist sie immer "ein Herzensöffner" gewesen. "Sie ist klasse und wir sind sehr stolz auf sie!" Zur Zeit macht Anna eine Ausbildung zur Erzieherin und wohnt währenddessen weiterhin bei ihren Pflegeeltern.

Durch ihre eigene Geschichte kann sie sich besonders in Betroffene hineinversetzen. "Manche Kinder sind traurig und glauben, dass an ihnen etwas falsch ist, weil sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. Manche sind wütend und reagieren entsprechend." Auch mit Hilfe ihrer Pflegefamilie ist aus Anna eine starke, junge Frau geworden. Jedes Jahr bräuchten allein in Deutschland tausende Kinder so eine Chance.

Mit Herz zur Pflegefamilie

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 19.05.2026 18 Min. 34 Sek. Verfügbar bis 18.05.2027 WDR 5 Von WDR 5

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Leben in einer Pflegefamilie, 07.07.2026, 4:45 Uhr
Sendung: WDR 5, Neugier genügt, 19.05.2026, 10:04 Uhr

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