Vorwurf der Bestechlichkeit: Ermittlungen gegen JVA-Beamte Rheinbach
Aktuelle Stunde . 14.07.2026. 09:17 Min.. UT. Verfügbar bis 14.07.2028. WDR. Von Martina Koch.
Die Bonner Polizei hat am Dienstag die JVA Rheinbach und Wohnungen in Köln, Euskirchen, Rheinbach, Siegburg und Rheinland-Pfalz durchsucht. Dabei entdeckten die Einsatzkräfte rund 15 Gramm Kokain und eine geringe Menge Amphetamin sowie eine alte Pistole, Patronen und Magazine. Außerdem wurden Handys, Laptops und Schriftsätze beschlagnahmt.
Vorwurf der Bestechlichkeit
Laut einem Polizeisprecher steht die Razzia im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen sieben aktive und einen ehemaligen Justizbediensteten, denen Bestechlichkeit vorgeworfen wird. Die JVA-Beamten sollen demnach gegen Geld Waren in das Gefängnis geschmuggelt und diese Insassen übergeben haben.
"Der Verdacht steht im Raum, dass diese Bediensteten verbotene Gegenstände wie zum Beispiel Mobiltelefone aber auch Betäubungsmittel gegen Bezahlung in den Vollzug hineingebracht haben." Michael Beyer, Polizeisprecher Bonn
Hinweise kamen aus der JVA
JVA Rheinbach
Insgesamt waren rund 60 Polizisten an den Durchsuchungen beteiligt. Die Ermittlungen hatten nach einem Hinweis direkt aus der Leitung der JVA begonnen und richten sich auch gegen aktuelle und ehemalige Häftlinge. Die verdächtigten Justizbediensteten wurden inzwischen suspendiert.
Sondersitzung im NRW-Rechtsausschuss
Am Mittwochmorgen befasste sich der Rechtsausschuss in einer Sondersitzung mit den Ermittlungen rund um die JVA Rheinbach. Dabei wurde bekannt, dass die Leiterin der JVA bereits vor zwei Jahren die Ermittlungsbehörden eingeschaltet hatte. NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) erklärte in der Sondersitzung, dass er erst am Dienstag von den Durchsuchungen erfahren habe.
Justizminister Limbach ordnet Überprüfung an
Limbach hatte sich am Dienstag in einem ersten Statement zunächst "betroffen und wütend" gezeigt. Als unmittelbare Konsequenz ordnete er eine umfassende Sonderprüfung der JVA an - nach dem Vorbild der Maßnahmen, die bereits nach den Vorfällen in der JVA Euskirchen eingeleitet worden waren. Zudem sollen ab sofort die Taschen von Beschäftigten in sämtlichen Justizvollzugseinrichtungen des Landes kontrolliert werden.
"Wir werden jeden Stein umdrehen und lückenlose Transparenz schaffen." NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne)
Zugleich warnte Limbach davor, alle Beschäftigten unter Generalverdacht zu stellen. Die strengeren Kontrollen sollten auch den Ruf der großen Mehrheit schützen, die ihre Arbeit ehrlich und unter schwierigen Bedingungen leiste, so der NRW-Justizminister.
Kein Zusammenhang mit JVA Euskirchen
Eine ähnliche Aktion gab es schon Anfang Mai: Damals war es die JVA Euskirchen, wo seitdem gegen mehrere Bedienstete und ehemalige Häftlinge ermittelt wird - auch wegen Bestechlichkeit. Einen Zusammenhang mit den Untersuchungen in Euskirchen soll es in Rheinbach laut Polizei aber nicht geben.
Unsere Quellen:
- Polizei Bonn
- Statement von NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne)
Sendung: WDR 2, Mutmaßliche Bestechung in der JVA Rheinbach, 15.07.2026, 12:02 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 14.07.2026, 18:45 Uhr