Solidarische Landwirtschaft in Pulheim
Bildquelle: WDR/BohlenWDR. 3 Min. 16 Sek.. Verfügbar bis 11.08.2028.
197 Bündel Mangold. Nicht mehr, nicht weniger. Gärtner Tom zählt noch einmal nach. Dazu Möhren, Spitzkohl und Lauchzwiebeln. Alles wird genau abgezählt, bevor es in die Kisten kommt. Denn die Ernte ist bereits verteilt, bevor sie überhaupt das Feld verlässt.
Jeder zahlt, was er kann
Der Hof arbeitet nach dem Prinzip der solidarischen Landwirtschaft. Die Mitglieder finanzieren den landwirtschaftlichen Betrieb gemeinsam ein Jahr im Voraus und teilen anschließend die Ernte untereinander auf. Auch das Risiko einer schlechten Ernte tragen alle gemeinsam. Rund 180 Haushalte aus Pulheim und dem Kölner Umland gehören inzwischen zum Projekt "Bürger machen Landwirtschaft".
Die freiwilligen Helfer packen fleißig bei der Ernte mit an.
Bildquelle: WDR/BohlenWas ein Haushalt monatlich zahlt, ist dabei nicht für alle gleich. "Wir kalkulieren mit Ein- bis Zwei-Personen-Haushalten. Wenn jeder das Gleiche bezahlen würde, sind das 86,50 Euro im Monat", sagt Gründerin Tanja Schlote. Doch das Projekt ist solidarisch: "Es gibt Leute, die zahlen weniger, es gibt Leute, die zahlen mehr."
Gemüse für 180 Haushalte
Auf rund zwei Hektar Land wachsen mehr als 40 verschiedene Gemüsesorten. Angebaut wird in Demeter-Qualität. Im Sommer ernten sie einmal die Woche. Momentan sorgt die anhaltende Trockenheit für besonders viel Arbeit.
"Wir sind hier früh morgens, wir sind hier spät abends. Also Privatleben kann man da nicht mehr planen", sagt Schlote. Die viele Arbeit lohne sich aber, wenn die Ernte gelingt. Besonders stolz ist sie auf den Geschmack:
"Eine Möhre, die wieder nach Möhre schmeckt und Gurken, die Geschmack haben, die nicht nur verwässert sind." Tanja Schlote, Gründerin "Bürger machen Landwirtschaft"
Ernte als Ausgleich zum Bürojob
Rund zehn Freiwillige aus der Gemeinschaft helfen bei der Ernte. Fast alles ist Handarbeit. "Ich habe durch das Projekt eine ganz andere Wertschätzung zu dem Gemüse bekommen", sagt Teilnehmerin Constanze Ballauf. Für sie ist die Arbeit auf dem Feld außerdem ein Ausgleich zum Schreibtisch.
Auch die Gemeinschaft ist Teil des Konzepts. Rentner, Familien und Kinder helfen gemeinsam. Isolde ist 78 und sagt: "Ich werde das so lange machen, wie ich kann."
Vom Feld direkt auf die Teller
Hier ist noch viel Handarbeit.
Bildquelle: WDR/BohlenNach der Ernte kommen die Kisten ins Kühlhaus. Immer freitags wird das Gemüse auf sechs Abholstationen im Kölner Umland verteilt, beispielsweise nach Vogelsang, Esch oder Bedburg. Vor Ort steht für jedes Mitglied fest, welcher Anteil ihm zusteht.
"Da gibt es eine Liste, da steht dann drauf: Ihr bekommt drei Zucchinis und ein halbes Kilo Möhren", erklärt Schlote.
Was auf dem Teller landet, hängt damit auch davon ab, was auf dem Feld gerade wächst. Anders als im Supermarkt können die Mitglieder nicht jederzeit jedes Gemüse kaufen. Dafür wissen sie, woher ihre Lebensmittel kommen und haben teilweise selbst beim Anbau geholfen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Tanja Schlote, Gründerin "Bürger machen Landwirtschaft"
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Solidarische Landwirtschaft in Pulheim, 11.08.2026, 15.06 Uhr
