Dieser Tag ist anders als andere in Brühl. Absperrgitter stehen bereit, Polizeikräfte sichern die Zufahrten, rund um das Schloss Augustusburg gelten besondere Sicherheitsvorkehrungen. Für die Einsatzkräfte bedeutet der Besuch der beiden Spitzenpolitiker einen großen organisatorischen Aufwand.
Auch die Brühler spüren, dass ein besonderer Besuch ansteht. Schon am Morgen bleiben viele stehen, schauen neugierig auf die Vorbereitungen oder versuchen, herauszufinden, wo Merz und Macron möglicherweise zu sehen sein könnten. Auch Karin Bramann hat sich auf den Weg gemacht und steht neugierig an den Absperrungen.
"Als die Kolonne an mir vorbeifuhr, habe ich Herrn Merz zugewunken. Und er hat zurückgewunken. Das war ein Erlebnis." Karin Bramann, Brühlerin
Brühl mit lange vergessenem Flair
Karin Bramann beim Staatsbesuch von Friedrich Merz
Als Macron und Merz am späten Vormittag in Kolonne in zwei verschiedenen Fahrzeugen anreisten, staute es sich in der Brühler Innenstadt. Viele in der Brühler Bevölkerung waren erfreut über den Besuch. Endlich mal wieder so ein Flair wie früher in der Stadt, als regelmäßig Staatsgäste im Schloss Augustusburg zu Gast waren.
Dass es an diesem besonderen Tag zu Verkehrsbehinderungen in Brühl kommt, stört Alexander Herberz nicht. "Ich fahre mit dem Fahrrad. Ich kenne das mit den Staus von früher. Da war das Schloss noch häufiger als Residenz genutzt worden."
Adenauer und de Gaulle trafen sich in Schloss Augustusburg
Der Ort ist bewusst gewählt: Genau hier machte Frankreichs Präsident Charles de Gaulle 1962 dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer den Vorschlag für den späteren Élysée-Vertrag - bis heute das Fundament der deutsch-französischen Freundschaft.
64 Jahre später kommt hier der deutsch-französische Ministerrat zusammen. Weltpolitik bedeutet für viele Brühlerinnen und Brühler zunächst einmal Umleitungen, Sperrungen und Einschränkungen. Andere wiederum freuen sich, dass ihre Stadt heute international im Rampenlicht steht.
1962 traf Charles de Gaulle Konrad Adenauer im Schloss Augustusburg in Brühl.
Für Merz und Macron ist Brühl bereits die zweite Station des Tages im Rheinland. Los ging es auf dem Fliegerhorst in Nörvenich. Dort tagte der deutsch-französische Sicherheits- und Verteidigungsrat. Neben Merz und Macron nahmen auch mehrere Minister beider Länder sowie hochrangige Militärvertreter teil.
Proteste bei Merz-Macron-Treffen angekündigt
Etwa 100 Teilnehmer demonstrierten am Freitag in Brühl gegen das Treffen. Sie hielten unter anderem Schilder mit der Aufschrift "Herz statt Merz" hoch. Es blieb aber alles friedlich. Bereits Anfang der Woche hatten in Köln über tausend Studierende gegen die Politik von Bundeskanzler Merz demonstriert.
Am Ende des Tages ist der politische Ausnahmezustand in Brühl wieder vorbei. Die Absperrgitter verschwinden, die Straßen werden wieder frei - aber für viele Menschen bleibt die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Tag: Ein Tag, an dem europäische Politik nicht nur in Berlin oder Paris stattfand, sondern mitten in ihrer Stadt.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR 2 Rheinland, Lokalzeit, 17.07.2026, 9.31 Uhr
