Schwimmbad in Niederkassel vor dem Aus

WDR 02:39 Min. Verfügbar bis 22.05.2028

Streit um Sanierung Wer rettet das Schwimmbad Niederkassel?

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Das Helmut-Loos-Bad in Niederkassel ist marode. Lässt es sich erhalten? Die Stadt will mit einer Schwimmschule kooperieren.

Von Uwe Fohrmann

Es ist Mittwochabend. Zwölf Jugendliche ziehen ihre Bahnen. Es ist die Wettkampfmannschaft des Schwimmvereins Lülsdorf-Ranzel. Am Beckenrand steht Trainerin Katja Hopp, selbst ehemalige Rekordschwimmerin. Sie ist kaum zu überhören, es ist aber auch ziemlich laut in dem Hallenbad: "Nächste Serie, 200 Meter Lagen, ordentliche schnelle Wettkampfwenden, denkt an die Kicks, macht es ordentlich!"

Bis zu fünf Mal die Woche wird hier trainiert, sehr intensiv - das ist gut an den athletischen Körpern zu erkennen. Starts vom Block, Starts aus dem Wasser und dann die verschiedenen Schwimmformen. Kraul, Rücken, Delfin, Brust, und so weiter. Es geht hier Schlag auf Schlag.

Defekte Rohre, kaputte Fliesen und Technik aus den 1960ern

In letzter Zeit fiel das Training immer wieder aus. Oft, weil kein Schwimmbadpersonal da war, immer häufiger, weil einfach etwas kaputt war im Schwimmbad.

Für die Leiterin der Schwimmabteilung, Rosanna Simonis, ein nerviger Zustand: "Dann sind Fliesen kaputt gegangen, die mussten direkt ersetzt werden. Dann wurden uns Wasserzeiten an dem Tag gestrichen. Es waren immer kleine Dinge, die sich immer mehr gehäuft haben, sodass wir unser regelmäßiges Training nicht stattfinden lassen konnten."

Unterhalb des Schwimmbeckens wird das ganze Dilemma deutllich:
Rostige Rohre, fast durchgerostet. An zwei Stellen stehen Eimer, die Wasser auffangen - offenbar ist das Becken oder sind Rohre undicht. Abstruse Konstruktionen sollen vor Wasserdurchbruch schützen. Und die Chloranlage, übrigens noch die erste aus dem Jahr 1969, sieht auch nicht mehr richtig sicher aus.

Fördermittel vom Bund würden nicht reichen

Ein Mädchen im Badeanzug steht in einer Schwimmhalle.

Rosanna Simonis, Abteilungsleiterin Schwimmen beim Sportverein Lülsdorf-Ranzel

Rosanna Simonis leitet die Schwimmabteilung im Verein. Sie erzählt: "Wir hatten keine Lösung mehr, wie das mit dem Schwimmbad weiter gehen soll und dann haben wir uns mit den Vereinen zusammengesetzt und gesagt: Wir müssen was machen, beziehungsweise die Stadt, die braucht einen Anschub und dann haben wir Fördermittel rausgesucht."

Fördermittel gibt es. Zur Zeit nimmt der Bund Bewerbungen an für marode Sportstätten, die saniert werden sollen. Bis Anfang Juni müssen die Anträge raus sein, das wird in diesem Jahr nicht mehr klappen. Und: Die Förderungen sind gedeckelt. Die Stadt Niederkassel müsste vermutlich Millionen Euro dazutun. Die hat sie aber wegen einer Haushaltssperre nicht.

Stadt Niederkassel will Kooperation mit Schwimmschule

Die Stadt will deswegen lieber einen privaten Investor ins Boot holen: die Schwimmschule Nessy. "Das sind unglaublich engagierte Jungunternehmer, die Schwimmkurse machen. Und die Idee ist, dass wir eine Kooperation anstreben, wo beide Seiten was von haben", sagt Niederkassels Bürgermeister Matthias Großgarten (SPD).

"Wir brauchen vor allem die Pflichtaufgabe des Schulschwimmens, aber auch für den Verein brauchen wir ein Angebot. Gleichzeitig möchte nessy Schwimmkurse im großen Rahmen anbieten. Ich bin der Überzeugung, dass wir da eine Lösung erarbeiten können."

Ein großes Sportschwimmbecken mit Sprungturm und einigen jungen Schwimmern.

Vieles im Schwimmbad in Niederkassel ist sehr marode.

Schwimmverein will lieber ein Bürgerbad

Der Schwimmverein befürchtet dadurch immens hohe Beiträge und nur noch wenig Schwimmzeiten. Der Vereinsvorsitzende Dominik Schreiter hofft, man könne die Zukunft des Bades doch noch selbst in die Hand nehmen.

"Unsere Idee war dann, das Bad in ein Bürgerbad umzuwandeln. Dass wir als Verein den Betrieb übernehmen. Dass alle die, die das Schwimmbad betreten, ein Monatsbeitrag bezahlen. Dass wir den Kursbetrieb übernehmen. Wenn die Bereitschaft der Sanierung da ist, sei es Sanierung oder Neubau.

Bürgermeister fürchtet zu hohe Kosten für die Stadt

Für den Bürgermeister ist der Verein als Betreiber des Schwimmbads keine Option. Er befürchtet, dass das Schwimmbad am Ende wieder in die Verantwortung der Stadt fällt, falls dabei etwas nicht klappen sollte.

Niederkassel muss wegen der Haushaltssicherung bis zum Jahr 2032 einen ausgeglichenen Haushalt erreichen. Da scheint eine Kooperation mit dem privaten Investor zurzeit die einzig mögliche Rettung für das Helmut-Loos-Bad.

Unsere Quellen:

  • Katja Hopp, Schwimmtrainerin
  • Rosanna Simonis, Abteilungsleiterin Schwimmen
  • Dominik Schreiter, Vorsitzenden Sportverein Lülsdorf-Ranzel
  • Matthias Großgarten, SPD, Bürgermeister Niederkassel

Sendung: WDR.de, Schwimmbad in Niederkassel vor dem Aus, 22.05.2026, 10:21 Uhr

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