Sicherheitsmitarbeiter kontrollieren die Ausweise in Bochumer Freibädern
Nach Tumulten in Bochum : Das bringt die Ausweispflicht im Freibad
Stand:
Vor zwei Wochen wurde das Freibad in Bochum-Werne nach einem Tumult geräumt. Seitdem gibt es eine Ausweispflicht. Was bringt die?
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Jetzt mitdiskutierenSusanne aus Bochum kommt mit ihrem Rad am Freibad in Werne an, bei Temperaturen um 27 Grad will sie sich ein bisschen abkühlen. Direkt vor dem Eingang sieht sie ein Schild, darauf steht: Keine Glasflaschen, keine Messer oder Waffen, Taschenkontrolle und Ausweiskontrolle.
Vor dem Ticketschalter wartet schon ein Sicherheitsmitarbeiter und fragt nach ihrem Ausweis. "Das ist okay für mich", sagt Susanne. "Ich hab das ja mitgekriegt mit der Schlägerei und habe im Internet gesehen, dass man jetzt einen Ausweis braucht, um reinzukommen".
Auseinandersetzung am Beckenrand
Mit "Schlägerei" ist ein Vorfall gemeint, der vor zwei Wochen im Werner Freibad passiert ist - während der extremen Hitze: Zwei Personen geraten am Beckenrand aneinander, es fallen Beleidigungen, dann wird eine Frau durch einen Schlag ins Gesicht verletzt und blutet stark.
Christian Krause ist Leiter des Bädermanagements in Bochum und erzählt, dass der Vorfall an sich die Verantwortlichen nicht aufgeschreckt hat.
"Plötzlich standen fünfzig Leute drumherum und wir haben gesehen, wie man Menschen auf die Schultern genommen hat, um Handyvideos von der Eskalation zu machen, da mussten wir reagieren". Christian Krause, Leiter Bädermanagement Bochum
Ausweispflicht und Taschenkontrollen
Badleiter Swen Hegemann ruft die Polizei und lässt das gesamte Freibad mit mehr als 4.000 Menschen räumen. Während die Handyvideos auf Plattformen wie Tiktok viral gehen, verhängen die Bochumer Wasserwelten einen Tag später eine Ausweispflicht sowie Taschenkontrollen am Einlass in allen Bochumer Schwimmbädern. "Seitdem ist es gefühlt ruhiger geworden", sagt der Badleiter.
Von der Ausweiskontrolle überzeugt: Christian Krause und Swen Hegemann
In den knapp zwei Wochen gab es keinen Vorfall, allerdings müssen sich Badegäste erst einmal daran gewöhnen, einen Ausweis ins Schwimmbad mitzunehmen. "Wir mussten den einen oder anderen abweisen", sagt Christian Krause. Insgesamt gebe es aber Verständnis für die neuen Regelungen. Im Schwimmbad in Bochum-Hofstede ist es allerdings noch einmal zu einer Aktion gekommen, zu der die Polizei gerufen werden musste.
Wegen des enormen Andrangs hatte die Badleitung Durchsagen gemacht, dass keine weiteren Badegäste eingelassen werden können. "Daraufhin kam es zu Beleidigungen, einige Menschen haben ihren Unmut kundgetan". Die Schwimmbadleitung hat dann die Polizei gerufen.
Dieses Schild steht jetzt am Freibad-Eingang
Nicht alle Badegäste überzeugt
Ob die Ausweispflicht auf Dauer für weniger Ärger sorgt, daran hat Sascha Fronz seine Zweifel. Er ist heute mit seinem Sohn ins Freibad Werne gekommen, beide haben es sich auf der Liegewiese gemütlich gemacht. "Ich denke, das wird nichts bringen, wenn die sich inne Köppe kriegen, dann kriegen die sich inne Köppe, Ausweispflicht hin oder her", sagt er.
Sascha Fronz mit seinem Sohn im Freibad Bochum-Werne
Nebenan im Sportbecken schwimmt Sabine aus Bochum. Sie stoppt am Beckenrand, ist noch etwas außer Atem und sagt: "Finde ich nicht so schlimm mit der Ausweiskontrolle. Wenn das für mehr Sicherheit im Freibad sorgt, ist das okay".
An heißen Tagen mehr Sicherheitsleute
Sicherheits-Mitarbeiter Ali Hajiyev steht am Beckenrand und guckt sich das Treiben auf dem großzügigen Gelände an. Heute ist es aber eher ruhig, er hat nicht so viel zu tun: "Das sieht an heißen Tagen mit 4.000 Badegästen anders aus. Da sind wir zu acht. Zwei machen Taschenkontrollen am Eingang, die anderen sechs laufen in Zweier-Teams Streife", sagt er. Häufig gehe es um Jugendliche, die schon mal in Streit geraten können.
Security will für Sicherheit sorgen
Die Bochumer Wasserwelten wollen mit der Ausweiskontrolle erreichen, die Badegäste aus der Anonymität zu holen. "Wir wollen ihnen zeigen, wir wissen dass du da bist. Bei möglichen Vorfällen ist es auch einfacher, die Daten zu erfassen und Hausverbote auszusprechen", sagt Christian Krause.
Kritik an Ausweiskontrolle
Doch daran hat Vanessa ihre Zweifel. Die Bochumerin ist heute alleine gekommen und liegt genau auf der Liegewiese, wo der Vorfall vor zwei Wochen passiert ist: "Ich hab ein paar Videos gesehen und eine Freundin war hier und hat das Mädchen gesehen, die ist fast verblutet", sagt sie. Von den Ausweiskontrollen hält sie nichts: "Da wird nur einmal auf den Ausweis geschaut, aber das wird ja nicht irgendwo abgeglichen oder eingescannt".
Sieht die Ausweiskontrolle kritisch: Vanessa aus Bochum
Doch die Bochumer Wasserwelten halten daran fest. Rückenwind bekommen sie von den Erfahrungen der Nachbarstädte Essen und Herne. Dort hat es seit Einführung weniger Polizeieinsätze gegeben. Aber Vorfälle dieser Art sind nicht die einzigen Probleme: "Wir machen uns Sorgen um Kinder, die nicht beaufsichtigt werden, weil die Eltern auf ihre Handys schauen anstatt auf ihre Kinder", sagt Christian Krause.
Deshalb hängen an mehreren Stellen im Freibad jetzt Plakate. Auf ihnen steht zum Beispiel: "Dein Blick rettet mein Leben" oder "Mama - heute wäre mein 3. Geburtstag".
Über das Thema Sicherheit im Schwimmbad sprechen wir auch mit Experten und Interessierten beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch am Samstag, den 11.07.2026. Los geht es um 13 Uhr am Aquapark in Oberhausen, der Eintritt ist frei.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Christian Krause, Leitung des Bädermanagements in Bochum
- Gespräch mit Swen Hegemann, Leiter Freibad Werne
- Gespräch mit Sicherheitsmitarbeiter Ali Hajiyev
- Gespräch mit Badegästen
- Beobachtungen durch WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, Bilanz Ausweiskontrolle Freibäder Bochum, 09.07.2026, 5 Uhr

21 Kommentare
Kommentar 21: Kevin Müller schreibt am 11.07.2026, 03:11 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)
Kommentar 20: Maximilian schreibt am 11.07.2026, 00:14 Uhr :
Bademeister Schaluppke und Fritz Eckengas' Bademeister Teddy hätten heutzutage im Bad nichts mehr zu melden. CT-Scanner sind für die Bäder leider zu teuer. Aber vielleicht würden einfache Metalldetektoren zum Aufspüren von Messern helfen oder Personenkontrollen wie am Flughafen etwas Abhilfe schaffen. Ein Handyverbot wäre auch hilfreich, weil es den Geltungsdrang vieler gewaltbereiter Gäste reduziert. Ein Tumult ohne Aufzeichnung nimmt der Anerkennung im Netz den Nährboden.
Kommentar 19: Absurdistan schreibt am 10.07.2026, 17:28 Uhr :
Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er beleidigend ist. (die Redaktion)
Kommentar 18: Sascha. schreibt am 10.07.2026, 14:55 Uhr :
Es ist übrigens nicht der junge Mann (rechts), der auf dem Foto kontrolliert wird, sondern die polizeibekannte Beate S. (65), links, die schon öfter vom Beckenrand gesprungen ist und Kindern die Freibadpommes geklaut hat.
Kommentar 17: Hauke Voßberg schreibt am 10.07.2026, 13:45 Uhr :
Aufruf zu "Remigration" = Rassismus
Kommentar 16: JB Evans schreibt am 10.07.2026, 13:15 Uhr :
Man bekaempft die Symptome u feiert es als Erfolg, die Ursachen bleiben gleich u werden ignoriert
Kommentar 15: Marcel schreibt am 10.07.2026, 12:53 Uhr :
Edit: Schön meinen vorherigen Kommentar prüfen, ob dieser auch in das geframte Narrativ passt. Fragt euch doch mal, warum das Vertrauen in eure Medien so im Keller ist.
Kommentar 14: Kek schreibt am 10.07.2026, 12:52 Uhr :
Dieses Symbolbild😂 Oma Erna wird kontrolliert. Ist schon klar..
Kommentar 13: Marcel schreibt am 10.07.2026, 12:51 Uhr :
Das Foto zu diesem Beitrag, herrlich. Jeder weiß, wer für die "Tumulte" verantwortlich sind. Aber auf dem Bild muss die ältere Dame sich ausweisen. Die meisten haben verlernt, Dinge direkt anzusprechen. Ihr habt so fertig mit eurer Empathie.
Kommentar 12: Denny schreibt am 10.07.2026, 09:16 Uhr :
Ich finde es einfach nur erschreckend, dass solche Situationen von Schaulustigen gefilmt werden und die Mitarbeiter nicht immer eingreifen können, da auch zu wenige da sind. Die Ausweispflicht kann zwar helfen, Unruhestifter eher aus dem Bad zu "verbannen", aber die dafür notwendigen Kontrollen am Eingang werden mit Sicherheit wieder für Unmut sorgen, da alles länger dauert. Ich denke sowieso, dass die Bäder mittlerweile einfach nur noch überfüllt sind und von Entspannung kann keine Rede sein.
Kommentar 11: Momo schreibt am 10.07.2026, 07:35 Uhr :
Früher war Fotoverbot in Schwimmbädern. Begründung: Pädophile könnten Bildmaterial sammeln. Heute darf jeder mit Smartphone usw ins Schwimmbad. Wer kontrolliert da eigentlich, ob da keine Aufnahmen gemacht werden? Zum eigentlichen Thema: Wer hat mal die Unfälle gezählt, die auf Spielplätzen passieren, weil die Eltern eben mit ihrem Handy mehr beschäftigt sind, als mit ihrer Aufsichtspflicht. Genauso sieht es im Straßenverkehr aus. Schaut zB mal an Bushaltestellen, wie oft da Kinder fast in den Straßenverkehr rennen, weil (zumeist) die Mama so mit den Handy beschäftigt ist. Handys gehören nun mal (leider) in die heutige Zeit. Nur müsste der Umgang damit, von jedem überdacht werden, gerade von Elternteilen mit kl. Kindern. Warum sucht man sich keine Freiwilligen, zB Ehrenamtliche, die mal im Schwimmbad ganz bewusst die Eltern die gerade ein Handy "bespielen" an, und versucht auf die Gefahr der vernachlässigten Aufsichtspflicht hinzuweisen. Würde mich freiwillig dazu bereiterklären.