Der Terrorpilot der in Bochum lebte

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WDR 3 Min. 17 Sek. Verfügbar bis 11.09.2028

25 Jahre nach 9/11 Wie die Terrorspur nach Bochum führte

Stand:

Wenige Tage nach dem 11. September 2001 war der Terror plötzlich ganz nah im Ruhrgebiet. Die Spur von einem der Todespiloten führte nach Bochum - er hatte zeitweise in einem Studierendenwohnheim dort gelebt.

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Stefan Göke

Auch heute noch gibt es das Uni-Wohnheim in der Stiepeler Straße im Stadtteil Querenburg. Alles wirkt fast noch so wie im Jahr 2001. Damals stand an einem Klingelschild "Ziad Jarrah". Er war einer der führenden Attentäter, einer der Piloten, der mit der Maschine in Pennsylvania abstürzte. Das von ihm gesteuerte Flugzeug sollte wohl das Kapitol in Washington treffen.

Vier Tage nach den Anschlägen machte diese Nachricht langsam die Runde, auch im Polizeipräsidium Bochum. Volker Schütte war viele Jahre Pressesprecher der Polizei Bochum. Heute ist er mit 67 Jahren im Ruhestand und erinnert sich gut an den September 2001: "Wir konnten das erst gar nicht glauben. Und als es immer konkreter wurde, waren wir fassungslos."

Volker Schütte, ehemaliger Polizei-Pressesprecher
"Wir kennen die Straße, wir kennen den Stadtteil, alles hier um die Ecke. Und dann soll einer der Attentäter genau da gelebt haben." Volker Schütte, früherer Pressesprecher Polizei Bochum

Bochums Verbindung zu 9/11: Als ein Attentäter hier lebte

Porträtfoto von Ziad Jarrah

9/11-Attentäter Ziad Jarrah hatte Verbindungen nach Bochum.

Bildquelle: WDR / dpa

Nach und nach ergab sich ein Bild von dem Geschehen: Der 26-jährige Ziad Jarrah war eine der wichtigsten Personen in der Terrorgruppe um Muhammad Atta. Jarrah hatte zeitweise bei seiner Partnerin in dem Bochumer Wohnheim gelebt. Sie war Studentin, er allerdings war nicht in Bochum eingeschrieben. Gleichwohl war Jarrah immer wieder dort und hat von Bochum aus die Anschläge vorbereitet.

Bei der Durchsuchung des Appartements wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Seine Freundin hatte den 26-jährigen Libanesen nach den Anschlägen als vermisst gemeldet, da sie ihn nicht mehr erreichen konnte. So kamen die ermittelnden Behörden schnell auf die Spur, die nach Bochum führte. Wie es heißt, wusste sie bis zum Schluss nichts von dem, was ihr Partner da geplant und durchgeführt hatte.

Nach Anschlägen vom 11. September: Eine Stadt unter Schock

Die Ereignisse hinterließen auch unter den Studierenden ihre Spuren. Unsicherheit, Misstrauen machten sich breit. Wer weiß, wer da noch alles drinsteckt? Und doch gab es auch ein anderes Signal, eines der Hoffnung. "Alle waren sich einig, Christen, Juden, Muslime, Konfessionslose", erinnert sich Thomas Wessel, Pfarrer der Christuskirche in der Innenstadt, "so etwas darf nicht sein. Ein Signal der Menschlichkeit." An der Christuskirche läuten jedes Jahr am Nachmittag des 11. September die Glocken zum Gedenken an die Opfer, so auch heute wieder.

Und bei der Polizei? Immer mehr Journalisten kamen in die Stadt, Übertragungswagen von Radio- und Fernsehsendern reihten sich vor dem Polizeipräsidium aneinander. Polizeisprecher Volker Schütte und seine Kollegen haben lange Zeit noch einen Ordner aufbewahrt, unter anderem mit den Zetteln, auf denen sie eilig mit Kuli die Medien und Ansprechpartner notiert hatten, die sich gemeldet hatten. "Ruhr Nachrichten, Washington Post, New York Times, alles dabei", so Schütte.

Das Bochumer Wohnheim heute

Am Wohnheim in Querenburg geht es heute ruhig zu. Als wir einer jungen Bewohnerin von den Ereignissen von damals berichten, ist sie sichtlich beeindruckt: "Also stimmt es! Es gab immer wieder Gerüchte darüber, dass es irgendeinen Zusammenhang mit unserem Haus zu damals gab. Aber mehr wusste ich nicht", erzählt sie. Anders die Anwohner, die nur wenige Meter entfernt wohnen und sich an den großen Rummel erinnern, der plötzlich in der ruhigen Straße aufkam.

Die Ermittlungen seinerzeit gingen noch Wochen und Monate weiter. Bis in der Stadt langsam Ruhe einkehrte. Genau wie heute am Wohnheim, wo nichts mehr an den September 2001 erinnert. Auch nicht mehr das Klingelschild.

9/11-Attentäter Ziad Jarrah wohnte zeitweise in Bochum

WDR 10.09.2026 2 Min. 55 Sek. Verfügbar bis 10.09.2028

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Volker Schütte, ehemaliger Polizei-Pressesprecher
  • Gespräch mit Pfarrer Thomas Wessel
  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
  • Gespräche mit Anwohnern
  • Vorherige WDR-Berichterstattung

Sendung: WDR.de, 9/11-Attentäter Ziad Jarrah wohnte zeitweise in Bochum, 11.09.2026, 5:02 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 11.09.2026, 19:39 Uhr

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