Auf den ersten Blick sieht der Tiny Forest in Wattenscheid nicht mehr allzu lebendig aus
WDR. 02:37 Min.. Verfügbar bis 22.07.2028.
Wald wirkt vertrocknet : Streit um Wattenscheider Tiny Forest geht weiter
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Der Tiny Forest im Wattenscheider Stadtgarten sorgt weiter für Konflikte. Anwohner werfen der Stadt vor, die jungen Bäume während der Hitze nicht richtig gewässert zu haben. Die Stadt widerspricht: alles normal so weit.
"Wenn ich die vielen braunen Blätter sehe, dann bekomme ich Puls", ärgert sich Olaf Kostrzewa. Der gebürtige Wattenscheider kommt täglich an dem jungen Wald vorbei und hat, so berichtet er weiter, "hier noch nie jemand gießen sehen."
Anwohner Olaf Kostrzewa
Erst im März war auf dem ehemaligen Gelände des städtischen Betriebshofes, der am Rande des Stadtgartens liegt, der Boden entsiegelt worden. Etliche Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums haben rund 5.000 Setzlinge in den Boden eingebracht. Einen sogenannten Tiny Forest. Heißt: viele unterschiedliche Baumarten auf einer kleinen Fläche. Die stärksten Bäume sollen sich am Ende durchsetzen.
Tiny Forest: Millionen Steuergelder versenkt?
Das Projekt war nicht billig. Insgesamt haben Wäldchen und Wildblumenwiese 1,2 Millionen Euro gekostet - Steuergelder. Verständlich, dass die Wattenscheider genau hinsehen, ob da was blüht oder vor sich hinwelkt.
Ritztest offenbart: "noch Leben im Baum"
Marcus Kamplade ist der Baum-Manager der Stadt Bochum. Er ist für die Gehölze zuständig. Beim Ortstermin zieht er ein Taschenmesser hervor und ritzt leicht in die Rinde des noch jungen Stammes.
Während in der Krone des Baumes braune Blätter von den Zweigen hängen, zeigt der kleine Schnitt etwas anderes: Unter der Rinde ist der Stamm grün. "Hier ist also noch Leben im Baum, auch wenn die Außenwirkung das nicht verrät."
Marcus Kamplade, Baum-Manager der Stadt Bochum
Junge Bäume brauchen viel Wasser
Doch damit sind die Sorgen der Bürger nicht vom Tisch. "Was heute noch grün ist, kann schon morgen tot sein", sagt Matthias Gropp, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbeirats und ergänzt: "Junge Bäume brauchen in den ersten drei Jahren regelmäßig Wasser. Dann bilden sich nämlich die Wurzeln aus."
Ist der Baum noch gesund?
Stadt: Bäume regelmäßig gegossen, aber vielleicht nicht genug
Ist denn regelmäßig und genügend gewässert worden? So richtig kann die Frage niemand beantworten. Eine Firma ist damit beauftragt, aber ob während der Hitzeperiode der vergangenen Wochen mit Temperaturen von knapp 40 Grad tatsächlich die Wassermenge ausreichend war, ist schwierig zu sagen. "Ganz genau wissen wir das erst im nächsten Frühjahr, wenn die Bäume ausschlagen. Oder eben nicht", erklärt Marcus Kamplade.
Bestätigt wird er von einem weiteren Ritztest mit seinem Taschenmesser. Der Schnitt zeigt unter der dünnen Rinde eine bräunliche Farbe. Untrügliches Zeichen dafür, dass dieser Baum keinen Frühling mehr erleben wird.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Besuchern im Park
- Gespräch mit Marcus Kamplade, Stadt Bochum
- Gespräch mit Matthais Gropp, stellv. Vorsitzender des Naturschutzbeirates
- Beobachtungen des WDR Reporter vor Ort
Sendung: WDR.de, Tiny Forest in Wattenscheid, 22.07.2026, 19:10 Uhr
