Frisch gepflanzter Tiny Forest verdorrt in Wattenscheid
WDR. 02:34 Min.. Verfügbar bis 16.07.2028.
Vertrockneter Tiny Forest : Experte sagt, Stadt hätte Bäumchen wässern müssen
Stand:
Die Idee für den Tiny Forest im Wattenscheider Stadtgarten stammt von den Bürgern. Die Bochumer Politik eilte und wollte Gutes tun. 1,2 Millionen Euro kostete das Projekt. Jetzt drohen die im März gepflanzten 5000 Setzlinge zu vertrocknen. Alles gut, sagt die Stadt. Gar nicht gut, sagt ein Baumexperte.
"Was nützt es", fragt ein Spaziergänger, "wenn die so viel Geld ausgeben und nachher gießen die die Bäume nicht?" So wie dieser Bürger äußern sich viele, die in diesen Tagen durch den Wattenscheider Stadtgarten spazieren. Unverständnis. Ärger. Spott.
Bäume vertrocknen: Anfrage im Rat
Selbst die Stadtverordnete Kathrin Schick (SPD) fragt: "Wohin soll das führen, wenn ein Baum nach dem anderen eingeht?" Sie hat für die Ratssitzung extra eine Anfrage an die Verwaltung formuliert und erwartet nun Antworten.
Kathrin Schick ist Stadtverordnete für Bochum-Wattenscheid
Die lassen nicht lange auf sich warten. Peter van Dyk, Sprecher der Stadt Bochum, verblüfft mit seiner Aussage: "Das ist alles so gewollt!".
Beim Tiny Forest sollen nur die stärksten Bäume überleben
Von den 5.000 Setzlingen, die hier erst im März gepflanzt wurden, tragen fast alle braune Blätter. Auch für Nicht-Botaniker ein deutliches Zeichen: Die Bäume haben Probleme.
Doch das sieht die Verwaltung, vertreten durch Sprecher van Dyk, eben so: "Es ist der Sinn eines Tiny Forests, dass viele Setzlinge eingepflanzt werden und nur die stärksten am Ende überleben."
Man will den werdenden Wald also sich selbst überlassen. So dass am Ende der natürlichen Auslese dann nur die Stärksten grüne Blätter tragen.
Bäume im Tiny Forest in Wattenscheid
"Im ersten Jahr ist Wässern entscheidend!"
Widerspruch kommt von den Baumschulen Schmitz in Kaarst. Inhaber Lukas Schmitz hat die Vorgänge in Wattenscheid verfolgt. Und hält nichts vom Vorgehen der Stadt.
"Gerade Bäume aus dem Topf haben anfangs einen kleinen Wurzelballen und müssen im ersten Jahr regelmäßig gegossen werden, damit sie neue Wurzeln bilden können", sagt er. "Bis ein Baum wirklich gut angewachsen ist, dauert es etwa zwei Jahre. Im zweiten Jahr muss man meist nur noch bei Trockenheit gießen, aber im ersten Jahr ist regelmäßiges Wässern entscheidend."
Aber selbst wenn die Stadt die Bäume ab sofort nun doch gießen würde: Schmitz befürchtet, für viele der 5000 Setzlinge im Tiny Forest könnte es inzwischen zu spät sein.
"Wenn ein Baum zu trocken ist, gelbe Blätter bekommt und sie abwirft, ist das oft ein gutes Zeichen. So versucht er, Wasser zu sparen", so Schmitz. "Kritisch wird es erst, wenn die Blätter braun werden und am Baum hängen bleiben. Dann hat der Baum oft nicht einmal mehr die Kraft, sie abzuwerfen – und in den meisten Fällen ist er dann nicht mehr zu retten."
Idee kam von Wattenscheider Bürgerinnen und Bürgern
Ursprünglich war der kleine Wald eine Bürgeridee, die die Verwaltung aufgegriffen hat. Wo sich heute eine Liegewiese und der kleine Wald befinden, war früher einmal eine versiegelte Fläche mit viel Asphalt, Garagen und Gebäuden des Grünflächenamtes.
Weil das jahrelang ungenutzt rumstand, wurde die Idee des "Tiny Forests" geboren. Oder wie heute in Bochum-Wattenscheid gespottet wird: des braunen Tiny Forests.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern
- Gespräch mit Kathrin Schick, SPD
- Gespräch mit Peter van Dyk, Sprecher Stadt Bochum
- Gespräch mit Baumschulen Schmitz
Sendung: wdr.de, Experte: Stadt Bochum hätte Tiny Forest gießen müssen, 17.07.2026, 18:45 Uhr