Duisburg: Bußgeld für Catcalling in der Diskussion
Bildquelle: picture alliance/CHROMORANGE/Michael BihlmayerWDR. 01:49 Min.. Verfügbar bis 19.08.2028.
Bußgeld bei Beleidigung : Catcalling in Duisburg bald ordnungswidrig?
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Pfiffe, sexuelle Kommentare über den Körper, oder das Auto, das neben einer Fußgängerin abbremst und sie im Schritttempo "begleitet": Catcalling empfinden viele Frauen als Belästigung. Welche juristischen Chancen die Idee aus Duisburg hat.
Politikerinnen der Linkspartei fordern, dass Catcalling - also jede Form der Belästigung ohne körperliche Übergriffe - in die städtische Sicherheits- und Ordnungsverordnung aufgenommen wird.
Das wollen die Linken in Duisburg umsetzen
Bei Hinterherpfeifen, Anzüglichkeiten Zurufen oder auch "Kussschmatzer" Zuwerfen könnten Bußgelder fällig werden. Außerdem sind weitere Maßnahmen geplant: Mitarbeitende des Ordnungsamtes sollen im Umgang mit sexualisierter Belästigung geschult werden und Betroffene sollen Fälle digital meden können.
"Es geht uns nicht prinzipiell darum, Flirten oder Männer zu sanktionieren." Pia Waschko, Fraktion "die Linke" in Duisburg
Die Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses, Pia Waschko (die Linke), ist guter Dinge, dass der Stadtrat nach der Sommerpause dem Antrag zustimmt. Auch wenn auf Dauer eine bundesweite Regelung nötig wäre. "Betroffene haben ja gar keine Möglichkeit sich zu schützen. Wir warten auf eine Entscheidung der Bundesregierung", sagte sie dem WDR.
Breiter Rückhalt in der Politik
Die Linksfraktion steht mit dem Thema nicht allein da. Auch SPD, CDU und Grüne haben sich dem Prüfantrag im Gleichstellungsausschuss angeschlossen. Mögliche rechtssichere Maßnahmen gegen "Catcalling" auf kommunaler Ebene sollen demnach geprüft werden.
Was ist Catcalling überhaupt?
Unter dem englischsprachigen Begriff "Catcalling" werden alle Formen der verbalen Belästigung im öffentlichen Raum zusammengefasst. Anzügliche Rufe, sexistische Kommentare, das Hupen mit dem Auto und auch Nachpfeifen und Kussgeräusche gehören dazu - etwa als würde man eine Katze anlocken wollen, deswegen auch der Begriff "Catcalling".
Betroffen sind meistens Frauen oder junge Mädchen, die sich von Männern so stark belästigt fühlen, dass sie zum Beispiel nicht mehr alleine rausgehen wollen. Manchmal laufen Männer ihnen auch nach, oder Autos werden langsamer und fahren im Schritttempo neben einer Fußgängerin her.
Wie finden junge Menschen in Duisburg den Vorschlag?
Katrin Kruse ist Studentin und hat "Catcalling" bereits früh erlebt. Mit etwa 13 Jahren beginne es für viele Teenager. Sie selbst habe es sowohl an der Uni erlebt, als auch in ihrem Nebenjob in einer Kneipe.
"Man fühlt sich ein bisschen machtlos. Gerade wenn man als Minderjährige einem 40-jährigen Mann quasi ausgeliefert ist, ist das das schon sehr unangenehm." Katrin Kruse, Studentin
Manchmal seien es Worte wie "Puppe, Mäuschen oder Schätzelein", die unangenehm seien. In anderen Fällen suchten Männer besondere Nähe, zum Beispiel in einem vollen Bus.
Katrin Kruse hofft, dass von der Debatte in Duisburg ein "öffentliches Signal" ausgehe. Sie glaubt aber nicht, dass sich ein Bußgeld durchsetzen lasse. Oft stünde "Aussage gegen Ausssage."
Jurist erklärt: Wie realistisch ist es, dass Catcalling strafbar wird?
Ähnlich sieht es der Rechtsanwalt Arndt Kempgens. Er spricht im aktuellen Fall von einem "Papiertiger, der gar nicht umsetzbar wäre". Es sei aber ganz wichtig, darüber zu sprechen.
"Catcalling ist ein absolutes Unding und keine Frau will das." Arndt Kempgens, Rechtsanwalt
Erst wenn eine Berührung stattfindet, ist sexuelle Belästigung strafbar. Die rein verbalen Zurufe könnten aber als strafbare Beleidung gewertet werden, wenn die Äußerungen missgünstig und herabwürdigend seien. Kempgens spricht von einer gesetzlichen Grauzone.
Der Gesetzgeber müsse entscheiden, ob sich dies ändern soll. "Das würde zu wahnsinnig vielen Prozessen bei Gericht führen", so Kempgens.
Wie gehen andere Städte/Länder damit um?
Andere EU-Länder haben in Bezug auf Catcalling ihre Gesetzgebung bereits verschärft. In Polen und Spanien ist es sogar eine Straftat. In Nordrhein-Westfalen ist Köln Vorreiter bei dem Thema. Hier prüft die Stadt bereits, ob und wie Bußgelder erhoben werden können.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit der Partei "Die Linke" in Duisburg
- Statement von Rechtsanwalt Arndt Kempgens
- Gespräch mit Studentin Katrin Kruse
- vorherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Duisburg: Bußgeld für Catcalling in der Diskussion, 19.08.2026, 18:42 Uhr