Dinslakener Rettungskräfte lernen respektvollen Umgang mit Patienten
Bildquelle: WDR/Kai TossWDR. 03:18 Min.. Verfügbar bis 19.08.2028.
Ausbildung im Rettungsdienst : Feuerwehr Dinslaken gewährt Einblicke
Stand:
Nachdem der WDR über mutmaßliche Missstände bei einem privaten Rettungsdienst in Duisburg berichtet hatte, gewährt die Feuerwehr Dinslaken Einblick in den Arbeitsalltag ihrer Rettungs- und Notfallsanitäter. Welche Rolle spielen ethische Fragen in der Ausbildung und im Berufsalltag?
Der Patient ist in großer Not und hat Angst, Verdacht auf Herzinfarkt. Der Rettungssanitäter Matthias (32) und seine Kollegin Jana (24), die zur Notfallsanitäterin ausgebildet wird, sind mit Blaulicht und Martinshorn zum Patienten in eine Hausarztpraxis in Dinslaken gefahren. Der Notarzt ist schon vor Ort, das Team macht ein EKG. Zuvor wurde der Patient am Oberkörper entkleidet.
Notfallsanitäterin Jana an ihrem Arbeitsplatz
Bildquelle: WDR/Kai Toss"Die Würde des Menschen zu wahren, ist für uns ein großes Thema", sagt die Auszubildende Jana später. Wichtig sei es bei dem körperbetonten Job, dem Patienten zu sagen, was man macht und ihn um seine Einwilligung zu bitten. "Ich achte auch sehr darauf, den Patienten nicht unnötig zu entkleiden - oder ihn so rasch wie möglich wieder zuzudecken, um ihn so vor den Blicken anderer zu schützen." Genau das hat sie auch während des Einsatzes zuvor gemacht.
Rettungsdienst-Mitarbeiter erleben Stress und Aggressionen im Einsatz
Regelmäßig erleben die Retter, dass sie selber das Ziel von Aggressionen werden. Eine Notfallsanitäterin in Dinslaken wurde vor kurzem schwer an der Hand verletzt. Der Täter, ein Patient, war betrunken. Er gilt als schuldunfähig. Rettungssanitäter Matthias kennt den Fall: "So etwas habe ich noch nicht erlebt", berichtet er. Sehr wohl aber erlebt er immer wieder Beleidigungen, die zum Beispiel von Betrunkenen ausgehen oder von Menschen, die Drogen nehmen. Das sei schon frustrierend, "aber wir sind geschult, damit professionell umzugehen."
Rettungswagen in Dinslaken
Bildquelle: WDR/Kai TossIn der Nachbarstadt Dinslaken werden die Retter nach eigenen Angaben 14.000 Mal pro Jahr alarmiert. Dabei komme es zu zehn bis 15 Beschwerden: Diese Beschwerden würden durch die Führungskräfte mit den betroffenen Einsatzkräften aufgearbeitet. Meist handele es sich um Missverständnisse oder missverständliche aufgefasste Kommunikation zwischen Einsatzkraft und Patient, heißt es in einer schriftlichen Erklärung gegenüber dem WDR.
"Unsere Führungskräfte werden regelmäßig auch als Fahrer auf dem Rettungswagen eingesetzt. Die würden mögliche Fehlentwicklungen im Team frühzeitig mitbekommen." David Marten, Leiter Feuerwehr Dinslaken
Vorfälle wie in Duisburg habe es in Dinslaken noch nie gegeben, ergänzt der Feuerwehrchef.
Ausbildung der Rettungssanitäter in 520 Stunden
Zur Besatzung eines Rettungswagens gehören in Dinslaken ein Notfall- und ein Rettungssanitäter. Während die Notfallsanitäter in drei Jahren ausgebildet werden, dauert der Lehrgang zum Rettungssanitäter 520 Stunden, also rund drei Monate. Auch in dieser kurzen Zeit lernen die Teilnehmer unter anderem:
- Kommunikationsstrategien mit Patientinnen und Patienten
- wie sie die Bedürfnisse der ihnen anvertrauten Patienten ermitteln und berücksichtigen
- die Rechtslage zum Thema Datenschutz und Persönlichkeitsrechte durch Bildaufnahmen
- den Umgang mit verwirrten und psychisch kranken Patienten
- ihr Verhalten nach Einsätzen zu hinterfragen
Wichtig: Aufarbeitung und Austausch nach Einsätzen im Team
Matthias und seine Kollegin Jana müssen pro Arbeitstag rund sieben bis acht Einsätze abarbeiten. Heute haben sie einen Mann mit Verdacht auf Herzinfarkt betreut, eine Seniorin, die über Luftnot klagt und einen Mann mit psychischen Problemen. Im Pausenraum erklärt Rettungssanitäter Matthias: "Die Nachbesprechungen bei Einsätzen helfen bei der persönlichen Verarbeitung und es geht darum, beim nächsten Einsatz noch besser zu werden."
Matthias ist seit fünf Jahren Rettungssanitäter
Bildquelle: WDR/Kai TossWie wichtig ein ethisches Grundgerüst bei der Arbeit ist, bekommen die Retter auch ganz praktisch in der Ausbildung vermittelt: So haben vier Auszubildende zum Notfallsanitäter sich mit den Thema Sucht und Drogen beschäftigt und dazu ein eigenes Video erstellt. Ein Auszubildender berichtet: "Gerade Menschen mit einer Suchterkrankung brauchen einen professionellen und vorurteilsfreien Umgang." Auch wenn man aus dieser Gruppe heraus angegangen oder beleidigt wird.
Unsere Quellen:
- Gespräche mit dem Rettungssanitäter, Matthias
- Gespräche mit der Notfallsanitäterin in Ausbildung, Jana
- Gespräch mit dem Leiter der Feuerwehr Dinslaken, David Marten
- Schriftliche Mitteilung der Feuerwehr Dinslaken
- Rahmenlehrplan Rettungssanitäterausbildung NRW
- Eindrücke des Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Dinslakener Rettungskräfte lernen respektvollen Umgang mit Patienten, 19.08.2026, 14:10 Uhr