Wachsender Widerstand gegen CO2-Pipeline
Bildquelle: WDR/Michael JungWDR. 3 Min. 18 Sek.. Verfügbar bis 04.09.2028. Von Michael Jung und Tea Lerch.
"Duisburg ist eine waldarme Stadt. Wir dürfen ihn sowohl den Tieren nicht wegnehmen als auch den Menschen - und auch Kindern und Jugendlichen als Lernort nicht verwehren", sagt Anna Hery, Leiterin der Waldjugend Duisburg. Eigentlich bringt sie Kindern die Natur nahe. Doch jetzt hat sie eine Online-Petition gestartet: "Keine Pipeline durch unseren Wald!" Mehrere tausend Menschen haben schon unterschrieben.
Parteiübergreifende Resolution
Die Trasse durch den Duisburg-Mülheimer Stadtwald ist eine von mehreren Varianten, mit denen Open Grid Europe (OGE) plant. Nach Angaben der Stadt müssten dafür 17 Hektar Wald gerodet werden - darunter bis zu 200 Jahre alte Eichen.
Der Duisburger Stadtförster Stefan Jeschke bezeichnete das schon vor zwei Monaten als einen "Eingriff in den Wald, wie wir ihn bisher noch nicht gesehen haben." Im zuständigen Bezirksparlament Duisburg-Süd haben SPD und CDU, Junges Duisburg, Linke und Grüne parteiübergreifend eine Resolution gegen die Leitung im Wald verabschiedet.
Besorgte Anrufe von Bürgern
Die Pipeline könnte auch durch das Neubauviertel "6 Seen Wedau" laufen.
Bildquelle: WDR/Michael JungStattdessen könnte die Pipeline auch durch das benachbarte Neubauviertel "6 Seen Wedau" laufen. Hier entsteht gerade ein neuer Stadtteil. Doch auch das ist umstritten. Bezirksbürgermeisterin Beate Lieske (SPD) berichtet von besorgten und wütenden Anrufen der Bürger. Lieske schlägt sich auf ihre Seite.
"Wer möchte da mieten oder bauen oder kaufen, wenn klar ist, da kommt eine CO2-Pipeline hin? Es gibt kein gutes Gefühl. Man sollte so ein tolles Neubaugebiet nicht mit so einer Leitung verschandeln." Bezirksbürgermeisterin Beate Lieske (SPD)
Pipeline als Klimaschutz-Projekt?
Open Grid Europe (OGE) wirbt für die Pipeline als Klimaschutz-Projekt. Denn es geht darum, in der Industrie entstehendes CO2 aufzufangen und in ehemaligen Gasfeldern - zum Beispiel unter der Nordsee - zu verpressen.
Sprecherin Isabelle Wippich hat als Kunden der Pipeline solche Firmen im Auge, die auch in Zukunft nicht CO2-neutral arbeiten könnten: "Dazu zählen zum Beispiel die Kalkindustrie, die Chemiebranche, die Abfallverbrennung, Zementindustrie, Glas, Papier - und für diese Industrien wollen wir eine Lösung schaffen, damit auch die klimaneutral werden können."
Kritik beim Bürgerdialog
Bereits Ende August hatte OGE Bürgerinnen und Bürger zu einem "Dialog" eingeladen. Bei der Veranstaltung im Duisburger Steinhof wurden die Pipeline-Planer vor allem mit kritischen Stimmen konfrontiert. Etwa von Marion Wedich: "Bitte den Wald stehen lassen. Die Folgekosten müssen ja auch getragen werden - zum Beispiel durch Erkrankungen durch die schlechtere Luft."
Jürgen Peter, Vorsitzender des örtlichen Bürgervereins Wedau-Bissingheim, appelliert an die Duisburger Stadtverwaltung, sich gegen die Wald-Trasse zu stellen.
"Der Stadtwald gehört der Stadt, daher hat sie eine starke Position. Da erwarte ich auch, dass sie die wahrnimmt." Jürgen Peter, Vorsitzender des Bürgervereins Wedau-Bissingheim
Uli Elders, zweiter Vorsitzender des Naturschutzbund (NABU) Kreisverbandes Duisburg, stellt die Pipeline ganz in Frage: Sie sei ein falsches Signal an Unternehmen. Denn die könnten so weiter CO2 produzieren.
Hafengesellschaft Duisport ist für die Pipeline
Es gibt aber auch Befürworter der Pipeline. Dazu zählt die Duisburger Hafengesellschaft Duisport. Auf WDR-Anfrage schreibt die Pressestelle: "Grundsätzlich ist die Anbindung des Hafens an eine CO2-Infrastruktur aus logistischer Sicht absolut erforderlich. Sie kann energieintensiven Industrien eine zusätzliche Option für den Transport und die Verwertung bzw. Speicherung von CO2 eröffnen."
Am Ende entscheiden die Bezirksregierungen Düsseldorf und Köln und der Regionalverband Ruhr, ob und welche Trasse genehmigungsfähig ist.
Waldjugend-Leiterin Anna Hery hofft, dass bis dahin auch Landesregierung und NRW-Parlament kritisch auf die Pipeline schauen: "Wir sind Mitte September im Landtag und möchten da die Petition zusammen mit den Kindern überreichen."
Unsere Quellen:
- Open Grid Europe
- Stadt Duisburg
- Waldjugend Duisburg
- Bezirksvertretung Duisburg-Süd
- Bezirksbürgermeisterin Duisburg-Süd
- Hafengesellschaft Duisport
Sendung: WDR.de, Wachsender Widerstand gegen CO2-Pipeline, 04.09.2026, 6:04 Uhr
