Duisburg will Beherbergungssteuer einführen

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WDR 02:42 Min. Verfügbar bis 03.08.2028

Stadt Duisburg kassiert Drei-Euro-Bettensteuer trifft bald Hotelgäste

Stand:

In Duisburg sollen Hotelgäste ab 2027 drei Euro Bettensteuer pro Nacht zahlen – zur Sanierung des städtischen Haushalts. Hoteliers klagen über mehr Bürokratie ohne eigenen Nutzen und warnen, dass Gäste auf andere Städte ausweichen könnten. Die Branche fordert: Wenn schon Steuer, dann Investitionen in ein besseres Duisburg-Image. Wie die Branche reagiert.

Von Leonie Miß

Vor vier Jahren hat Willem Hamer das Hotel auf der linken Rheinseite übernommen. Er schwärmt von der Ruhr, die hier in den Rhein mündet, von der Arbeit mit seinen Gästen und den Mitarbeitern. Sein Hotel Rheingarten in Homberg, direkt am Rhein, macht ihn stolz. Wenig könnte diese Glückseligkeit ins Wanken bringen - wäre da nicht die Beherbergungssteuer.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bettensteuern gibt es etwa in Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Essen oder Köln
  • 2010 hat Duisburg bereits eine Bettensteuer als Aufwandsentschädigung von fünf Prozent des Übernachtungspreises erhoben
  • Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte die Bettensteuer für unrechtmäßig erklärt

Die Stadt Duisburg hat entschieden. Ab dem 1.1.2027 sollen Übernachtungsgäste drei Euro zahlen, pro Übernachtung. Ein kleiner Teil im Rahmen des Haushaltssanierungskonzeptes. Die Bettensteuer soll das breit klaffende Loch im Haushalt stopfen.

Drei Euro je Übernachtung ab 2027

Willem Hamer, Hoteldirektor vom Hotel Rheingarten in Homberg, trägt einen grauen Anzug und eine dunkelblaue Krawatte.

Willem Hamer, Hoteldirektor vom Hotel Rheingarten in Homberg, wünscht sich, dass das Geld in die Tourismusbranche investiert wird.

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Nur macht das die Hoteliers unzufrieden. Schließlich liegt der Bearbeitungsaufwand bei ihnen, von dem zusätzlichen Geld bleibt bei ihnen nichts hängen. Umstellungen wird es an der Rezeption geben, sagt Hamer, administrativ, aber auch im Kontakt mit den Gästen: "Ich denke, dass wir natürlich mit vielen Gästen zu tun haben werden, die sich wundern werden, warum sie 100 Euro im Internet zahlen und dann noch drei dazu kommen."

Ihm gehe es nicht so sehr um die drei Euro pro Nacht, sagt der 48-Jährige. Allerdings steige der Preis auch mit der Anzahl der Übernachtungen. "Jemand, der immer wieder kommt, zahlt das dann auch immer wieder. Ich denke, die Leute wollen auch ein bisschen Ware für ihr Geld haben", so Hamer.

Das ist kein extra Umsatz für uns. Wir als Hotel haben nichts davon. Wir nehmen das Geld ein und bezahlen es weiter ans Steueramt. Willem Hamer, Hoteldirektor Hotel Rheingarten

Steuer soll Haushaltsloch stopfen

Bruno Sagurna, Fraktionsvorsitzender der SPD Duisburg, trägt ein weißes Hemd, darüber ein schwarzes Sakko.

Bruno Sagurna von der SPD hält an der Beherbergungssteuer fest.

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In Duisburg übernachten jährlich etwa 600.000 Menschen. Von einer Beherbergungssteuer verspricht sich die Stadt Einnahmen von circa 1,8 Millionen Euro. "Wir sind praktisch alternativlos", sagt Bruno Sagurna von der SPD. Die neue Steuer sei Teil des Haushaltssanierungskonzeptes, das bis Herbst stehen müsse. Die Beherbergungssteuer sei eine zusätzliche Einnahmequelle für einen ausgeglichenen Haushalt.

Bei der Erhebung spiele es laut Stadt keine Rolle, ob der Aufenthalt aus privaten, touristischen oder beruflichen Gründen stattfindet. Erfasst werden sollen unter anderem Übernachtungen in Hotels, Hostels, Gasthöfen, Pensionen, Privatzimmern und Privatwohnungen, Jugendherbergen, Ferienwohnungen, Motels, Campingplätzen, Schiffen und vergleichbaren Einrichtungen, hieß es in einer Mitteilung. Ausgenommen von der Zahlung sind nach einem Antrag von SPD, CDU und Junges Duisburg Minderjährige und Klassenfahrten.

Dehoga: "Fehler mit langfristigen Folgen"

Die Dehoga Nordrhein reagierte empört auf das Vorhaben der Stadt. Mit einem Schreiben an die Fraktionen spricht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband von einem "Fehler mit langfristigen Folgen für den Wirtschafts- und Tourismusstandort".

Thomas Kolaric, Geschäftsführer von der Dehoga Nordrhein, trägt eine Sonnenbrille und ein dunkles Sakko

Thomas Kolaric von der Dehoga ist gegen die Einführung der Beherbergungssteuer.

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Duisburg sei ein Standort, an dem Gäste mit einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis rechnen können. Gerade bei Messen in Düsseldorf seien viele Geschäftsleute in Duisburg untergekommen. Mit der Einführung der Bettensteuer befürchtet die Dehoga einen Rückgang der Übernachtungszahlen. "Wir glauben nicht, dass es im Ergebnis einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung des Stadtdeckels beiträgt", sagt Thomas Kolaric, Geschäftsführer der Dehoga Nordrhein.

Die Beherbergungssteuer würde die Pläne der Stadt, dass mehr Gäste mehr Geld in die Stadt bringen, durchkreuzen. "Das Risiko, dass Gäste andere Destinationen aufsuchen, ist relativ hoch", so Kolaric.

Einnahmen der Beherbergungssteuer sollen in Tourismus gesteckt werden

Ob seine Gäste nun nach Moers oder Oberhausen ausweichen, weil es dort keine Bettensteuer gibt, kann Willem Hamer nicht sagen. Viele seiner Gäste seien Geschäftsleute. Dass eine Firma den Aufpreis irgendwann nicht mehr bezahlen möchte, kann er sich allerdings schon vorstellen. Mittlerweile kämen mit dem Rhein-Radweg auch Fahrradtouristen hinzu. 53 Zimmer gilt es zu füllen.

Mit dem zusätzlichen Geld, das die Stadt mit der Steuer einnehmen will, würde sich Hamer Investitionen für seine Branche wünschen. Er sagt: "Es gibt immer Punkte, die man verbessern kann. Wir müssen Duisburg auch ein positiveres Image geben."

Unsere Quellen:

  • Mitteilung der Stadt Duisburg
  • Gespräch mit Willem Hamer, Hoteldirektor Hotel Rheingarten in Homberg
  • Stellungnahme der Dehoga Nordrhein
  • Gespräch mit Dehoga-Vorsitzendem Thomas Kolaric
  • Gespräch mit SPD Fraktionsvorsitzendem Bruno Sagurna

Sendung: WDR.de, Duisburg will Beherbergungssteuer einführen, 3.8.2027, 5:05 Uhr

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