Auch Duisburg muss sparen.
Bildquelle: WDR/Jessika WestenWie viele Städte im Land steht auch Duisburg im Minus. Die Stadt nimmt weniger Geld ein als sie ausgibt. Für das Jahr 2027 rechnet Kämmerer Martin Murrack mit einem Minus von 439 Millionen Euro, für 2028 sogar mit einem Minus von 466 Millionen Euro. Bei einem Pressegespräch stimmten Oberbürgermeister und Kämmerer die Duisburger auf "erhebliche Belastungen" ein.
Haushaltssicherung: Der Weg aus dem Minus
Oberbürgermeister und Kämmerer erläutern die Sparpläne
Bildquelle: WDR/Jessika WestenErstmals seit Jahren will die Stadt Duisburg ein Haushaltssicherungskonzept erstellen. Dieses soll die Überschuldung der Stadt verhindern. Das Konzept umfasst 270 einzelne Sparmaßnahmen. Innerhalb von zehn Jahren, also bis 2037, soll es Einsparungen von 418 Millionen Euro bringen. Ohne solche Anstrengungen drohe der Stadt im kommenden Jahr die Überschuldung.
"Das wird ein schmerzhafter Weg, den auch alle spüren werden." Sören Link (SPD), Oberbürgermeister
Das wird nicht ohne spürbare Einschnitte gehen. Der Stadtverwaltung steht ein großer Personalabbau ins Haus: 910 Stellen sollen innerhalb von zehn Jahren wegfallen. Dabei will die Stadt nach eigenen Angaben auf Kündigungen verzichten. Gehen Mitarbeitende in den Ruhestand, sollen Stellen nicht nachbesetzt werden.
Kinderbetreuung und Parken: Das soll in Duisburg teurer werden
Die Vorschläge zur Konsolidierung würden die Duisburger im Alltag treffen. Die Parkgebühren sollen auf Statteilzentren ausgeweitet und generell angehoben werden. Auch das Anwohnerparken soll teurer werden. Im offenen Ganztag sollen für die Betreuung von Grundschulkindern wieder Elternbeiträge erhoben werden. Die Höhe soll bei maximal 242 Euro liegen und sich an den bestehenden Gebühren der Kitas orientieren.
In vielen Bereichen will die Stadt außerdem den Rotstift ansetzen. Auch die städtischen Tocherunternehmen sollen sparen, heißt es von der Stadt. Der Neubau von Theater und Oper sind zunächst vom Tisch. Das Kulturevent "Duisburger Akzente" könnte laut den Sparideen ab dem Jahr 2028 gestrichen werden.
Beim Sparen helfen soll auch künstliche Intelligenz. Sie soll gezielt in der Verwaltung eingesetzt werden, die durch den Stellenabbau kleiner werden wird.
Außerdem soll eine Beherbergungssteuer für Hotels und andere Beherbergungsbetriebe eingeführt werden. Drei Euro pro Übernachtung sollen fällig werden. Ausgenommen davon wären Minderjährige und Klassenfahrten.
Grund- und Gewerbesteuer soll nicht steigen
Aufatmen können Unternehmer, Hausbesitzer und letztlich auch Mieter beim Thema Steuern. Denn sowohl die Grund- als auch die Gewerbesteuer sollen nicht weiter angehoben werden. "Duisburg muss ein attraktiver Arbeits- und Wohnort bleiben", begründete Oberbürgermeister Link diese Entscheidung.
Oberbürgermeister und Kämmerer machten Land und Bund für die finanzielle Schieflage verantwortlich. Beispielsweise sei das Kinderbildungsgesetz mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung von Kindern nicht ansatzweise durchfinanziert. "Hilfe zur Erziehung, also die Kosten für das Jugendamt, stellen uns gerade vor enorme Herausforderungen“, sagte Kämmerer Martin Murrack weiter.
Stadion, Schulen, Nahverkehr: Die geplanten Investitionen
Trotz des Spardrucks sollen die Duisburger auch Verbesserungen spüren, die der Rat zum Teil heute beschließen will.
35,7 Millionen Euro will die Stadt in die Hand nehmen, um die Arena des MSV Duisburg zu erneuern. Der größte Teil der Kosten entfällt auf die notwendige Dacherneuerung. Auch neue Drehkreuze mit integrierten Ticketscannern und mehr Barrierefreiheit sollen die "Schauinsland-Reisen-Arena" aufwerten.
Erhöht werden soll die Zahl der Betreuungsplätze im offenen Ganztag. Im laufenden Schuljahr soll die Zahl der Plätze auf 14.500 erhöht werden, in den Jahren danach noch weiter. Hintergrund ist der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für Kinder. Investitionen an Schulen sollen auch nicht gestoppt werden. Was bereits im Bau sei, solle auch kommen, so der Kämmerer.
Duisburger Straßenbahn auf dem Karl-Lehr-Brückenzug
Bildquelle: WDR / Michael JungAußerdem soll die Straßenbahn in Zukunft häufiger fahren. Der Takt der 903 soll ab dem kommenden Jahr schrittweise erhöht werden. Ab 2030 soll die Linie zu Stoßzeiten alle fünf Minuten fahren. Die 901 bekommt dann einen 7,5-Minuten-Takt.
Unsere Quellen:
- Hintergrundgespräch mit Oberbürgermeister und Kämmerer
- Ratsvorlagen der Stadt Duisburg
Sendung: WDR.de, Duisburger Rat stellt Doppelhaushalt und Sparpläne vor, 28.09.2026, 12:16 Uhr
