UN empfiehlt realistischere Weltkarte
Bildquelle: WDR/Vanessa WiebeWDR. 2 Min. 35 Sek.. Verfügbar bis 08.09.2028.
Die Weltkarte Gerhard Mercators, wie sie heute in vielen Atlanten, Schulbüchern und digitalen Diensten genutzt wird, steht international in der Kritik. Die UN-Generalversammlung hat eine Resolution beschlossen, die Staaten, Schulen und Tech-Unternehmen dazu auffordert, stärker auf flächentreue Weltkarten zu setzen. Damit wird die historische Mercator-Projektion aus Duisburg neu bewertet.
UN fordert gerechtere Weltkarten
Mit 164 zu 1 Stimmen hat die UN-Generalversammlung am Freitag (04. September 2026) eine Resolution angenommen, die klar formuliert: Weltkarten sollen künftig die Flächen der Kontinente möglichst korrekt darstellen. Nur die USA stimmten dagegen, sechs Staaten enthielten sich.
Die Equal Earth Weltkarte
Bildquelle: WDR/AFPEs gibt kein richtig oder falsch
Es gibt bei Weltkarten kein "richtig" oder "falsch" sondern unterschiedliche Ziele. Jedes Mal, wenn die dreidimensionale Erde zweidimensional dargestellt wird, müssen Kompromisse gemacht und Prioritäten gesetzt werden.
Warum die Mercator-Projektion problematisch ist
Die Mercator-Projektion aus dem 16. Jahrhundert war eine Revolution für die Seefahrt: Sie bildet die Erde so ab, dass Kompasskurse als gerade Linien eingezeichnet werden können. Für die Navigation ist das ein großer Vorteil. Der Nachteil: Die Flächen werden verzerrt. Je näher ein Land an den Polen liegt, desto größer erscheint es auf der Karte.
Afrika zu klein, Norden zu groß. Die Kritik an Mercator
Afrika wirkt dadurch deutlich kleiner als es im Verhältnis tatsächlich ist. Grönland scheint fast so groß wie Afrika, obwohl Afrika in Wirklichkeit rund 14-mal größer ist. Staaten des globalen Nordens erscheinen mächtiger, der globale Süden kleiner und damit weniger bedeutend.
Empfehlung statt Verbot: Was die UN wirklich fordert
Die UN-Resolution ist zwar nicht bindend, hat aber vor allem für Schulen, Behörden und digitale Kartendienste große Signalwirkung. Sie stärkt flächentreue Karten, die die Größen der Kontinente korrekt zeigen. Mercators Arbeit wird damit anerkannt, seine Projektion jedoch für viele Zwecke als überholt eingeordnet.
"Die Mercator-Ära ist schon lange vorbei. Es hat sich rumgesprochen, dass da völlig falsche Flächenverhältnisse dargestellt werden." Harald Krähe, Kartograph an der Uni Duisburg-Essen
Trotzdem verschwindet die Mercator-Karte nicht ganz. Fürs Navigieren in Flugzeugen oder bei Google Maps bleibt sie der Standard.
Tradition und Aktualität: Was die UN-Resolution für Duisburg bedeutet
Für Duisburg ist die aktuelle UN-Resolution mehr als eine technische Empfehlung. Mercator ist eine zentrale Figur der Stadtgeschichte, seine Arbeit prägt bis heute unser Bild von der Welt. Dass nun flächentreue Projektionen als „gerechtere“ Alternative empfohlen werden, eröffnet eine neue Perspektive auf dieses Erbe.
"Mercator würde das gut finden. Es ist nicht die einzige Art, wie er die Welt dargestellt hat. Er hat auch andere Karten gemacht. Wenn das Ziel ist, die Länder und Proportionen in Zusammenhang zu setzen, das hätte er vollkommen verstanden." Petra Gropp, Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg
Die jetzige Debatte zeigt: Karten sind nie neutral
Die Mercator-Projektion bleibt für Navigation und historische Forschung wichtig. Gleichzeitig wächst der Druck, im Bildungsbereich und auf digitalen Plattformen verstärkt Karten einzusetzen, die die tatsächlichen Größenverhältnisse der Erde korrekt wiedergeben.
Unsere Quellen:
- WDR Reporterin vor Ort
- Interview Petra Gropp, Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg
- Interview Harald Krähe, Kartograph an der Uni Duisburg-Essen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 08.09.2026, 19:30 Uhr