Walsumer Wacholder Claus im Dornröschenschlaf

WDR 03:55 Min. Verfügbar bis 28.07.2028

"Das war immer rappelvoll" Wacholderbrennerei in Duisburg zum Verkauf

Stand:

Seit Jahren ruht die Produktion. Der Eigentümer kann die Brennerei nicht mehr bewirtschaften. Nun wird Wacholder Claus verkauft.

Von
Logo des Westdeutschen Rundfunk
Christian Zimmer

Im Fenster klebt ein vergilbter Zettel: Gaststätte seit März 2020 geschlossen. Wir klingeln, doch niemand öffnet. Auch unter der Telefonnummer ist keiner zu erreichen. Eigentlich sind wir mit Theo Claus verabredet. Er betreibt die Wacholder-Brennerei Claus seit Jahrzehnten.

Wacholder Brennerei Claus steht zum Verkauf

Wacholder Brennerei Claus

Zu dem Termin heute erscheint auch Andreas Kirschkel. Der Immobilienmakler hat von Theo Claus den Auftrag erhalten, das Objekt zu verkaufen.

Besitzer ist gesundheitlich angeschlagen

Andreas Kischkel erzählt, Theo Claus sei gestern überraschend ins Krankenhaus gekommen. Er würde uns aber stattdessen alles zeigen und erklären. Wir betreten die Gaststätte.

Theke in Wacholderbrennerei, Flaschen und Gläser füllen das alte, weiße Regal

Theke in Wacholderbrennerei Claus

Im Wirtsraum ist die Zeit stehen geblieben. Auf dem Boden stehen ein paar Flaschen Claus Wacholder-Schnaps. Wechselgeld liegt auf dem staubigen Tresen. Auf den Tischen ein paar umgedrehte Stühle. Der Kalender wurde seit März 2020 nicht mehr abgerissen.

"Ich bin hier in der Gegend aufgewachsen und mit meinem Opa regelmäßig hier gewesen. Die Wacholderbrennerei Claus gehörte für die Menschen in Walsum einfach dazu." Andreas Kirschkel, Immobilienmakler

Der Niedergang begann schon lange zuvor. Die Menschen gingen irgendwann nicht mehr so häufig aus. Die Auswirkungen des allgemeinen Kneipensterbens trafen auch die Walsumer Kult-Gaststätte. Mit Corona nahmen die finanziellen Probleme ihren Lauf. Theo Claus hatte schon lange nicht mehr viel investiert. Nun ging gar nichts mehr.

Viele Erinnerungen an eine erfolgreiche Zeit

Es klopft an der Tür. Hermann Hermsen betritt die Gaststätte. Hermsen erzählt, er sei mit Theo aufgewachsen. Sie seien immer schon befreundet. Er muss schlucken, "ich bin sehr traurig darüber, was mit Theo passiert ist. Ich habe so tolle Erinnerungen. Wir haben uns hier jeden Abend getroffen. Das war hier immer rappelvoll".

"Das war unser Wohnzimmer und das von allen hier im Ort." Hermann Hermsen

Auf der Fassade steht 1715 - das Baujahr der Brennerei. Das Mauerwerk ist brüchig. Efeu wächst empor. Der Schornstein wirkt wie ein Mahnmal. Doch nun, nach mehr als 300 Jahren, geht es zu Ende.

Makler Andreas Kirschkel zeigt uns das Herzstück des Gebäudes. Kessel, Leitungen, meterlange Keilriemen aus Leder. Hier spielte jahrhundertelang die Magie. Hier wurde der legendäre Wacholder gebrannt. Doch nun sind die Wände der Brennerei voller Spinnenweben. Es schimmelt und riecht muffig.

Andreas Kirschkel, Immobilienmakler, steht in der alten Wacholderbrennerei

Immobilienmakler Andreas Kirschkel in der Wacholderbrennerei

"Unser Wunsch wäre ein Käufer, der das Ganze wieder zum Leben erweckt. Jemand mit Gastroerfahrung", sagt Andreas Kirschkel. Er fühlt sich Theo Claus verpflichtet. Das Haus habe Potential. Der Kaufpreis liegt bei 150.000 Euro. Es müsse aber noch ein Vielfaches investiert werden, bis das Gebäude wieder nutzbar wird.

Niedergang überall sichtbar

In der ersten Etage wird das Ausmaß sichtbar. Es sind die Wohnräume der Familie, die hier mit bis zu 14 Personen lebte. Die Tapeten lösen sich von den Wänden. Die Gardinen hängen in Fetzen. Theo Claus lebt hier bis heute, aber schon seit Jahren allein.

Es ist eine tragische Familiengeschichte. Wenn sich aber ein Investor findet, könnte die alte Wacholderbrennerei in Walsum aber wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Theo Claus und den Menschen in der Umgebung wäre es zu wünschen.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
  • Gespräch mit Immobilienmakler Andreas Kirschkel
  • Gespräch mit Anwohner Hermann Hermsen

Sendung: WDR.de, Walsumer Wacholder Claus im Dornröschenschlaf, 28.07.2026, 05:08 Uhr

Weitere Beiträge aus Duisburg

1 / 2