DVV-Affäre: Hat die Stadt Duisburg ihre Beteiligungen nicht im Griff?
Bildquelle: WDRLokalzeit aus Duisburg . 13.02.2026. 3 Min. 14 Sek.. Verfügbar bis 13.02.2028. WDR. Von Tim Köksalan.
Es war ein Paukenschlag zu Jahresbeginn. Die beiden Geschäftsführer der Duisburger Verkehrs- und Versorgungsgesellschaft (DVV) Marcus Wittig und Axel Prasch wurden fristlos entlassen. Es geht um Kungeleivorwürfe, den Verdacht der Untreue und den Versuch, Beweise zu vertuschen.
Tradition in Duisburg?
Prasch weist letzteren Vorwurf zurück, zu den weiteren Anschuldigungen äußern sich beide bislang nicht. Aufgedeckt wurde der Fall nicht durch interne Kontrollmechanismen, sondern durch anonyme Hinweise an die Stadt Duisburg. Das weckt erneut Zweifel an der Kontrolle städtischer Unternehmen.
Kungeleivorwürfe oder auch mutmaßliche Misswirtschaft haben in Duisburg fast schon Tradition. 2014 bei der Sparkasse, 2018 bei der Werkstatt für Menschen mit Behinderung, 2024 bei der Feuerwehr, im vergangenen Jahr die Rettung der Gebag mit 165 Millionen Euro Steuergeld - und jetzt eben die Vorwürfe gegen die DVV-Chefs.
"Aus Fehlern nicht gelernt"
Jens Amman vom Bund der Steuerzahler
Bildquelle: wdr.deKommunalexperte Jens Amman vom Bund der Steuerzahler ist nicht überrascht: "Es macht den Eindruck, dass die Stadt aus ihren Fehlern nicht gelernt hat." Ammann kritisiert vor allem die vielen und undursichtigen Beteiligungen der Stadt.
Die Stadt Duisburg hat mehr als 100 Beteiligungen, teilweise sind die Tochtergesellschaften noch weiter verflochten. So hat alleine die DVV noch 30 Tochtergesellschaften. In den Aufsichtsräten der städtischen Unternehmen sitzen überwiegend ehrenamtliche Lokalpolitiker - häufig ohne spezielle betriebswirtschaftliche Ausbildung. Die seien mit der eigentlichen Kontrollaufgabe meist überfordert, sagt Jens Ammann.
Ehrenamtliche Aufsichtsräte vor komplexer Struktur
"Was uns nicht vorgelegt wird, können wir nicht kontrollieren." Anna von Spiczak, Aufsichtsratsmitglied DVV
Aufsichtsratsmitglieder erhalten ein Handbuch sowie freiwillige Schulungen. Ob diese tatsächlich absolviert werden, wird nach Angaben von DVV und Stadt nicht überprüft. Anna von Spiczak von den Duisburger Grünen sitzt erst seit kurzem im Aufsichtsrat der DVV. Sie glaubt, dass das Gremium kaum eine Möglichkeit hatte, die mutmaßlichen Vorgänge bei der DVV zu erfassen.
Anna von Spiczak sitzt seit kurzem im Aufsichtsrat der DVV
Bildquelle: wdr.de"Wir bekommen Vorgänge, Vorlagen vorgelegt und können da Fragen zu stellen. Aber was uns nicht vorgelegt wird, weil da möglicherweise kriminelle Energie im Spiel ist, das können wir auch nicht kontrollieren. Das muss etwas gewesen sein, wo nur ein kleiner Kreis von gewusst haben kann", sagt Spiczak.
Warum vergingen fast sechs Wochen?
Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD)
Bildquelle: Nico Herbertz / imago imagesOberbürgermeister Sören Link (SPD) ist Vorsitzender des DVV-Aufsichtsrates. Er will sich aktuell nicht äußern, ebenso wenig wie Kämmerer und Dezernent für Beteiligungen, Martin Murrack.
Dabei wirft auch das Vorgehen der Stadt Fragen auf, denn zwischen den anonymen Hinweisen und der Beurlaubung der Geschäftsführer vergingen fast sechs Wochen. Die Stadt verweist auf die komplexe Gesellschafterstruktur und erklärt uns schriftlich, was in der Zwischenzeit geschah:
"Der Abstimmung aller internen Beteiligten (Rechtsamt, Compliance-Stelle, Rechnungsprüfungsamt) folgte die Einbindung der DVV-Konzernrevision zur weiteren Sachverhaltsaufklärung und schließlich die Beauftragung einer externen Anwaltskanzlei für Wirtschaftsstrafrecht."
Vertrauen der Bürger in den Staat kann geschädigt werden
Die Gefahr der Verdunklung sah man offensichtlich nicht, denn erst nach diesen Vorgängen wurden die Geschäftsführer abberufen und der Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben. Doch damit sei die Stadt noch nicht aus der Verantwortung, sagt Politikwissenschaftler und Verwaltungsexperte Laurin Friedrich.
Das Rathaus in Duisburg
Bildquelle: WDRDenn gerade Kungeleiaffären auf kommunaler Ebene können das Vertrauen der Bürger in den Staat schädigen. Er rät dazu, das Netz der städtischen Beteiligungen zu verkleinern oder zumindest übersichtlicher zu gestalten.
Stadt prüft Konsequenzen
Welche konkreten Folgen die Affäre haben wird, lässt die Stadt noch offen. Sie kündigt jedoch an, dass man aus aktuellem Anlass prüfen wolle, ob die Regelungen für zustimmungspflichtige Personalentscheidungen weiterentwickelt werden können. Außerdem sollen Gesellschafterstrukturen vereinfacht werden.
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Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 13.02.2026, 13.31 Uhr