Reitverein sucht Nachfolgerin für "Rosi"

WDR 02:31 Min. Verfügbar bis 26.06.2028

Reitverein kämpft um Zukunft Kein Reitunterricht ohne Schulpferd

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Das Schulpferd "Rosi“ kam tragisch ums Leben. Für den Reitverein ETuS Gelsenkirchen hat nun ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen.

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Rainer Kuka

"Wir brauchen zwei, drei Jahre um, ein neues Schulpferd auszubilden," sagt Monika Patryas, Geschäftsführerin des Reitvereins ETuS Gelsenkirchen, "doch die Zeit haben wir nicht." Der Club im Stadtteil Ückendorf bietet für Kinder aus finanzschwachen Familien Reitstunden an.

Monika Patryas, Geschäftsführerin des Reitvereins

Monika Patryas, Geschäftsführerin des Reitvereins

"Rosi" ist im Reitverein eine Institution. Die 20-jährige Stute hat Generationen von Reitschülern die Angst vor den großen Tieren genommen. "Sie war sehr einfühlsam, hat die Scheu der Kinder gespürt und aufgefangen", so ihre Pflegerin, die 17-jährige Elina. Sie selbst hat das Reiten auf der Stute gelernt.

Schulpferd stirbt bei tragischem Unfall

Doch "Rosi" gibt es nicht mehr. Vor ihrer Box steht ein Foto des Pferdes, Blumen schmücken die Mauer und eine letzte Möhre liegt auch da. Die Ursache für ihren Tod: ein mehr als tragischer Unfall, den Patryas in 30 Jahren so noch nicht erlebt hat.

"Die Stuten standen auf der Koppel. Eine von ihnen hatte Stress mit einem Wallach. Und "Rosi" kam irgendwie zwischen die Fronten." Monika Patryas

Der Tritt des Wallachs brach ihr das Bein. Ein Beinbruch ist bei Pferden in der Regel tödlich. "Ich habe gesehen, wie "Rosi" gekämpft hat", berichtet Elina, immer noch um Fassung bemüht. "Ich war wie ferngesteuert, habe alles um mich herum ausgeblendet, weil ich "Rosi" irgendwie helfen wollte."

Reitstunden in Gelsenkirchen für wenig Geld

Der Reitverein ETuS Gelsenkirchen hat rund 150 Mitglieder. Wer hier Reitstunden haben möchte, zahlt zwischen 35 und 55 Euro im Monat. Das ist deutlich günstiger als in anderen Clubs. Reiten soll hier keine Frage des Geldbeutels sein.

Reitverein ETuS Gelsenkirchen von oben

Das Gelände des Reitvereins ETuS Gelsenkirchen

Gelsenkirchener Reitverein hat das Kämpfen ums Überleben gelernt

Diese Haltung ist sowas wie der Kitt für die Mitglieder und hat sie schon durch einige Krisen geführt. 2010 - im Jahrhundertwinter, als das Ruhrgebiet über Wochen im Schnee versank - brach die Reithalle zwischen Weihnachten und Neujahr unter der Last der weißen Masse zusammen.

Rund 100.000 Euro sollte eine neue Halle kosten. Zu viel für den kleinen Verein. Die Stadt half mit einer größeren Summe, es wurde gesammelt und Veranstaltungen gestemmt - alles mit dem Ziel, wieder eine Reithalle zu bekommen. Die Finanzierung stand und einige Monate später konnte mit dem Bau begonnen werden.

Reiter sollten Hallen für Lebensmittelproduktion weichen

Die nächste Krise dann rund zehn Jahre später: Der Verein liegt in einer Ecke auf dem Gelände der Deutschen Bahn - daher kommt auch der Name ETuS: Eisenbahner Turn- und Sportverein. 2020 wollte die Bahn ihr Grundstück an einen Investor verkaufen. Der wollte dort Hallen errichten und Lebensmittel verarbeiten.

Die Politik war einverstanden. Doch der Reitverein trieb eine Anwohnerin auf, die gegen das Projekt klagte - und gewann. Das Resultat: keine Hallen, dafür weiter der Reitverein.

Reitveranstaltung in Gelsenkirchen soll Geld für Schulpferd bringen

Nun also die nächste Herausforderung: eine Nachfolgerin für "Rosi". "Ein gut ausgebildetes Schulpferd kostet", so rechnet Geschäftsführerin Patryas vor, "zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Wir können etwa 6.000 bis 8.000 Euro ausgeben."

Zwei Mädchen streicheln ein Pferd

Reitverein in Gelsenkirchen sucht Nachfolgerin für "Rosi“

Gesucht wird also ein geduldiges Pferd mit einem Sinn für aufgeregte kleine Reiterinnen und Reiter. Natürlich hofft der Verein wieder auf Spenden, aber er tut auch selbst etwas. Am 5. Juli zum Beispiel bietet der Verein ein Ponyreiten an. Die Erlöse fließen in das Budget für ein neues Schulpferd.

Unsere Quellen:

  • Frühere WDR-Berichterstattung
  • Gespräch mit Geschäftsführerin Monika Patryas
  • Gespräch mit Pflegerin Elina
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Reitverein sucht Nachfolgerin für "Rosi", 28.06.2026, 05:01 Uhr

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