Nach einem Lkw-Unfall an einer Brücke in Essen-Frillendorf musste die Bahnstrecke zwischen dem Essener und dem Gelsenkirchener Hauptbahnhof am Freitagabend gesperrt werden. Seit Samstag ist die Brücke teilweise wieder befahrbar. Zumindest für die Züge der S2. Der RE2 wird umgeleitet, der RE42 fällt teilweise aus.
Brücke in Essen befahrbar: Tempo 10 und Umleitungen
Ganz konkret heißt das: Die Züge des RE2 werden umgeleitet, sie halten nicht in Essen und Mülheim. Hier empfiehlt die Bahn als Alternative Straßenbahnen oder U-Bahnen. Allerdings werden die U-Bahnen in Essen aktuell wegen Bauarbeiten größtenteils durch Busse ersetzt. Die Züge des RE42 aus Richtung Münster enden und starten in Wanne-Eickel. Zwischen Wanne-Eickel und Essen Hauptbahnhof fahren sie nicht. In die andere Richtung fährt der RE42 über die Brücke, nur deutlich langsamer.
Auch die S2 fährt über die Brücke. Allerdings müssen die Züge vor der Überfahrt zunächst anhalten und auf ein Signal des Stellwerks warten. Dann geht es mit rund 10 Kilometern pro Stunde über die Brücke, erklärt ein Bahnsprecher.
Genaue Brückenschäden in Essen unklar
Aktuell arbeitet die Bahn an einer generellen Regelung für die Fahrt über die Brücke. Damit könnten dann auch die REs wieder auf ihrer normalen Strecke fahren, wenn auch deutlich langsamer.
Brückendrama geht weiter, heute Kapitel Ruhrgebiet
WDR. 02:03 Min.. Verfügbar bis 25.07.2028.
Wie groß die Schäden an der Brücke sind, kann die Bahn nicht sagen. Sie spricht von einer "Instandsetzung" der Brücke, geht also von weiteren Arbeiten aus. Fachleute seien im Einsatz. Das Ziel sei, dass die Züge wieder fahren können.
Lkw-Unfall in Essen-Frillendorf: Durchfahrtshöhe zu gering
Nach dem Unfall wurde die Strecke von der Deutschen Bahn zunächst routinemäßig gesperrt: "Aus Sicherheitsgründen sperrt DB InfraGO in solchen Fällen immer vorsorglich die Brücke, bis DB-Fachexperten vor Ort die entstandenen Schäden geprüft haben, um auszuschließen, dass es ein statisches Problem gibt."
Waseem Jazrawi hat schon oft beobachtet, wie Lkw vor die Brücke gefahren sind
Speziell an der Brücke in Essen-Frillendorf fahren sich immer wieder Lkw fest, berichteten Anwohner dem WDR. WDR-Bahn-Experte Niklas Hoth sagt, dass die Bahn gerade bei älteren Brücken das Problem einer zu geringen Durchfahrtshöhe habe.
WDR-Bahnexperte Niklas Hoth
Dazu komme noch, dass Lkw-Fahrer die entsprechenden Warnhinweise und Durchfahrtsbeschränkungen häufig ignorieren würden.
Pendler zwischen Essen und Gelsenkirchen brauchen mehr Zeit
Für Reisende im Ruhrgebiet bedeuten die Einschränkungen an der Brücke in Essen längere Fahrzeiten. Sandra und Stefanie beispielsweise standen am Samstagvormittag an der Haltestelle für den Ersatzbus am Essener Hauptbahnhof. Sie waren auf dem Weg zu einer 80er-Jahre-Party in Gelsenkirchen. Sie nahmen die Verzögerung gelassen in Kauf. "Was soll man machen? Wir sind ja rechtzeitig losgefahren", sagt Sandra.
Sandra auf dem Weg zu einer Party in Gelsenkirchen
Um Störungen dieser Art auffangen zu können, bräuchte es viel mehr Gleise und Ausweichmöglichkeiten, sagt WDR-Bahnexperte Niklas Hoth.
"Das bedeutet natürlich, dass es für alle zu Verspätungen kommt. Die Züge auf Strecken umzuleiten, die ohnehin schon überlastet sind, bewirkt einen Dominoeffekt." Niklas Hoth, WDR-Bahnexperte
Ein Unfall wie dieser lasse sich auf einem so dicht befahrenen Netz nicht ohne Verspätung abwickeln.
Unsere Quellen:
- Presseagentur dpa
- Sprecher Deutsche Bahn
- zuginfo.nrw
- WDR-Reporter vor Ort
- Gespräch mit WDR-Reporter Niklas Hoth
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 27.07.2026, 13:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 25.07.2026, 12:45 Uhr