Daniel Cyris aus Gelsenkirchen besiegt die Drogensucht

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WDR 02:36 Min. Verfügbar bis 20.05.2028

Lebenswandel für Gelsenkirchener Daniels Weg raus aus den Drogen

Stand:

"Ich habe auf Essen verzichtet und mir Drogen dafür gekauft", erinnert sich Daniel Cyris an seine Vergangenheit. Mittlerweile ist der Gelsenkirchener seit 10 Jahren drogenfrei und hat eine Familie gegründet. Seine Sucht hat er mit viel Kampfgeist überwunden.

Von Simon Voigt

"Monstergebrüll auf drei! Eins, zwei, drei, Wooaaah!", die Jugendlichen im Kampfsport-Studio "Monster Academy" in Gelsenkirchen brüllen ihren Motivationsschrei. Cyris ist Co-Trainer der Gruppe. Dass er hier Kampfsport unterrichtet, war lange Zeit undenkbar.

Daniel Cyris kämpft mit einer anderen Trainerin am Boden. Fünf Schülerinnen schauen zu.

Auf der Matte und im echten Leben ist Daniel Cyris ein Kämpfer

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Alkohol, Kokain, MDMA, Ecstasy, Marihuana – früher haben Drogen Cyris' Leben bestimmt. Bis zu fünf Tage war er wach, wenn er konsumiert hat. Er war immer auf der Suche nach den nächsten "Glücksgefühlen". Doch die hielten nur kurz an, stattdessen waren Psychosen und Schulden Folgen der Sucht. Aufgewachsen ist Cyris in Bochum. Wegen der Drogenprobleme zog er sich immer mehr in seiner Wohnung zurück.

Daniel Cyris lacht und holt eine frische Pizza aus dem kleinen Pizzaofen im Garten.

Daniel Cyris liebt Pizzabacken mit Zutaten aus Italien

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Heute lebt der 38-Jährige das typische Leben eines Familienvaters. Stolz zeigt er in seinem Zuhause den Pizzaofen im Garten, für den er gerade das Carport fertig gebaut hat. Sohn Pepe ist noch müde von der Kita und macht Mittagsschlaf. Aber der Vierjährige Toni kommt mit seinem Fußball unter dem Arm angelaufen und will mit Papa Tore schießen. Auf Cyris' linkem Arm ist groß "Familia" tätowiert, auf dem rechten Arm hat er "Schalke 04" verewigt.

Erst Alkohol, dann Kokain

Fußball spielt Cyris nur noch mit seinen Söhnen. Denn in der Fußballmannschaft haben die Probleme damals angefangen. Nach dem Training hat er mit dem Team immer ein Bierchen getrunken. "Nach Spielen wurden auch schon mal drei, vier oder fünf Kisten plattgemacht", so der Schalke-Fan. Für Cyris der Einstieg: Er hört nicht auf mit dem Alkohol, trinkt irgendwann jeden Tag: morgens, mittags, abends.

Die Abhängigkeit kam schleichend: "Es hat sich so ergeben", erzählt Cyris ganz sachlich. Er ist in Kreise gekommen, in denen ihm Kokain und Ecstasy angeboten wurden. Er hat es ausprobiert. Durch die Drogen habe er sich "angekommen" gefühlt, erzählt er. Heute weiß Cyris, dass das keine echten Gefühle waren. Er hat es geschafft, weiterhin als Dachdecker zu arbeiten. Offenbar konnte er die Sucht viele Jahre verstecken.

Kalter Entzug

Mit fast 30 wird Cyris klar, dass er sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hat. Heute bezeichnet er sich selbst als "Junkie" zu der Zeit. Seine Familie verschafft ihm einen Platz in einer Psychiatrie und einer Suchtklinik. Dafür ist er bis heute dankbar. Neun Monate verbringt er in der Klinik im Sauerland. Der feste Alltag tut Cyris gut, die Angebote machen ihm Spaß. Und es funktioniert: Er verlässt die Klinik drogenfrei.

Daniel Cyris steht mit seiner Frau und seinem Sohn im Garten vor einer Backsteinmauer. Alle drei lachen.

Daniel Cyris liebt seine Familie über alles

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Und Cyris bleibt standhaft, beginnt einen neuen Lebensabsschnitt: Er heiratet und bekommt zwei Söhne. Ehefrau Jennifer ist wahnsinnig stolz auf ihn: "Daniel hat so hart an sich gearbeitet. Das müssen andere mal schaffen."

Der Pizzaofen ist mittlerweile heiß genug für die erste Pizza, original napoletanisch. Daniel Cyris garniert die Pizza mit frischem Basilikum, das Sohn Toni aber weniger Augeblicke später ins Blumenbeet wirft.

Kämpfen fürs Leben

Daniel Cyris und Mandy Böhm posieren in Boxhaltung in einem Kampfsportstudio

Sportlerin Mandy "Monster" Böhm unterstützt Daniel Cyris

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Sport ist immernoch auf andere Art wichtig in Cyris' Leben. Er verausgabt sich jede Woche beim Kampfsport. Seine Trainerin ist die ehemalige UFC-Kämpferin Mandy "Monster" Böhm. Die Profisportlerin weiß, was es bedeutet, hart an sich zu arbeiten und ist beeindruckt von Daniels Willenskraft.

„Daniel ist ein Vorbild durch und durch. Wir sind sehr stolz, ihn bei uns im Team zu haben.“ Mandy Böhm, Ex-UFC-Kämpferin

Der Familienvater ist auch Co-Trainer für Teenager. Er möchte über den Sport Werte vermitteln und ein Vorbild sein. Beim Training heute zeigt er dem Nachwuchs MMA-Grifftechniken. Trainerin Leslie Heinz demonstriert mit Cyris, wie sie den Gegner mit einen Klammergriff festsetzen kann.

Er bleibt zunächst standhaft, aber als er kurz darauf doch mit dem Rücken auf der Matte liegt, hat er eine Message: „Egal in welchen Lebenslagen man ist, man kann immer wieder aufstehen.“ Er selbst ist der beste Beweis dafür.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des Reporters bei Daniel Cyris zu Hause und im Sportzentrum
  • Gespräch mit Daniel Cyris
  • Gespräch mit Monster Academy

Sendung: WDR.de, Daniel Cyris aus Gelsenkirchen besiegt die Drogensucht, 20.05.2026, 15:38 Uhr

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