Straßenbahnunfall in Gelsenkirchen

Wie konnte es zur Kollision kommen?

Stand:

Am Donnerstag ist in Gelsenkirchen eine Straßenbahn heftig auf eine andere aufgefahren. Warum konnte das nicht verhindert werden?

Von
Stefan Weisemann

Zwei Spuren für Autos in die eine Richtung, zwei Spuren in die andere Richtung. In der Mitte die Gleise der Straßenbahnen. Alles fast schnurgerade mit guter Sicht. Die Kurt-Schumacher-Straße ist eine der großen Hauptstraßen in Gelsenkirchen. Sie ist gut ausgebaut, hier ist Tempo 70 erlaubt. Für Autos und Straßenbahnen.

Ausgerechnet auf dieser geraden Strecke ist am Donnerstag eine voll besetzte Straßenbahn auf eine auf freier Strecke stehende Fahrschulbahn aufgefahren. Mit voller Wucht. Bilder vom Unfallort lassen erahnen, wie heftig der Aufprall gewesen sein muss. 25 Menschen wurden verletzt, bei drei von ihnen konnte Lebensgefahr nicht ausgeschlossen werden.

Bahnen in Gelsenkirchen ohne Frühwarnsystem

Viele Autos haben für solche Situationen mittlerweile Kollisionswarner. Sie melden sich mit Blinken oder Piepen, wenn ein Aufprall droht. Wie ist das bei Straßenbahnen? "Die Straßenbahnen haben kein Frühwarnsystem", sagt ein Sprecher des Verkehrsunternehmens Bogestra, dem die beiden Unfallbahnen gehören. Die Bahnen wurden im Jahr 2008 gebaut.

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Grundsätzlich gibt es Kollisionssysteme für Straßenbahnen, sie sind aber noch im Probebetrieb. Unter anderem testen die KVB in Köln in diesem Jahr solche Systeme in zwei Straßenbahnen. In Zukunft sollen in Köln alle neuen Bahnen ein Kollisionssystem eingebaut haben.

Firma entwickelt Kollisionswarner für Straßenbahnen

Die Firma Bosch zum Beispiel hat ein solches System für Straßenbahnen entwickelt. Es besteht aus einer Kamera, einem Radarsensor und einem Steuergerät und funktioniert ähnlich wie beim Auto. Das System kommt schon in Den Haag in den Niederlanden zum Einsatz. Dort habe man es geschafft, vermeidbare Unfälle um die Hälfte zu reduzieren, sagt Bosch.

Die Firma räumt aber auch ein, dass an dem System noch weitergearbeitet werden muss. Künftig solle es möglich sein, Kollisionen mit höheren Geschwindigkeiten als jetzt zu vermeiden. Und: in engen Kurven würden sich die aktuellen Systeme teilweise noch schwer tun.

Ursache für Straßenbahnunfall in Gelsenkirchen unklar

In Gelsenkirchen geht es jetzt darum, die Ursache für den Unfall zu finden. Zum einen ist unklar, warum die Fahrschulbahn auf offener Strecke stehen geblieben ist. Zum anderen, warum der Fahrer der Bahn dahinter offenbar mit hohem Tempo in die andere Bahn gefahren ist.

Die Ermittler werten unter anderem die Fahrtenschreiber der beiden Straßenbahnen aus. Außerdem war am Donnerstag ein spezielles Verkehrsunfallaufnahmeteam der Bochumer Polizei an der Unfallstelle im Einsatz. Wie lange die Ermittlungen dauern, können weder die Polizei noch die Bogestra abschätzen.

Nach Straßenbahnunfall in Gelsenkirchen - Suche nach der Ursache

Bildquelle: WDR/Jörg Steinkamp

WDR 06.08.2026 00:46 Min. Verfügbar bis 05.08.2028

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Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Bogestra
  • Polizei Gelsenkirchen
  • KVB Köln
  • Firma Bosch

Sendung: WDR.de, Nach Straßenbahnunfall in Gelsenkirchen - Suche nach der Ursache, 06.08.2026, 19:56 Uhr