Bei Temperaturen weit über 30 Grad wird jede kurze Fahrt eine Belastungsprobe für den Kreislauf. Die Entscheidung der Dortmunder Stadtwerke (DSW21), aus Kostengründen ganz bewusst auf Klimaanlagen in ihren Stadtbahnen zu verzichten, hat bei Fahrgästen teilweise wütende Reaktionen hervorgerufen.
An besonders heißen Tagen müsse man sich überlegen, ob man Kindern überhaupt noch Stadtbahn-Fahrten zumuten könne, meinte eine Kundin gegenüber dem WDR. Andere Fahrgäste klagen über eine regelrechte "Hitzewand", gegen die man beim Einstieg in der Bahn pralle.
Hitzephasen werden häufiger - und länger
Auch in den kommenden Jahren werden die Diskussionen über den Sinn oder Unsinn klimatisierter Bahnen wahrscheinlich nicht verstummen. Während man im frühen 20. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen NRW noch durchschnittlich vier Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad im Jahr verzeichnete, hat sich dieser Wert laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) mittlerweile verdoppelt. Im Jahr 2026 könnte die Zahl nochmal höher liegen wegen der diesjährigen intensiven und länger andauernden Hitzewellen.
Wie planen die Verkehrsbetriebe für die Zukunft? Und wie leistungsfähig sind die Kühlsysteme? Wir haben bei den großen Verkehrs-Betrieben in NRW nachgefragt: Steht Dortmund mit seinem Verzicht auf Klimaanlagen in Stadtbahnen in NRW allein da?
Die KVB und ihre Klimaanlagen
Von den rund 400 Stadtbahnen, die in Köln und Umland im Einsatz sind, verfügen nach Angaben der KVB knapp die Hälfte über eine Klimaanlage. Mit der Auslieferung neuer, moderner Bahnen, die für 2028 und 2029 geplant ist, soll sich der Anteil der klimatisierten Fahrzeuge noch einmal merklich erhöhen. Eine Nachrüstung älterer Bahnen sei nicht möglich, weil die Fahrzeuge baulich dafür nicht geeignet sein sollen. Die älteren Fahrzeuge werden bis zu ihrer Ausmusterung in den kommenden Jahren an heißen Tagen also "Saunawagen" bleiben.
Die Klimaanlagen seien auf maximale Temperaturen von etwa 35 Grad ausgelegt, heißt es weiter. Je nach Modell und Wetterlage seien sie darauf eingestellt, die Temperatur in der Bahn 3 bis 6 Grad unter die Außentemperatur herunterzukühlen. Zusätzlich wurden kürzlich alle Stadtbahnen mit einer Sonnenschutzfolie beklebt, welche die Innentemperatur in den Waggons um weitere 2 bis 3 Grad senken soll.
Düsseldorfer Rheinbahn: Stadtbahnen mit Kühlung
Die aktuelle Schienenflotte der Rheinbahn umfasst 328 Fahrzeuge. Davon haben 59 Bahnen (rund 18 Prozent) eine Klimaanlage im Fahrgastbereich. Bereits ab dem kommenden Jahr soll sich dieser Anteil stark erhöhen. Die Rheinbahn hat insgesamt 91 neue Bahnen bestellt, deren Auslieferung 2027 starten soll.
An sehr heißen Tagen schafften es die Klimaanlagen nicht immer, die Temperaturen auf ein für alle Fahrgäste angenehmes Niveau zu senken, räumt die Rheinbahn ein. Durch häufiges Türöffnen und die hohe Zahl an Fahrgästen gelange ständig Wärme in das Fahrzeug. Das Ziel sei deshalb, ein möglichst stabiles Level zu halten. Eiseskälte in der Bahn sei ebenso unangenehm wie zu hohe Temperaturen, so die Rheinbahn.
Bogestra Straßenbahnen klimatisiert, Stadtbahnen ohne Klimaanlage
Die Bogestra setzt im mittleren Ruhrgebiet sowohl Straßenbahnen als auch Stadtbahnen ein. Straßenbahnen sind direkt auf der Straße zusammen mit dem gewöhnlichen Autoverkehr unterwegs. Stadtbahnen verfügen meist über eigene Gleise und können teilweise auch unterirdisch verlaufen.
Während alle 95 Straßenbahnen mittlerweile klimatisiert seien, habe man bei den 37 Stadtbahnen bewusst auf solche Anlagen verzichtet, heißt es auf Nachfrage. Denn Stadtbahnen würden ausschließlich auf der Strecke zwischen Bochum und Herne eingesetzt, die zum großen Teil unterirdisch verläuft. Eine zusätzliche Kühlung sei deshalb auch während einer Hitzewelle nicht nötig.
In den Straßenbahnen seien die Klimaanlagen stets so eingestellt, dass es in den Waggons grundsätzlich 3 Grad kühler sei als im Außenbereich.
Duisburger DVG: Stadtbahnen und Niederflurbahnen mit Klimaanlage
Laut der DVG sind in Duisburg aktuell 18 Stadtbahnen und mehr als 50 Niederflurbahnen im Betrieb. Letztere sind Stadtbahnen, bei denen wegen eines tieferen Bodens der Einstieg für Fahrgäste erheblich leichter ist. Laut einer DVG-Sprecherin stammen die Stadtbahnen teilweise noch aus den 1980er-Jahren und seien deshalb nicht klimatisiert. Bei den Niederflurbahnen gebe es hingegen kaum noch Fahrzeuge ohne Klimaanlage.
Bereits ab dem Herbst soll der gesamte Bestand der Niederflurwagen voll klimatisiert sein, kündigt die DVG an. Darüber hinaus hat das Unternehmen neue Stadtbahnen bestellt, die ab 2027 ausgeliefert werden. Sobald der Austausch abgeschlossen sei, werde es keine unklimatisierten Fahrzeuge mehr geben.
Die Anlagen seien so eingestellt, dass in den Bahnen stets Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad herrschen.
Bielefelder Stadtbahnen von Mobiel mit und ohne Kühlung
In Bielefeld sind etwa die Hälfte der Stadtbahnen mit Klimaanlagen ausgestattet. Laut einer Sprecherin der Verkehrsgesellschaft Mobiel werden 40 neuere Bahnen vom Typ "Vamos" gekühlt, die übrigen 36 älteren Fahrzeuge nicht. Eine Nachrüstung sei technisch nicht möglich. - Das Ziel ist eine Abkühlung von 3 Grad im Vergleich zur Außentemperatur.
Stadtwerke Bonn: Stadtbahnen und Straßenbahnen mit Klimaanlagen
Die Stadtwerke Bonn (SWB) setzen aktuell 28 Straßen- und 75 Stadtbahnen ein. Während die alte Straßenbahnflotte inzwischen vollständig erneuert und klimatisiert ist, gibt es insgesamt nur 15 moderne Stadtbahnen mit Klimaanlage. Weil vor einigen Wochen alle übrigen 60 älteren Stadtbahnen wegen technischer Mängel vorerst aus dem Verkehr gezogen werden mussten, ist zumindest vorübergehend die gesamte Flotte klimatisiert unterwegs: Ein schwacher Trost für die Fahrgäste, die aktuell mit einem stark eingeschränkten Fahrplan leben müssen.
Mittelfristig wird auch in Bonn der Bestand an Stadtbahnen ausgetauscht. Im ersten Halbjahr 2027 sollen die ersten von 37 neuen Fahrzeugen ausgeliefert werden - alle mit Klimaanlage.
Auch hier gilt: In den Fahrzeugen wird im Vergleich zur Außentemperatur die Luft um 3 bis 4 Grad heruntergekühlt.
Fazit: DSW21 in Dortmund geht einen eigenen Weg
Während Dortmunds Stadtwerke ganz bewusst aus Kostengründen auf Klimaanlagen in Stadtbahnen verzichten, setzen die meisten Verkehrsunternehmen in NRW auf Kühlung. Köln, Düsseldorf, Duisburg, Bielefeld und Bonn bauen klimatisierte Flotten aus. Sie alle wollen in einigen Jahren ihre Stadtbahnen modernisieren - und damit auch klimatisieren.
Klimaanlagen im ÖPNV
Bildquelle: WDR/dpa/Julian StratenschulteWDR. 06.08.2026. 01:24 Min.. Verfügbar bis 05.08.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Anfragen an Verkehrsbetriebe in NRW
- Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV)
Sendung: WDR.de, In welchen Städten Stadtbahnen mit Klimaanlage fahren, 06.08.2026, 18:00 Uhr
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