Zivilklagen nach Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen

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WDR 2 Min. 26 Sek. Verfügbar bis 11.07.2028

Sparkassen-Einbruch Gelsenkirchen Gutachten soll Klarheit bringen

Stand:

Ein externer Gutachter soll klären, ob die Sparkasse Gelsenkirchen vor dem spektakulären Einbruch ausreichend gesichert war.

Von Carmen Krafft und Olaf Biernat

Es war ein kurzer Termin am Landgericht Essen. Gerade einmal fünfzehn Minuten dauerte die Verkündung der 6. Zivilkammer. Jetzt steht fest: Ein externer Gutachter soll klären, ob die Sparkasse ausreichend gesichert war.

Gutachter soll vielen Fragen nachgehen

Dabei soll der Gutachter, der noch gefunden werden muss, allen Vorwürfen nachgehen, die die Klägerin der Sparkasse gegenüber hat. Es soll zum Beispiel klären, ob die Sparkasse es versäumt hat, im Tresorraum und den angrenzenden Räumen Körperschallmelder oder Videokameras einzusetzen.

Außerdem ist zu klären, ob die Räume durch regelmäßige Kontrollgänge hätten überwacht werden müssen. Knackpunkt dürfte die Frage sein, was das Prädikat "branchenüblich" bedeutet. So hatte die Sparkasse ihre Sicherheitsmaßnahmen bislang beschrieben.

Kamerateams und Fotografen um Sparkassen-Opfer

Klägerin Rita M. beim Prozessauftakt vor vier Wochen

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Die Klägerin Rita M. war heute bei der Verkündung nicht anwesend. Bei der Güteverhandlung vor vier Wochen hatte die 83-Jährige noch unter Tränen gesagt, sie sei durch den Einbruch mittellos und wisse nicht einmal, wie sie ihre Beerdigung bezahlen solle. Die Gelsenkirchenerin verlor bei dem Einbruch nach eigenen Angaben mehr als 390.000 Euro. Geld, das sie nach dem Verkauf einer Eigentumswohnung im Schließfach deponiert habe.

Andere Kläger schauen auf Gutachten

Die Rentnerin wird jetzt quasi zur Vorreiterin für alle rund 3.000 Geschädigte des spektakulären Einbruchs. Denn die Ergebnisse des Gutachtens haben auch Auswirkungen für andere Kläger. Zum Beispiel auch für Joachim Alfred Wagner. Er ist der zweite Kläger und saß ebenfalls vor vier Wochen schon im Gerichtssaal. Sein Fall wird jetzt ausgesetzt bis das Gutachten fertig ist.

Schlacht der Gutachter

Nach dem Verkündungstermin äußerte sich Anwalt Daniel Kuhlmann zuversichtlich. "Wir haben ja bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, das kommt zum Schluss, dass die Sparkasse nicht richtig gesichert war. Wir sind guter Hoffnung, dass der neue Gutachter das auch so sieht", sagte er.

Sparkassen-Sprecher Martin Rieken ist zuversichtlich

Sparkassen-Sprecher Martin Rieken ist zuversichtlich

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Für die Sparkasse verfolgte Sprecher Martin Rieken den Prozess. Auch er äußerte sich optimistisch, denn die Sparkasse hatte ebenfalls einen Gutachter beauftragt, der zu einem anderen Schluss kommt. "Unser Gutachter ist vereidigter Fachmann und er ist der Meinung, wir waren nach dem aktuellen Stand der Technik gesichert. Davon gehen wir aus."

Sparkasse zahlt Geld aus

Vor dem zweiten Prozesstag am Landgericht Essen hat die Sparkasse jetzt an erste Kunden die Versicherungssumme von 10.300 Euro ausgezahlt. Kurz vor dem ersten Prozesstag im Juni hatte die Sparkasse Gelsenkirchen angefangen, erste zurückgebliebene Gegenstände an ihre Besitzer zu übergeben.

Kammerbeschluss zum Gutachten erwartet

Blick durch ein Loch in der Wand in den Archivraum der Sparkasse Gelsenkirchen.

Das Bohrloch in der Wand zum Tresorraum der Sparkasse Gelsenkirchen

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Außergerichtlich hatten sich Anwalt Daniel Kuhlmann und die Sparkasse nicht einigen können. Die Glaubwürdigkeit seiner Mandantin Rita M. steht für das Gericht außer Frage.

Der Richter will nicht spekulieren

"Wir können hier nicht spekulieren, was gewesen wäre wenn", hatte der Vorsitzende Richter mit Blick auf mögliche und tatsächliche Sicherheitssysteme des Tresorraums formuliert. Zu klären wäre, ob es überhaupt branchenübliche Standards gibt, die von Versicherungen überprüft werden.

Dritter Kunde klagt auf 124.000 Euro Schadensersatz

Anwalt Daniel Kuhlmann (r.) mit dem Mandanten Daniel Oryan vor dem Essener Landgericht

Kläger Daniel Oryan mit seinem Anwalt Daniel Kuhlmann

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Am zweiten Prozesstag werden noch zwei weitere Schadens-Fälle verhandelt. Der Gelsenkirchener Daniel Oryan, 46 Jahre alt, klagt wegen insgesamt 124.000 Euro. Nach dem Einbruch fehlen ihm eine wertvolle Uhr, Schmuck und Bargeld. Im Fall eines weiteren Geschädigten geht es um Bargeld und Schmuck im Wert von 45.000 Euro.

Mandanten wollen, dass etwas passiert

Insgesamt sind über 3.000 Kunden betroffen. Der Schaden bei dem Einbruch durch Unbekannte mit einen Kernbohrer nach Weihnachten 2025 ist für viele so hoch, dass ihre Lebensplanung über den Haufen geworfen wurde. "Meine Mandanten erwarten, dass etwas passiert, viele wollen klagen", so die Anwältin Figen Özer aus Recklinghausen.

Ergebnis eines Gutachtens kann auf weitere Klagen übertragen werden

Özer vertritt rund 60 Sparkassen Kunden - viele mit hohen Verlusten. Für sie ist klar: Wird ein Gutachten beauftragt, "dann werden wir die Monate bis zum Ergebnis abwarten."

Gutachter soll Sicherheit bei Sparkasse Gelsenkirchen klären

WDR 09.07.2026 47 Sek. Verfügbar bis 08.07.2028

Unsere Quellen:

  • Landgericht Essen
  • Rechtsanwälte der Geschädigten
  • Gespräche der Reporterin mit Geschädigten
  • Beobachtungen der Reporterin am ersten Prozesstag, 11.6.2026, Landgericht Essen

Sendung: WDR.de, Gutachter soll Sicherheit bei Sparkasse Gelsenkirchen klären, 09.07.2026, 16:20 Uhr
Sendung:
WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 09.07.2026, 19:30

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