Graffiti gegen Mobbing in Duisburg: "Ihr seid nicht alleine!"

Bildquelle: WDR/ Laura Kasprowiak

WDR 3 Min. 12 Sek. Verfügbar bis 31.03.2028

Graffiti gegen Mobbing in Duisburg: "Ihr seid nicht alleine!"

Stand:

Die Förderschule Duisburg Nord setzt mit einer Streetart Aktion ein Zeichen gegen Schikane und Ausgrenzung. Damit wollen sie Mut machen, hinzusehen, wenn andere Hilfe brauchen.

Von Laura Kasprowiak

Das Klackern der Spraydosen ist schon von Weitem zu hören. Wie ein Tatortreiniger mit weißem Schutzanzug und Mundschutz steht Noel zusammen mit drei weiteren Mitschülern an der Wand im Eingangsbereich seiner Schule und sprüht vorsichtig pinke Farbe über die vorgezeichneten Buchstaben-Linien. "No mobbing wall" soll da stehen - knallig, bunt, unübersehbar.

Ich möchte mit dem Graffiti zeigen: Mobbing ist da und wir müssen dagegen etwas tun Noel, 16 Jahre alt

Für Noel fühlte sich seine letzte Schule tatsächlich an wie ein Tatort. Dort wurde er jahrelang gemobbt. Wegen seines Tourette-Syndroms haben ihn Mitschüler immer wieder nachgemacht. "Das war einfach nur demütigend." Irgendwann ist er einfach nicht mehr hingegangen. Heute nimmt er Medikamente gegen seine Ticks, aber diese Zeit hat Narben hinterlassen. Damals hätte er sich gewünscht, dass sich seine Mitschüler für ihn stark machen, anstatt mitzulachen oder wegzuschauen.

Initiative "No Mobbing" fördert Zivilcourage

Mann lächelt in die Kamera

Joshua Wiesehahn ist Projektleiter von der Initiative "No Mobbing"

Bildquelle: WDR/Laura Kasprowiak

Schulsozialarbeiter Joshua Wiesehahn hat das Projekt hier an der Förderschule Nord in Duisburg begleitet. "Dieses Graffiti setzt nicht nur ein Zeichen gegen Mobbing, sondern es schafft bei den Schülerinnen und Schülern auch ganz viel Selbtwirksamkeit und Stolz." Neben seiner Arbeit an der Schule ist er auch Projektleiter der No-Mobbing-Initiative in Duisburg - eine Kampagne, die sich zum Ziel gesetzt hat, an Schulen Betroffene zu stärken und Zivilcourage zu fördern.

Mobbing ist allgegenwärtig

Laut aktuellem Deutschen Schulbarometer wird fast ein Drittel der Befragten mindestens einmal im Monat gemobbt. Mobbing hat viele Gesichter: Es reicht vom Auslachen und Ausgrenzen über Bedrohungen und das Verbreiten von Lügen bis hin zu körperlicher Gewalt. Mobbing kann schwere psychische Folgen wie Angst, Depressionen und geringes Selbstwertgefühl auslösen und führt oft auch zu körperlichen Beschwerden wie Schlafstörungen oder Schmerzen. Langfristig beeinträchtigt es schulische Leistungen, soziale Beziehungen und kann die gesamte Lebensentwicklung negativ prägen.

"Wir sind mehr als die Mobber"

Ein buntes Graffiti gegen Mobbing auf einer Wand

Zeichen setzen gegen Mobbing

Bildquelle: Daniel Jähn

Während im Eingangsbereich an der Graffiti-Wand noch gearbeitet wird, bespricht Klassenlehrerin Wiebke Hücking das Thema Mobbing im Klassenraum. Fast alle Jugendlichen hier haben Erfahrungen mit Mobbing gemacht. Auf dem Boden liegt ein großer weißer Ball, daneben ein kleinerer in rot. "Wer soll das sein?", fragt sie ihre Klasse. "Der große Ball ist der Täter, der kleinere das Opfer." Sie nickt. Dann kippt sie einen Karton mit vielen kleinen Bällen aus - die schweigende Masse. "Erst wenn wir uns bewusst werden, dass wir viel mehr sind als die Mobber, dann traut man sich vielleicht auch eher zu helfen", sagt sie ernst. Möglicherweise beginnt mit diesem Projekt auch etwas, das größer ist als ein Graffiti: Zusammenhalt und der Mut, nicht mehr wegzusehen.

Unsere Quellen:

  • Reporterin vor Ort
  • Deutsches Schulbarometer/ Robert Bosch Stiftung

Sendung: WDR.de, Graffiti gegen Mobbing in Duisburg: "Ihr seid nicht alleine!", 31.03.2026, 12:25 Uhr

Weitere Beiträge aus dem Ruhrgebiet

1 / 2