Angehöriger leidet: Unbekannter zerstört Grabschmuck

WDR 02:40 Min. Verfügbar bis 08.07.2028

Trauer und Wut Diebstähle am Grab reißen alte Wunden auf

Stand:

Ein Unbekannter stiehlt auf einem Friedhof in Dorsten immer wieder Grabschmuck. Ein Witwer kämpft um seinen Frieden.

Von Martin Wilger

Vor sieben Jahren ist die Ehefrau von Rolf Klein an Krebs gestorben. Für ihn die dunkelste Stunde seines Lebens, die er bis heute nicht verkraftet hat. Jeden Tag geht er auf den kommunalen Friedhof in Dorsten Hervest. Er reinigt den Grabstein, gießt die Blumen und vor allem spricht er dann in Gedanken mit seiner Frau.

Ein Grabstein mit der Aufschrift Gitti Klein, davor Grablichter und Blumen.

Das Grab von Gitti Klein.

"Wenn ich die Augen zumache, dann ist das so, als wenn sie gestern gestorben ist. Ich bin drei- bis viermal am Tag hier auf dem Friehof." Rolf Klein

Unbekannter stiehlt Grabschmuck

Auf dem Rasen liegen Grablichter, aus ihnen sind die Akkus geklaut worden.

Randale auf dem Dorstener Friedhof

Zum Grabschmuck gehören auch elektrische Grablichter. Doch von Anfang an hat es ein Unbekannter immer wieder genau darauf abgesehen. Der Mann greift sich die Grableuchten, bricht sie auf und entfernt die Akkus daraus. Alles andere schmeißt er einfach achtlos auf die Wiese vor den Gräbern.  

Um den Mann zu erwischen, hat Klein sogar eine Wildkamera installiert. "Ich hab was gemacht, was ich eigentlich nicht darf. Ich hab da dann gesehen, dass da ein Mann bei helllichtem Tag die Grablichter wegnimmt und die Akkus klaut." Doch genau zu erkennen ist der Unbekannte auf den Bildern nicht.

Anzeigen bei der Polizei und Beschwerden bei der Stadt - ohne Erfolg

Tobias Stockhoff Bürgermeister Dorsten

Tobias Stockhoff ist Bürgermeister in Dorsten.

Der Dorstener hat natürlich Anzeige erstattet. Bisher ohne Erfolg. Auch beim Bürgermeister ist er schon gewesen. Dort hat er unter anderem gefordert, dass das Ordnungsamt häufiger kontrolliert und der Friedhof abends abgeschlossen wird. Bürgermeister Tobias Stockhoff winkt ab.

"In der Dorstener Friedhofsordnung steht, dass Trauer keine Zeit kennt und Menschen auch am späten Abend auf den Friedhof wollen. Die wollen wir nicht ausschließen." Diebe, so argumentiert er, würden sich so auch nicht abhalten lassen. Und die Stadt habe keine Kapazitäten für häufigere Kontrollen.

Zerstörungen am Grab machen Rolf Klein wütend und traurig

Für Rolf Klein ist das schwer zu verkraften. Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper hat dafür absolutes Verständnis. "Der Mann hat durch den Tod seiner Frau das Liebste verloren. Der Grabschmuck ist ja nicht nur etwas Materielles, sondern auch eine Liebesbekundung. Wenn das gestohlen und kaputtgemacht wird, ist das sehr verletzend." 

Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Ruhpieper sitzt mit anderen an einem Tisch und hält einen Stein mit Herzbemalung in der Hand.

Mechthild Schroeter-Ruhpieper arbeitet bei der Trauerbegleitung Lavia.

Rolf Klein will Hoffnung nicht aufgeben

Doch Rolf Klein will das Grab seiner Frau auch weiter pflegen und schmücken. Und er hofft immer noch, dass der Unbekannte irgendwann mal auf frischer Tat erwischt wird. Damit er zumindest beim Thema Grabschmuck seinen Frieden findet.

Unsere Quellen:

  • Stadt Dorsten
  • Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
  • Gespräche des WDR-Reporters mit Rolf Klein
  • Lavia Trauerbegleitung

Sendung: WDR.de, Angehöriger leidet: Unbekannter zerstört Grabschmuck, 09.07.2026, 6 Uhr

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