Marl: Badeweiher soll geschlossen bleiben
Bildquelle: WDR/Michael WesterhoffWDR. 2 Min. 38 Sek.. Verfügbar bis 08.05.2028.
Idyllisch liegt er da, umgeben von grünen Bäumen und großer Liegewiese: der Badeweiher in Marl. Doch aktuell ist hier bis auf ein paar Gänse niemand unterwegs. Nach fast 75 Jahren soll das Naturbad dieses Jahr nicht wieder öffnen.
Claudia Meister will das nicht hinnehmen. Am Donnerstagabend hat sie eine Bürgerinitiative mit 50 Personen zum Erhalt des Bades gegründet.
Kindheitserinnerungen an den Badeweiher
Von Schwimmübungen bis zu ersten Annäherungsversuchen an den Schwarm: Generationen von Marlern verbinden mit dem Badeweiher ihre ganz eigene Geschichte. "Ich selbst habe meine Kindheit dort verbracht. Meiner Kinder haben ihre Kindheit dort verbracht", erzählt Meister. "Wir sind eine große Familie und da hat man sich getroffen."
Claudia Meister will den Badeweiher auch für kommende Generationen erhalten.
Bildquelle: WDR / Michael WesterhoffDas Vorgängerunternehmen von Evonik hatte das Freibad 1952 für die Arbeiter im Chemiepark gebaut. Schwimmen durften aber alle Marler, nicht nur die Mitarbeitenden.
Evonik hat Finanzprobleme
Am Donnerstagnachmittag haben sich Vertreter von Evonik auf dem Gelände umgesehen. Der Chemiekonzern leidet stark unter der Wirtschaftskrise. Einen Weiterbetrieb könne sich das Unternehmen einfach nicht mehr leisten.
"Wir haben bei der Evonik das Evonik-Tailor-Made-Programm, ein Sparprogramm, das jährlich 400 Millionen Euro sparen soll", erklärt Olaf Breuer von Evonik in Marl. "Dabei ist jede Ausgabe im Fokus und der Badeweiher ist ein Teil dieser Ausgaben im sechsstelligen Bereich."
Stadt kann Bad nicht übernehmen
Der Stadtrat und Bürgermeister Thomas Terhorst (CDU) würden das Bad gerne erhalten. Doch die Stadt hat ebenfalls kein Geld, um es zu betreiben. "Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man das klar macht und keine falschen Hoffnungen weckt", sagt Terhorst. "Wir als Stadt, die in der Haushaltssicherung sind, finanziell überschuldet sind, dürfen das nicht. Wir können das auch nicht. So eine Entscheidung würde sofort kassiert."
Zukunft des Badeweihers bleibt ungewiss
Der Badeweiher bleibt also vorerst geschlossen. Doch Claudia Meister will nicht aufgeben: "Wir wollen das irgendwann in eine Privatinitiative überführen und mit Mitteln aus Firmen, Vereinen, anderen Sponsoren, öffentlichen Geldern, Fördermitteln, aber auch viel Ehrenamt versuchen, dieses Bad wieder für die Allgemeinheit zu öffnen."
Evonik kann sich vorstellen, das Gelände an einen Verein zu verpachten. Dann können die Marler im kommenden Jahr vielleicht wieder in ihrem Badeweiher schwimmen.
Unsere Quellen:
- Evonik Marl
- Claudia Meister, Gründerin der Bürgerinitiative
- Marler Bürgermeister Thomas Terhorst
- WDR-Reporter vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 07.05.2026, 19:30 Uhr