Cyberangriff auf Gemeinschaftsstadtwerke Kamen
WDR. 01:47 Min.. Verfügbar bis 02.07.2028.
"Happy wie noch nie" steht auf dem kleinen bunten Werbe-Aufsteller im Kundencenter der Gemeinschaftsstadtwerke in Kamen. Der Flyer ist allerdings das Einzige, was hier am Schreibtisch von Svenja Reimann bunt ist. Ihre beiden PC-Bildschirm sind nämlich pechschwarz. Nichts geht mehr. Totalausfall. "Wir können Kleinigkeiten machen. Wir können telefonieren", sagt die Mitarbeiterin im Kundencenter, die nun alles auf Zetteln notieren muss: "Normalerweise arbeiten wir 90 Prozent digital".
Kunden machen sich Sorgen, dass Strom abgestellt wird
Helmut Kleinfeld ist auf dem Weg kurz ins Kundencenter reingesprungen. Er macht sich Sorgen, weil sein monatlicher Abschlag für Strom und Gas noch nicht abgebucht wurde: "Dass das nicht abgebucht wurde, hat mich stutzig gemacht". Zahlreiche Kunden haben heute früh deshalb schon angerufen, erzählt Svenja Reimann. "Viele machen sich Sorgen, dass ihr Zähler gesperrt wird, weil wir die Beträge nicht einziehen."
Eine Sorge, die sich kein Kunde der "Gemeinschaftsstadtwerke Kamen, Bönen, Bergkamen" (GSW) machen müsse, erklärt Carsten Wittig, Teamleiter Kundendialog bei den Stadtwerken.
Kunden könnten ihre Abschläge unter Angabe des Namens, der Kundennummer und Rechnungseinheit überweisen. Müssen sie aber nicht. Der Energieversorger will die Beträge einziehen, sobald dies technisch wieder möglich ist.
Cyberangriff hat fast alles lahmgelegt
Der Cyberangriff hat fast alles in der Verwaltung lahmgelegt. Die PCs gehen nicht, Überweisungen funktionieren nicht. Das Kundenportal im Netz geht ebenfalls nicht. Über die aktuellen Entwicklungen informieren die Gemeinschaftsstadtwerke in ihrem Blog auf der Webseite des Unternehmens. Immerhin das Angebot funktioniert, weil es unabhängig von den Systemen läuft.
Der Cyberangriff hat fast alles in der Verwaltung lahmgelegt. Die PCs gehen nicht, Überweisungen funktionieren nicht.
Selbst bei den drei Hallen- und Freibädern, die zum Betrieb der Stadtwerke gehören, gibt es Probleme. In den Bädern sei eine bargeldlose Bezahlung aktuell nicht möglich. Dies gelte auch für die Gastronomie in allen drei Einrichtungen. Im Häupenbad und im Sesekebad werde eine reduzierte Variante der Speisekarte angeboten.
Versorgung mit Gas, Wasser und Strom nicht gefährdet
Die Versorgungssicherheit sei nicht gefährdet, sagt Wittig. Kunden müssen sich also keine Sorgen machen, dass sie keine Zugriff auf Strom, Wasser oder Heizung haben. Alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen seien getroffen worden. Der Störungsdienst sei weiterhin rund um die Uhr erreichbar.
Carsten Wittig ist die Teamleitung im Kundendialog bei den GSW Kamen Bönen Bergkamen.
Ursachenforschung mit Landeskriminalamt
Die GSW Kamen, Bönen, Bergkamen wollen jetzt schnellstmöglich herausfinden, wie und von wem die Systeme angegriffen wurden. "Wir arbeiten gemeinsam mit externen IT-Sicherheitsexperten und dem Landeskriminalamt intensiv daran, den Vorfall schnellstmöglich aufzuklären. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren", erklärt GSW-Geschäftsführer Alexander Loipfinger.
Wer hinter der mutmaßlichen Computersabotage steckt, ist laut der zuständigen Staatsanwaltschaft für Cyberkriminalität in Köln noch unklar. Oberstaatsanwältin Miriam Margerie sagte im Gespräch mit dem WDR, dass die Ermittlungen am Anfang stünden. Auch zu möglichen Schäden für die GSW konnte Margerie noch nichts sagen.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen, Bönen, Bergkamen
- Besuch des WDR-Reporters in Verwaltung und Kundencenter
- WDR-Gespräch mit der Pressesprecherin der GSW
- Carsten Wittig, Teamleiter Kundendialog GSW
- Svenja Reimann, Mitarbeiterin im Kundencenter
Sendung: WDR 2, Lokalzeit Ruhrgebiet, 02.07.2026, 17:31 Uhr

