Geodimara hat ihren Rucksack gepackt, kann es kaum erwarten, ihre Eltern und Geschwister in Angola wiederzusehen. Ein Jahr lang war das sechsjährige Mädchen von ihrer Familie getrennt. Nach einer schweren Operation ist das Kind wieder gesund und kann nach Hause zurück fliegen.
Mädchen mit seltener Erkrankung
Geodimara kam im Mai 2025 über das Friedensdorf International nach Oberhausen, eine 1967 gegründete Hilfsorganisation, die kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten für medizinische Behandlungen nach Europa holt. Das schüchterne Mädchen litt an der seltenen angeborenen Erkrankung "Enzephalozele", die in Deutschland meist im Säuglingsalter behandelt wird.
Teile des Gehirns und Flüssigkeit waren aus einer Kopfspalte ausgetreten und in Augen- und Nasenhöhlen gewachsen, dadurch bildete sich eine dicke Schwellung im Gesicht. Das Risiko von Infektionen war für Geodimara lebensbedrohlich. In Angola gibt es keine Spezialisten, die ihr helfen konnten.
Spitzenmedizin in Gelsenkirchen
In Gelsenkirchen gibt es dafür Spezialisten. Unter der Leitung des Kinderneurochirurgen Lutz Schreiber konnte ein Ärzteteam Geodimara von ihrer Erkrankung heilen. Sieben Stunden dauerte der Eingriff, bei dem auch ihre Nase rekonstruiert werden musste. "Die OP war ein voller Erfolg, auch mit dem kosmetischen Ergebnis bin ich sehr zufrieden", sagt Lutz Schreiber.
Die Knappschaft Kliniken Gelsenkirchen-Buer arbeiten eng mit dem Friedensdorf International zusammen, behandeln regelmäßig Kinder aus Krisengebieten und übernehmen die Kosten.
Friedensdorf International - ein vorübergehendes Zuhause
Im Friedensdorf leben derzeit 169 Kinder, die meisten kommen aus Afghanistan und Angola. Alle sind schwer krank, viele leiden unter Knochenentzündungen und schweren Verbrennungen. Das Friedensdorf organisiert die Verteilung der kleinen Patienten in Krankenhäuser, wo sie auf Kosten der Kliniken behandelt werden.
Geodimara mit Betreuer Andreas Sauerland
Solange wohnen sie wie in einem kleinen Dorf in Oberhausen, bekommen jeden Tag drei Mahlzeiten und jede Menge Spielangebote. Ein Team von Sozialarbeitern, Ärzten und ehrenamtlichen Mitarbeitern kümmert sich um das Wohlergehen der Kleinen, die trotz ihrer Schmerzen so viel Lebensfreude und Tapferkeit ausstrahlen.
Geodimara hat hier viele Freunde gefunden, deshalb falle ihr die Trennung ein bisschen schwer. Deutsch hat sie auch gelernt. Doch jetzt geht es mit sechs anderen Kindern nach Angola zurück, die vorher bei einem großen Fest verabschiedet wurden. In Angola freut sie sich auch auf die Schule und eine Zukunft, ohne sich für ihr Aussehen schämen zu müssen und Ausgrenzung zu erleben.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- WDR-Gespräche mit Mitarbeitern des Friedensdorfes International
- Vorherige Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Sechsjährige kehrt nach OP nach Angola zurück, 07.05.2025, 10:15 Uhr
