Streetworker in Oberhausen helfen Betroffenen aus der Krise

WDR 03:18 Min. Verfügbar bis 24.04.2028

Jung und perspektivlos Streetworker in Oberhausen helfen Betroffenen aus der Krise

Stand:

In Oberhausen kämpfen immer mehr junge Erwachsene mit Lebenskrisen. Streetworker brauchen viel Geduld, um ihnen zu helfen.

Eine blonde Frau mit Brille und ein Mann mit Brille, Bart und Kappe laufen auf einem Bürgersteig entlang

Streetworkerin Tina Jakoby sitzt mit Marvin am Rechner und sucht nach einer günstigen Wohnung, die vom Jobcenter finanziert wird. Der 25-Jährige pendelt zwischen seinen Eltern und seiner Freundin, will aber endlich auf eigenen Beinen stehen. Davon ist er aber noch weit entfernt. Er hat viele Baustellen: Keine Ausbildung, Schulden, eine Angststörung, die ihm den Umgang mit fremden Menschen schwer mache. "Ich habe versucht, den Hauptschulabschluss nachzuholen, aber meine Noten waren zu schlecht. Ich hoffe, beim dritten Anlauf klappt es".

Junge Erwachsene mit vielen Problemen

In der "Kurbel", eine Anlaufstelle vom Katholischen Jugendwerk, bekommt Marvin Rückhalt und Unterstützung, auch bei Bewerbungen für ein Praktikum. Vier Streetworker kümmern sich in der Kurbel um junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren. "Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen", sagt Sozialarbeiter Fabian Schmidt. "Psychische Erkrankungen haben deutlich zugenommen, auch Suchterkrankungen wie Medikamentensucht".

Eine Frau zeigt einem Mann etwas auf dem Computer

Tina Jakoby unterstützt Marvin am Rechner

Aktuell werden in der "Kurbel" etwa 150 junge Betroffene intensiv betreut, Hunderte kommen auch sporadisch vorbei und lassen sich anonym beraten. Viele sind zuhause rausgeflogen und haben Probleme mit ihren Eltern. "Mein Vater ist vor drei Jahren gestorben, meine Mutter muss sich um meine kleinen Schwestern kümmern, deshalb muss ich es alleine schaffen", sagt der 21-jährige Max. Er habe häufig aus Langeweile zur Flasche gegriffen und sei deswegen faul geworden. Das wolle er ändern.

Mit dem mobilen Beratungsbus in Oberhausen unterwegs

Jeden Tag sind Tina Jakoby und Fabian Schmidt mit ihrem braunen Bully unterwegs, in dem sie auch mobile Beratungen anbieten. Immer zu zweit, auf der Suche nach "Klienten", so wie sie sie nennen, die nicht den Weg zur Anlaufstelle finden. Viele halten sich rund um den Oberhausener Bahnhof auf, da wo Drogenhandel stattfindet und die Szene unterwegs sei.

"Viele unserer Klienten sind müde, sie haben schon die ganze Jugendhilfe durch, ohne Erfolg und kein Vertrauen mehr ins Hilfesystem", so Fabian Schmidt. "Wir versuchen, Schwellenängste abzubauen und für jeden bestmögliche Angebote aufzubauen". Die Streetworker arbeiten mit vielen Partnern zusammen, zum Beispiel Psychotherapeuten und der Wohnungslosenhilfe. Sie drängen jedoch niemandem ihre Hilfe auf. In der "Kurbel" können sich Betroffene auch einfach um ihre Grundbedürfnisse kümmern, Wäsche waschen, duschen und zu Mittag essen, nur nicht übernachten.

Notschlafstelle für junge Erwachsene fehlt

In Oberhausen gibt es mehrere Notschlafstellen. Es fehle ein Angebot speziell für junge Menschen, meint Jakoby. Sie ist deshalb aktuell im Gespräch mit der Stadt Oberhausen. Doch wie viele andere Ruhrgebietsstädte auch ist Oberhausen finanziell nicht auf Rosen gebettet. Benjamin Roth, Leiter des Oberhausener Jugendamtes, sieht zwar den Bedarf, kann aber keine Zusage machen, wann das Angebot geschaffen wird.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch und unterhalten sich

Die Streetworker beraten individuell

Einige junge Frauen, die in der "Kurbel" betreut werden, erzählen von sexuellen Übergriffen und wünschen sich mehr Sicherheit in den Notschlafstellen. Die soziale Not vieler junger Menschen erleben die Streetworker Tag für Tag. "Es sind die Erfolgsmomente, die mich glücklich machen", sagt Jakoby. "Wenn ich nach langer Zeit einen Klienten wiedertreffe und er mir erzählt, dass er eine Entgiftung und eine Psychotherapie durchgezogen hat", sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht.

Unsere Quellen:

  • Besuch der WDR-Reporterin vor Ort
  • Katholisches Jugendwerk
  • Jugendamt Oberhausen

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 23.04.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge aus Oberhausen

1 / 2