Passanten filmen Explosion am Bergheimer Umspannwerk | Video

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WDR 51 Sek. Verfügbar bis 02.09.2028

Anschlag auf Umspannwerk "Abschussvorrichtungen" in Maisfeld gefunden

Stand:

In Bergheim haben Unbekannte gestern Abend einen Anschlag auf ein Umspannwerk des Netzbetreibers Amprion verübt. Die Ermittler entdeckten in einem Maisfeld "Abschussvorrichtungen", mit denen leitfähige Materialien auf die Stromleitungen geschleudert wurden und so eine Störung auslösten. Ermittler sprechen von Parallelen zu einem Anschlag in Brandenburg.

Auf Handyvideos sind Blitze zu sehen. Anwohner berichten von lauten Knallgeräuschen. Was genau zur technischen Störung am Umspannwerk in Bergheim-Rheidt (Rhein-Erft-Kreis) geführt hat, ist Gegenstand der Ermittlungen. Bereits jetzt wird der Vorfall als Anschlag auf eine kritische Infrastruktur eingestuft, teilte die Polizei Essen am Mittwochnachmittag mit.

Ein Zaun umgibt ein Umspannwerk des Netzbetreibers Amprion

Das Umspannwerk am Tag nach dem Anschlag

Bildquelle: dpa/ Henning Kaiser

Innenminister Reul: Sabotage

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) äußerte sich am Mittag zu dem Vorfall. Demnach hätten die Täter gezielt einen Kurzschluss herbeigeführt, indem sie leitfähiges Material, mutmaßlich Kabel, über die Oberleitung gebracht hätten.

"Es besteht der Anfangsverdacht einer verfassungsfeindlichen Sabotage." NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Dabei komme sowohl fremdstaatlich gelenkte Sabotage, als auch ein linksextremistischer Hintergrund infrage. "Nichts davon können wir derzeit ausschließen", so Reul.

Netzbetreiber Amprion bestätigt Vorfall

Das Umspannwerk in Bergheim gehört dem Übertragungsnetzbetreiber Amprion, der den Vorfall bestätigte. "Im Umfeld der Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen im Rheinland ist es am Dienstagabend zu einem Vorfall gekommen, der Auswirkungen auf den Betrieb von Kraftwerkszuleitungen hatte", hieß es am frühen Morgen.

Ein Sprecher sagte, es habe einen "Erdschluss" gegeben. Gemeint ist damit eine Verbindung zwischen einer elektrischen Leitung und dem Erdboden. In der Folge sei es zu Anlagenausfällen bei RWE Power gekommen. Einen Stromausfall habe es durch den Vorfall nicht gegeben.

Kraftwerksblöcke automatisch vom Netz getrennt

Nach dem Störfall hatten sich Blöcke des benachbarten Kraftwerks Niederaußem automatisch abgeschaltet. Es seien zunächst keine sichtbaren Schäden festgestellt worden. Zwei Kraftwerksblöcke gingen bereits am Mittwochvormittag wieder ans Netz, ein weiterer am Abend. Die letzten beiden Blöcke sollen bis zum Wochenende wieder laufen.

Überspannanlage auf dem Feld

Das Umspannwerk und im Hintergrund das Kohlekraftwerk Niederaußem

Bildquelle: WDR/Oliver Köhler

Ein Kraftwerk wieder anzufahren brauche Zeit, unter anderem, weil Turbinen zunächst abkühlen müssten, so der RWE-Sprecher.

Ermittler finden "Abschussvorrichtungen"

Am Mittwochnachmittag erklärte Michael Esser von der Polizei Köln bei einer Pressekonferenz, die Ermittler hätten in einem Maisfeld nahe des Tatorts "Abschussvorrichtungen" gefunden. Mit den Geräten zum Abschuss von Pyrotechnik sollen nach Ansicht der Ermittler ein Stück Draht oder ein anderes leitfähiges Material in Richtung der stromführenden Leitungen geschleudert worden sein, der schließlich den Erdschluss im Umspannwerk ausgelöst hat.

Michael Esser und Ulrich Bremer geben eine Pressekonferenz im Polizeipräsidium.

Michael Esser (li.) und Ulrich Bremer (re.) bei einer Pressekonferenz in Essen.

Bildquelle: dpa/Christoph Reichwein

Ermittler suchen nach DNA-Spuren

Laut Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer werden die gefundenen Vorrichtungen nun auf DNA-Spuren untersucht. Außerdem soll ermittelt werden, welche Handys zum Tatzeitpunkt in einer lokalen Funkzelle eingeloggt waren. Zusätzlich wurde ein Hinweisportal im Internet eingerichtet, auf dem Zeugen ihre Beobachtungen melden sollen. Das Verfahren werde wegen des Anfangsverdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage und wegen der Störung öffentlicher Betriebe geführt, so Bremer weiter.

Sicherheitsexperte: Prävention "nicht sexy"

Laut Sicherheitsexperten sind zahlreiche Anlagen, die für die Versorgung der Bevölkerung besonders wichtig sind, unzureichend gegen Sabotage geschützt. "Das Problem ist, dass Prävention nicht sexy ist", sagte Manuel Atug von der Arbeitsgruppe "Kritische Infrastruktur" dem WDR am Mittwoch.

Der Zusammenschluss von Fachleuten berät unter anderem die Bundesregierung in Fragen des Schutzes von sensiblen Anlagen und IT-Netzwerken. Mit stärkeren Sicherheitsmaßnahmen seien "keine Wählerstimmen" zu gewinnen, so Atug. Nach einem Anschlag wie jetzt in Bergheim sehe die Sache allerdings anders aus. Nun könne man sich mit der Ankündigung höherer Sicherheitsstandards durchaus profilieren.

Parallelen zu Anschlag in Brandenburg

Erst am Dienstagmorgen hatten Unbekannte nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg versucht, Kurzschlüsse an einem Umspannwerk auszulösen. Bei der Spurenlage gebe es Parallelen zum Fall in Brandenburg, bestätigte Oberstaatsanwalt Bremer bei der Pressekonferenz. So sollen die in beiden Fällen verwendeten "Abschussvorrichtungen" mit Pyrotechnik ausgelöst worden sein. Außerdem wurde sowohl in Bergheim als auch in Brandenburg leitfähiges Material auf die Stromleitungen geschleudert.

Nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg sucht die Polizei vor Ort weiter nach Spuren

Polizisten in Brandenburg sind nach der Sabotage im Einsatz.

Bildquelle: dpa/Frank Hammerschmidt

Auch Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) hält einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen für wahrscheinlich. "Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind", sagte er laut einer Mitteilung seines Ministeriums. "Es ist folgerichtig, dass der Generalbundesanwalt prüft, die Ermittlungen an sich zu ziehen."

Polizei Essen hat Ermittlungen übernommen

Die Polizei Essen hatte den Fall in Bergheim in der Nacht übernommen: "Wir als Polizei Essen führen den Einsatz und die Ermittlungen, weil wir für die Führung derartiger Einsätze und Ermittlungslagen vorbereitet sind", sagte ein Sprecher. Die Polizei Köln, die eigentlich für den Rhein-Erft-Kreis zuständig ist, sei mit einem anderen Großeinsatz ausgelastet.

Lage am Umspannwerk Bergheim

WDR 02.09.2026 5 Min. 53 Sek. Verfügbar bis 01.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, WDR Morgenecho, 02.09.2026, 7.05 Uhr 

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