Dobrindt und Reul bei der Pressekonferenz zur Entwicklung nach den Angriffen auf das Stromnetz in Nordrhein-Westfalen.
Bildquelle: dpa/Christoph ReichweinInnenminister zu den Sabotagefällen : Reul und Dobrindt gehen von "Klimaextremismus" aus
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Von einer hohen Bedrohungslage sprechen Bundesinnenminister Dobrindt und NRW-Amtskollege Reul nach den jüngsten Sabotageangriffen. Während nach einem Mann aus Gevelsberg gefahndet wird, wollen die Politiker Konsequenzen ziehen.
Nach den jüngsten Sabotageangriffen auf kritische Infrastruktur in NRW sucht Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) den Schulterschluss mit dem Bund. "Täglich, stündlich" hoffe er auf Fahndungserfolge, sagte Reul am Freitag in Düsseldorf. Gemeinsam mit seinem Gast sprach er sich für einen besseren Schutz der Infrastruktur aus.
Dobrindt geht von "Klimaextremismus" aus
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach bei seinem Besuch in Düsseldorf von einer "hohen Bedrohungslage". Diese Bedrohungen kämen "nicht nur aus einer Richtung, sondern aus vielfältigen Richtungen gleichzeitig auf uns einwirkt", so Dobrindt beim Pressestatement mit Reul.
Nachdem am Donnerstagabend ein Spaziergänger einen verdächtigen Gegenstand an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf entdeckt hatte, wird ermittelt. In Bekennerschreiben war das Kraftwerk Weisweiler als weiterer Tatort genannt worden. Die Briefe sollen von einem Mann aus Gevelsberg bei Hagen stammen. Darin hatte der Mann jüngste Angriffe auf das Energienetz für sich reklamiert.
Angesichts der laufenden Ermittlungen wollte Dobrindt "keine abschließende Beurteilung vornehmen". Die vorliegende Handschrift sei "als authentisch identifiziert". Das Wissen aus dem Bekennerschreiben enthalte "eindeutiges Täterwissen", so Dobrindt. Aber nicht alles, was eindeutig erscheine, sei dann auch so eindeutig. "Nach aktuellem Stand muss man hier von Klimaextremismus ausgehen."
"Verfassungsfeindliche Sabotage"
NRW-Amtskollege Reul berichtete, dass die Fahnder in der Wohnung des 48-jährigen Mannes "sprengstoffverdächtige Gegenstände" gefunden haben. Ermittelt werde wegen des Verdachts der "verfassungsfeindlichen Sabotage". Geprüft werde aber ein linksextremistischer Hintergrund und eine mögliche fremdstaatliche Sabotage.
Dobrindt geht bislang von einem Einzeltäter aus, aber es könne auch "Vernetzungen" geben. Der NRW-Innenminister zitierte vor den Medien aus dem Bekennerschreiben, wonach der Verdächtige die fossile Rohstoffindustrie habe angreifen wollen. Reuls Replik: "Nicht die 'Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen', sondern Kritische Infrastruktur angreifen ist ein Verbrechen."
Warnhinweis an Betreiber
Beide Minister wollen die kritische Infrastruktur besser schützen. Dafür benötigen die Betreiber "klare Rechte und moderne Technik", so Reul. Hier sei "noch einiges zu erledigen". Der Bundesinnenminister sagte, dass man vor wenigen Tagen wegen der hohen Bedrohungslage eine Warnung an Betreiber kritischer Infrastruktur ausgegeben habe. Der Eigenschutz solle verstärkt werden, sagte Dobrindt.
Betreiber von kritischer Infrastruktur sollen laut Bundesinnenminister Drohnen nicht nur feststellen, sondern auch abwehren dürfen. "Dafür braucht es nicht notwendige Rechtsgrundlage", sagte Dobrindt. Neben der Befähigung der Wirtschaft, sich zu schützen, "rüsten" Bund und Ländern auch auf - und anderem mit dem personellen und technischen Ausbau der staatlichen Sicherheitsbehörden. Man sei jetzt, wie notwendig das sei.
Auf Nachfrage kündigte der Bundesinnenminister auch eine zügige Umsetzung des Kritis-Dachgesetzes an. Die notwendigen Verordnungen seien in der Ressortabstimmung im Bund. Dobrindt weiter: "Wir sind in einer Phase, wo wir auch mit weiteren Anschlagsszenarien rechnen müssen." Dies betreffe den "Staatsterrorismus", aber auch den "Extremismus". Möglicherweise gebe es hier auch Verbindungen.
Unsere Quellen:
- Reul und Dobrindt in Düsseldorf
Sendung: Westblick, Reul und Dobrindt zu Sabotageversuchen an Umspannwerken, 04.09.2026, 17:39 Uhr
