Schüler arbeiten NS-Verbrechen in Marsberg auf
WDR. 03:17 Min.. Verfügbar bis 11.07.2028.
Zwischen 1940 und 1941 ermordeten die Nationalsozialisten unter dem Deckmantel der Euthanasie 50 geistig behinderte und psychisch kranke Kinder in der Provinzial Heilanstalt Marsberg. Jetzt arbeiten Jugendliche auf dem Klinikgelände des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe diese Geschichte auf.
Das Wort Euthanasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet "schöner Tod". Die Nationalsozialisten ermordeten unter dem Deckmantel der Euthanasie hunderttausende kranke und behinderte Menschen. Ab August 1939 begann der systematische Massenmord an tausenden Kindern. Psychisch kranke oder behinderte Kinder galten als "lebensunwert".
Die alten Grabsteine auf der Wiese, weit hinter den Klinikgebäuden des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Marsberg, stehen in Reih und Glied. Windschiefe Steine, verwittert, mit Moos bewachsen. Magarethe Hesse steht auf einem der Steine. Geboren am 13. Juni 1935. Gestorben am 23. August 1941.
"Nicht gestorben. Umgebracht!" Anastasia, 15 Jahre
Die 15-jährige Anastasia besucht die Sekundarschule Marsberg und nimmt an einem Projekt ihrer Schule und der LWL-Schule für Kinder- und Jugendpsychiatrie teil. Die kleine Margarethe wurde umgebracht, weil sie geistig behindert war.
Nationalsozialisten ermordeten 50 Kinder
Auf dem alten Friedhof auf dem Gelände der LWL-Kliniken in Marsberg sind viele der ermordeten Kinder begraben.
Geschätzt 50 Kinder und Jugendliche wurden hier in Marsberg durch überdosierte Medikamente ermordet.
"Mich berührt das. Vor allem wenn man hier lebt und sich nicht vorstellen kann, dass das hier passiert ist." Virginia, 14 Jahre
Seit vier Jahren gibt es die Projekttage zu dem Thema. "Das ist hier passiert und das möchten wir an die nächste Generation weitergeben. Es ist wichtig, dass wir die Jugendlichen, die hier leben, informieren und dass wir das hier erlebbar machen,"sagt Lehrerin Nicole Köchling-Dicke.
Hilde starb mit 14 Jahren
Die Akten der Kinder lagern im Archiv des Landschaftsverbandes in Münster
Es geht zurück in den Klassenraum. Auf den Tischen liegen Kopien der Krankenakten einiger Kinder, die auf dem Friedhof begraben sind. Die 14-jährige Ida entdeckt, dass eines der Kinder am gleichen Tag Geburtstag hätte wie sie: "Genauso wie ich am 10. Juli. Als sie starb, war sie auch 14 Jahre alt."
Bei Ida erzeugt das ein komisches Gefühl: "Aber auch eine Art Verbindung zu dem Menschen." Ihre Lehrerin Monika Bannenberg erklärt den Sinn der Projekttage: "Wir beschäftigen uns damit, weil wir für heute etwas ändern wollen. Wir wollen Akzeptanz für Menschen, die anders sind."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Landschaftsverband Westfalen Lippe
- Sekundarschule Marsberg
- LWL Klinik Marsberg
- Bundeszentrale für politische Bildung
Sendung: WDR.de, Schüler arbeiten NS-Verbrechen in Marsberg auf, 13.07.2026, 05:05 Uhr