Eine Schwangere liegt auf einem Untersuchungsstuhl und ein Ultraschallgerät wird über ihren Bauch gefahren

Ein Arzt macht eine Ultraschall-Untersuchung.

Kündigung von Kreuztaler Frauenärztin Patientinnen bangen um Versorgung

Stand:

Der Frauenärztin im MVZ Kreuztal-Kredenbach wurde gekündigt. Ihre 4.000 Patientinnen wissen nicht, wie es weitergeht. Ob das MVZ ganz geschlossen wird, ist ungewiss. Wirtschaftliche Schwierigkeiten könnten möglicherweise der Hintergrund sein.

Von Katja Brinkhoff

Collin ist vier Monate alt. Melanie Schade, Collins Mutter, und ihr Mann hatten viele Jahre vergeblich auf ein Baby gehofft. Dann wechselte sie in die gynäkologische Praxis von Elke Blümel im MVZ Kreuztal-Kredenbach. Es passte.

Schade wurde schwanger. Tochter Josephine wurde 2024 geboren. Ihr kleiner Bruder im April 2026. Jetzt muss die 41-Jährige sich eine neue Frauenarztpraxis suchen.

"Frauenärztin ist für mich etwas ganz Intimes." Melanie Schade, Patientin

Die Diakonie Südwestfalen, Träger des MVZ Kredenbach, hat Gynäkologin Elke Blümel zum 30. September gekündigt.

Eine blonde Frau sitzt auf einem Sofa, auf ihrem Schoß ein Kleinkind. Die Frau lacht in die Kamera.

Melanie Schade muss sich nun eine neue Gynäkologin suchen.

Praxen arbeiten am Limit

Die Ärztin bestätigte die Kündigung gegenüber dem WDR. Ihre 4.000 Patientinnen stehen bald ohne Frauenärztin da. "Bis zu 20 Frauen täglich rufen uns an und fragen, ob wir sie übernehmen," erzählt Melissa Dittert, Medizinische Fachangestellte in der gynäkologischen Praxis von Dr. Osama Shamia in Kreuztal.

Ein weißes Gebäude, davor Büsche. Eine Person spaziert daran vorbei.

Steht das MVZ der Diakonie in Kreuztal-Kredenbach vor der Schließung?

Ihr Chef ist jetzt der einzige Gynäkologe vor Ort: "Wir sind am Limit und können nur wenige Patientinnen übernehmen." Viele Frauenarztpraxen in der Region haben in den letzten Jahren dicht gemacht. "Mit unseren Budgets ist es schwer, kostendeckend zu arbeiten", sagt Shamia. Eine mögliche Erklärung für die Kündigung.

"Krankenhäuser haben sich verkalkuliert"

"Die Kosten sind das Problem in den Medizinischen Versorgungszentren," sagt auch Dr. Hans-Jürgen Bickmann, Gynäkologe in Siegen. In einem MVZ arbeiten Ärztinnen und Ärzte im Angestelltenverhältnis. Dadurch unterliegen sie einer gesetzlichen Arbeitszeitbeschränkung.

"Die Krankenhäuser haben sich bei den MVZs verkalkuliert." Dr. Hans-Jürgen Bickmann, Gynäkologe in Siegen

"So ist eine Beschränkung der Gewinne einer MVZ-Praxis im Vergleich zur allgemeinen Praxis vorprogrammiert," sagt Bickmann. Er prognostiziert, dass weitere medizinische Leistungen wegfallen: "Wir müssen den Gürtel enger schnallen."

Wut auf das Gesundheitssystem

Schade hat inzwischen über das Internet einen Termin bei einem Gynäkologen gefunden. "Das ist schwierig. Man möchte auch nicht den Erstbesten nehmen. Das muss menschlich passen." Sie ist wütend auf das Gesundheitssystem: "Manche Praxen haben Wartezeiten von bis zu 18 Monaten."

Die Diakonie Südwestfalen äußert sich nicht speziell zur Zukunft des MVZ Kredenbach. Einer weiteren Ärztin dort soll auch gekündigt worden sein. In einer allgemeinen Stellungnahme der Diakonie heißt es, dass die Medizinischen Versorgungszentren auf dem Prüfstand stünden. Grund dafür seien neue gesetzliche Rahmenbedigungen.

Zuletzt war bekannt geworden, dass das MVZ in Kaan-Marienborn schließen wird - Ende September.

Knapp 4000 Patientinnen brauchen nach Kündigung neue Gynäkologin

WDR 26.07.2026 00:35 Min. Verfügbar bis 25.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • WDR-Reporterin vor Ort
  • Gespräch mit Patientin Melanie Schade
  • Gespräch mit Dr. Osama Shamia, Gynäkologe
  • Gespräch mit Melissa Dittert. Medizinische Fachangestellte
  • Gespräch mit Dr. Dr. Hans-Jürgen Bickmann, Gynäkologe
  • Stellungnahme der Diakonie Südwestfalen

Sendung: WDR.de, Knapp 4.000 Patientinnen brauchen nach Kündigung neue Gynäkologin, 26.07.2026, 11:32 Uhr

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