Nationalpark: Ja oder Nein?
Bildquelle: WDR / Alina HöngenWDR. 1 Min. 44 Sek.. Verfügbar bis 27.08.2028.
Seit Mai können sich Bürgerinnen und Bürger an der Diskussion um einen Nationalpark im Kreis Siegen-Wittgenstein beteiligen. Jetzt hat sich auch NRW-Umweltminister Oliver Krischer zu Wort gemeldet. Er sieht sich selbst in einer Beobachter-Rolle - befürwortet den Nationalpark aber.
Trotzdem machte er beim Nationalparkforum in Siegen auch deutlich: Es braucht Unterstützung für das Projekt aus der Bevölkerung. Dabei wandte er sich auch an die Unternehmen, die einen Nationalpark ablehnen. "Diese Region muss auch in Zukunft eine starke industrielle Region bleiben. Wir tun nichts, was das in Frage stellt", so Krischer.
"Ein Nationalpark kann nur dann erfolgreich sein, wenn eine Region mitarbeitet und das breit getragen wird." NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen)
Über 200 Leute waren beim Nationalparkforum dabei. Eine Entscheidung für oder gegen den Park wurde nicht getroffen. Es ging lediglich um den Austausch und das Beantworten von Fragen.
Eine Karte zeigt die Fläche des Nationalparks.
Bildquelle: WDR/Anne WillmesVorbild: Nationalpark Eifel
Teil des Nationalparksforums war auch ein Vortrag von Michael Lammertz. Er arbeitet im Nationalpark Eifel und berichtete von seinen Erfahrungen. Der Park sei eine Bereicherung für die strukturschwache Eifel. 1,4 Millionen Besucher haben den letztes Jahr besucht und dabei laut Lammertz 81 Millionen Euro ausgegeben.
"Ich kann die Kritik an einem weiteren Nationalpark nicht nachvollziehen." Michael Lammertz, Nationalpark Eifel
Laut Michael Lammertz hat der Nationalpark Eifel auch positive Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr. So gebe es inzwischen drei neue Buslinien. Es hätte zwar Probleme mit Mountainbikern oder Wild-Camping gegeben, aber dafür habe man Lösungen gefunden, sagt Lammertz.
Der Plan: Ein Nationalpark über den Rothaarkamm
Der Nationalpark im Kreis Siegen-Wittgenstein könnte knapp 4.300 Hektar groß werden. Vorgesehen ist ein länglicher Streifen, der von Hilchenbach über den Rothaarkamm bis nach Netphen führt. In dem Gebiet gibt es neben Wald auch Moore und Quellen. Dort entspringen zum Beispiel Sieg, Eder und Lahn.
Die Quellregion könnte Teil eines Nationalparks sein
Bildquelle: WDR/Anne WillmesZoff zwischen Gegnern und Befürwortern
Für Naturschützer ist das Gebiet perfekt für einen Nationalpark. Sie wollen, dass die Natur allein entscheidet, wie sie sich entwickelt. Außerdem erhoffen sich die Naturschützer mehr Artenvielfalt. Im Idealfall könnten sich seltene Tierarten in der Region wieder ansiedeln.
Auch Landrat Andreas Müller befürwortet die Pläne. Er hofft auf neuen Schwung für den Tourismus. Außerdem könne der Nationalpark neue Arbeitsplätze schaffen, so der SPD-Politiker.
Aber es gibt auch Kritik an den Plänen. Unternehmen befürchten, dass das Ja für einen Nationalpark das Aus für eine Umgehungsstraße zwischen Kreuztal und Erndtebrück bedeutet. Die wünscht sich die Wirtschaft seit Jahrzehnten. Statt einem Nationalpark fordert sie mehr Investitionen in die Infrastruktur.
Ein weiterer Streitpunkt ist das Thema Windenergie. Betreiber von Windkraft-Anlagen gehen davon aus, dass ein Nationalpark den Bau neuer Windräder stark einschränken würde. Und auch der landwirtschaftliche Kreisverband Siegen-Wittgenstein ist gegen einen Nationalpark.
Entscheidung über Nationalpark fällt im November
Ob der Nationalpark Rothaarkamm kommt, ist noch unklar. Nach den Sommerferien sollen die Kommunen, auf deren Gebiet der Nationalpark liegen würde, in den Stadt- und Gemeinderäten darüber abstimmen. Im November fällt der Kreistag Siegen-Wittgenstein dann eine finale Entscheidung.
Unsere Quellen:
- Kreis Siegen-Wittgenstein
- NRW-Umweltminister Oliver Krischer
- Eindrücke der WDR-Reporterin von vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 27.08.2026, 19:30 Uhr