Pro und Contra: Nationalpark in Siegen-Wittgenstein
Bildquelle: WDR/Anne WillmesWDR. 04:21 Min.. Verfügbar bis 20.08.2028.
Wirtschaft oder Naturschutz : Zoff um Nationalpark in Siegen-Wittgenstein
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Im Kreishaus laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Bürger können sich mit Fragen und Anregungen melden, in Workshops wird über den möglichen Nationalpark in Siegen-Wittgenstein diskutiert. Es gibt viel Vorfreude - aber auch Kritik.
Wald - das ist eine emotionale Angelegenheit. Nicht nur für jeden, der dort unterwegs ist und die Stille und die Natur genießt, sondern auch für alle, die rund um ihn leben und arbeiten. Die Diskussion um einen möglichen Nationalpark in Siegen-Wittgenstein reißt deshalb nicht ab. Unvereinbar scheinen dabei die Interessen von Wirtschaft und Naturschutz zu sein.
Landrat Andreas Müller (SPD) bekommt leuchtende Augen, wenn er gefragt wird, warum er die Pläne für einen Nationalpark auf dem Rothaarkamm unterstützt: "Wald ist für mich Heimat - wir haben hier die Möglichkeit, ein besonderes zusammenhängendes Waldgebiet zwischen den Siedlungen Hainchen und Lützel unter Schutz zu stellen."
Eine interaktive Karte zeigt die Fläche des möglichen Nationalparks in Siegen-Wittgenstein.
Bildquelle: WDR/Anne WillmesNationalpark hat Mehrwert für Siegen-Wittgenstein
Müller erklärt, dass ein Nationalpark nachhaltige Entwicklungschancen für die gesamte Region bieten könnte: "Der Tourismus wird an dieser Stelle mit einem Besucherzentrum, Hotels, Pensionen und Gastronomie aufgewertet."
"Es werden neue Arbeitsplätze geschaffen." Andreas Müller, Landrat
Wirtschaftsraum darf durch Nationalpark nicht benachteiligt werden
Der Landrat kennt aber auch die Sensibilitäten rund um Naturschutz und Wirtschaft in der Region. Seit Jahrzehnten warten Betriebe und Bevölkerung auf eine bessere Verkehrsanbindung von Wittgenstein über eine mögliche Bundesstraße zwischen Kreuztal und Erndtebrück. Die sogenannte Route 57. Das würde einem Nationalpark aber nicht widersprechen, so Müller, beide Projekte müssten nur miteinander koordiniert werden.
Ein Buchenwald als "Urwald" wäre eine wichtige Zone eines Nationalparks.
Bildquelle: WDR/Anne WillmesUnternehmer fordern mehr Fokus auf Infrastruktur und Wirtschaftsförderung
Daran glaubt Christian F. Kocherscheidt als Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Siegen-Wittgenstein nicht. Für ihn sind die Kraftanstrengungen rund um einen möglichen Nationalpark schlicht eine falsche Prioritätensetzung: "Wir stehen alle unter Stress. Da fänden wir es gut, wenn Bund, Land und Kommune den Fokus darauf richten könnten, wie wir die Verhältnisse für die Wirtschaft hier besser machen könnten."
"Es sollte mehr Energie in Wirtschaftsförderung und Infrastruktur fließen." Christian F. Kocherscheidt, Arbeitgeberverband
Außerdem sehe er nicht, so Kocherscheidt weiter, das "Besondere" am Rothaarkamm, das einen Nationalpark ausmachen würde.
Quellgebiet von Sieg, Eder, Lahn als Alleinstellungsmerkmal
Währenddessen unterstützen Naturschutzverbände die Planungen im Kreishaus. Ralf Kubosch spricht für die ArGe Pro Nationalpark und ist begeistert von dem, was ein Nationalpark bewirken könnte: "Buchenwälder zusammen mit unseren Quellen, Bächen, Mooren und Sümpfen zu entwickeln, zu erhalten und damit die Artenvielfalt zu sichern - das muss das Ziel eines Nationalparks am Rothaarkamm sein und das unterstützen wir."
Nationalpark am Rothaarkamm als Chance für den Tourismus
Der Fernwanderweg Rothaarsteig zieht sich wie eine Ader durch den möglichen Nationalpark. "Generell sehen wir die Überlegung positiv", heißt es vom Rothaarsteigverein. Auch, wenn es möglicherweise eine Verlegung von Streckenabschnitten bedeuten könnte. "Das ist aber noch eine große Unbekannte", sagt Harald Knoche, Geschäftsführer des Vereins, auf WDR-Nachfrage.
"Ein Nationalpark würde den Rothaarsteig aufwerten." Harald Knoche, Rothaarsteigverein
Kritik gibt es hingegen aus der Landwirtschaft. Henner Braach vom Landwirtschaftlichen Kreisverband Siegen-Wittgenstein hat große Bedenken, wenn es darum geht, Kompetenzen und damit auch ein Stück Selbstbestimmung abzugeben: "Das, was wir hier haben, das haben Generationen geschaffen. Und die werden das auch weiterhin pflegen und erhalten. Wir brauchen dazu keinen Nationalpark."
Das Waldinformationszentrum Forsthaus Hohenroth könnte das "Tor" für einen möglichen Nationalpark werden.
Bildquelle: WDR/Anne WillmesKreistag will im November über Nationalpark entscheiden
Nach der Sommerpause will der Kreis die Planungen konkret zusammenfassen und den Kommunen zum Beschluss vorlegen. Abschließend soll dann der Kreistag im November entscheiden, ob der Nationalpark am Rothaarkamm kommt oder nicht.
Unsere Quellen:
- Kreisverwaltung Siegen Wittgenstein
- Arbeitgeberverband Siegen Wittgenstein
- IHK Südwestfalen
- BUND Siegen Wittgenstein
- Rothaarsteigverein
- Landwirtschaftlicher Kreisverband Siegen-Wittgenstein
Sendung: WDR.de, Pro und Contra: Nationalpark in Siegen-Wittgenstein, 21.08.2026, 05:01 Uhr