Kreis Siegen-Wittgenstein lässt Nationalpark prüfen
Bildquelle: WDR / picture alliance / blickwinkel/SZweiter Nationalpark in NRW : Letzte Chance für Umweltminister Krischer?
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Eigentlich wollte die Landesregierung einen zweiten Nationalpark in NRW. Doch daraus ist bislang nichts geworden. Nun nimmt eine Region einen neuen Anlauf. Letzte Chance für den grünen Umweltminister Oliver Krischer ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag einzulösen.
Es war nur ein kleiner Absatz. Aber der war durchaus ambitioniert. "Wir wollen einen zweiten Nationalpark ausweisen und werden dazu einen Beteiligungsprozess initieren", stand auf Seite 31 des Koalitionsvertrags, den CDU und Grüne nach der Landtagswahl 2022 verabschiedeten.
Ein grünes Herzensprojekt. Doch ein Jahr vor dem Ende der Legislaturperiode ist aus diesem Vorhaben bislang nichts geworden. Ein Beteiligungsprozess wurde in die Wege geleitet, ein zweiter Nationalpark in NRW ist aber bislang nicht ausgewiesen worden.
Eggegebirge, Reichswald: Mehrheit dagegen
Dabei gab es durchaus Regionen, die das machen wollten. Die Pläne für das Eggegebirge in Ostwestfalen-Lippe oder den Reichswald am Niederrhein waren schon weit gediehen. Doch am Ende stimmten die Bürgerinnen und Bürger vor Ort dagegen.
Im Kreis Höxter lehnten 66,3 Prozent das Projekt ab, im Kreis Paderborn waren es 55,1 Prozent, im Kreis Kleve 52,7 Prozent.
Nun nimmt eine Region einen neuen Anlauf. Und könnte dafür sorgen, dass die schwarz-grüne Koalition ihr Versprechen doch noch einlöst: Ende März hat der Kreistag Siegen-Wittgenstein zugestimmt, einen Nationalpark Rothaarkamm erneut zu prüfen. Seither tauschen Kritiker und Befürworter Argumente aus. Im November will der Kreistag erneut abstimmen.
Erneute Abstimmung in Siegen
Das alles ist nicht neu. Bereits 2024 hatte man in Siegen gegen eine Nationalpark-Bewerbung gestimmt. NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne) hatte danach aber betont, eine Region, die in Zukunft einen Nationalpark einrichten wolle, werde bei der Landesregierung immer eine offene Tür finden. Nun also der erneute Vorstoß aus dem Siegerland.
Landrat Andreas Müller (SPD) befürwortet das Projekt als Standortfaktor: Er könne die bundesweite und internationale Sichtbarkeit der Region steigern, hochwertige Naherholungs- und Tourismusangebote mit neuen Arbeitsplätzen schaffen und einen wichtigen Beitrag zur Klima- und Umweltresilienz der Region leisten, warb er vorab für den Neuanlauf.
Vorbild Nationalpark Eifel
Um zu sehen, welche positiven Auswirkungen ein Nationalpark auf eine Region haben kann, lohnt ein Blick in die Eifel. Dort gibt es seit 22 Jahren den einzigen Nationalpark in NRW. Jährlich kommen mehr als eine Million Besucher, im vergangenen Jahr sogar so viele wie noch nie.
Das liegt nicht nur an den steigenden Energiepreisen, die die Menschen dazu bringen, in die Eifel statt nach Übersee zu fahren. Im Nationalpark wächst auch das Angebot an Wanderwegen, Kajak-Exkursionen und Möglichkeiten, die Wildnis zu entdecken.
Dadurch profitiert vor allem der Tourismus - und damit Gastronomen und Hoteliers. Die Landesregierung sieht darin ein Beispiel dafür, wie Naturschutz, Naturerlebnis und Tourismus zusammenwirken können.
Kritik aus der Wirtschaft
Die Kritiker im Siegerland befürchten dagegen Belastungen für Unternehmen und Industrie. Die Region könne keine zusätzlichen Flächenbeschränkungen oder einen Stopp beim Ausbau von Verkehrswegen verkraften, sagen Wirtschaftsverbände.
Bei der Entscheidung um den Nationalpark Egge im Jahr 2024 beispielsweise hatte sich unter anderem die Holzbranche gegen einen Nationalpark ausgesprochen. Sie fürchtete um viele Arbeitsplätze, weil dann kein Holz mehr aus dem Eggegebirge hätte entnommen werden dürfen.
Waldbesitzer und Landwirte sorgten sich gar um Enteignungen. Das, so versichert der Kreis Siegen-Wittgenstein, werde es beim Rothaarkamm nicht geben.
Krischer: Die Region muss entscheiden
"Die Entscheidung über einen Nationalpark muss aus der Region heraus getragen werden. Wenn Siegen-Wittgenstein diesen Weg gehen will, steht die Landesregierung dafür als Gesprächspartner bereit", lässt sich NRW-Umweltminister Krischer auf WDR-Anfrage zitieren.
Man unterstütze die Region bei der Prüfung und kläre gemeinsam, welche Chancen und welche konkreten Rahmenbedingungen mit einem Nationalpark Rothaarkamm verbunden wären.
"Am Ende muss aber die Region selbst entscheiden, ob sie diesen Weg gehen will." NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne)
Krischer kommt nach Siegen
Kommende Woche Donnerstag fährt der Minister selbst nach Siegen, um mit Kritikern und Befürwortern zu sprechen und für einen zweiten Nationalpark zu werben.
Es könnte Krischers letzte Chance sein, ein grünes Versprechen aus dem Koalitionsvertrag zu erfüllen. Einen weiteren vergleichbaren konkreten Anlauf für einen Nationalpark nämlich, so das Ministerium, gebe es derzeit nicht. Und 2027 sind Wahlen.
Unsere Quellen:
- NRW-Umweltministerium
- Koalitionsvertrag CDU/Grüne
- Nachrichtenagentur dpa
- Kreis Siegen-Wittgenstein
Sendung: WDR.de, Zweiter Nationalpark in NRW?, 21.08.2026, 5:05 Uhr