Carina Aufdemkamp bleibt ruhig am Telefon, auch wenn es gerade um Leben und Tod geht. "Ist ihre Mutter wach und ansprechbar? Atmet sie? Der Rettungswagen ist unterwegs: Ich erkläre ihnen jetzt am Telefon genau die Reanimation, ok?" In diesem Fall ist es ein echter Notfall. Immer häufiger landen in der Soester Kreisleitstelle von Feuerwehr und Polizei aber auch Fake-Anrufe. Unbekannte machen sich einen "Spaß" daraus, die Einsatzkräfte zu alarmieren, obwohl es gar keinen Notfall gibt.
Anrufer berichten von Horrorszenarien
Täuschend echt werden da Horrorszenarien am Telefon geschildert. "Da hat ein Mensch angerufen und gesagt, dass der ganze Keller brennt und sich noch Leute im Haus befinden. Natürlich schicken wir da ersteinmal alles hin, was gebraucht wird", schildert Polizeioberkommissar Malte Bering.
Carina Aufdemkamp erinnert sich noch besonders an den Anruf, bei dem ein Mann erzählt hat, dass er gerade seine Frau umgebracht hat, jetzt selber sterben wolle und deshalb das Haus anzünden werde. "Das ist natürlich mega Stress. Offensichtlich geht es um Menschenleben."
Über 100.000 Notrufe allein im Kreis Soest
Im modernen Rettungszentrum des Kreises Soest liegen die beiden großen Leitstellen nebeneinander. Für Feuerwehr und Rettungsdienst gibt es 42 Mitarbeitende: Je sieben Feuerwehrleute sitzen oder stehen in den 24-Stunden-Schichten an den großen Schreibtischen mit vier Monitoren.
Ein Pkw-Brand bei Werl: Während die Feuerwehrleute gelöscht haben, kam schon die nächste Alarmierung. Angeblich brannte ein Haus - doch das war ein "Spaß"-Anruf.
Bildquelle: Karsten Korte, Feuerwehr WerlBei der Feuerwehr gehen unter der 112 im Jahr etwa 64.000 Notrufe ein, bei der Polizei direkt nebenan mehr als 50.000. Tendenz: stark steigend. Aus den meisten Alarmierungen werden Einsätze für Notärzte, Rettungswagen-Besatzungen und für die Polizei.
"Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig"
"Wenn Sie nicht sicher sind, rufen Sie uns lieber einmal zuviel als einmal zu wenig an", erklärt das Team der beiden Rettungsleitstellen. Ein Einbrecher in der Garage des Nachbarn sei eindeutig ein Fall für die 110 und mögliche Anzeichen für einen Schlaganfall oder unklarer Rauch sind natürlich ein Anlass, die 112 zu wählen.
"Auch wenn es am Ende doch nicht so schlimm ist: In solchen Fällen muß niemand den Einsatz bezahlen. Anders sieht das bei böswilligen Alarmierungen aus", erklärt Stefan Stracke von der Polizei.
Fake-Anrufe können teuer werden
Karsten Korte leitet die Feuerwehr in Werl. Seine ehrenamtliche Kräfte wurden immer wieder zu einer Tiefgarage in die Innentstadt gerufen. Fake-Einsätze, die alle Beteiligten sehr ärgern.
Bildquelle: WDR / ButtermannCarina Aufdemkamp aus der Feuerwehrleitstelle und Malte Bering von der Polizei ärgert jede "Spaß"-Alarmierung sehr. "Wichtige Rettungsmittel stehen für andere Einsätze nicht zur Verfügung", sind sich beide einig. "In dem Moment bekommt man das ja noch nicht mit, aber wenn man das dann später erfährt, dann werde ich richtig sauer", sagt Carina Aufdemkamp.
Die Verusacher werden Dank Nummernerkennung immer häufiger gestellt. "Das kann richtig teuer werden", ergänzt Stefan Stracke von der Polizei. "Wenn jeder Beamte, jeder freiwillige Feuerwehrmann und jedes Fahrzeug pro Stunde in Rechnung gestellt werden, dann geht das schnell in die Tausende".
Tipps von der Polizei
- Im Zweifelsfall lieber einmal zuviel als einmal zu wenig anrufen
- Besonders wichtig: Schildern Sie genau, wo sie gerade sind
- Die Fragen der Leitstelle müssen genau beantwortet werden: Die Einsatzkräfte werden schon während des Anrufes auf den Weg geschickt
- Wenn ihr Handy zB. in der Hosentasche aus Versehen einen Notruf abgesetzt hat: Gehen Sie ans Telefon und informieren Sie die 110 oder 112, damit keine Retter losgeschickt werden
- Notruf nie für allgemeine Auskünfte nutzen. Die Leitstelle kann auch nicht weiterleiten: Ein Verbinden des Anrufs ist nicht möglich.
- 112 für Rettungsdienst und Feuerwehr, 110 für die Polizei
- Notrufe habe Vorrang: bei Großveranstaltungen sind Anrufe möglich, Gespräche an anderen Telefonen werden dafür unterbrochen
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Leiter der Leitstelle Polizei
- Leiter der Leitstelle Feuerwehr und Rettungsdienst
- Feuerwehr Werl
Über dieses Thema berichten wir am 10.07.25 auch im Fernsehen in der Lokalzeit Südwestfalen
